Deutschland

26. Juni 2017 23:27; Akt: 27.06.2017 01:37 Print

Merkel rückt von Nein zur Homo-Ehe ab

Knapp 24 Stunden nach dem SPD-Parteitag ist die deutsche Kanzlerin von der klaren Haltung ihrer Partei CDU zur gleichgeschlechtlichen Ehe abgerückt.

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Tut sich immer noch ein bisschen schwer mit der Gleichstellung: Angela Merkel bei einem Auftritt in Berlin. (26. Juni 2017)

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Die CDU steht offenbar vor einem neuen Umgang mit dem Streitthema Homo-Ehe. Parteichefin und Bundeskanzlerin Angela Merkel stellte in Aussicht, eine künftige Entscheidung über die Ehe für alle zu einer Gewissensfrage zu machen.

«Ich möchte die Diskussion mehr in die Situation führen, dass es eher in Richtung einer Gewissensentscheidung ist, als dass ich jetzt per Mehrheitsbeschluss irgendwas durchpauke», sagte Merkel auf einer Veranstaltung der Zeitschrift «Brigitte» in Berlin.

Grüne, Linke, FDP und SPD hatten in den vergangenen Wochen die Öffnung der Ehe auch für homosexuelle Paare ausdrücklich zu ihren Wahlkampf-Forderungen gemacht. Merkel sagte, sie nehme dies «zur Kenntnis». Sie sei aber «ein bisschen bekümmert», dass dieses Thema nun Gegenstand von «Parteitagsbeschlüssen und plakativen Dingen» sei. SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz hatte am Sonntag die Ehe für Schwule und Lesben zur Bedingung für jede Koalition nach der Bundestagswahl gemacht.

Merkel glaube, dass es sich um «etwas schon sehr Individuelles handle». Deswegen wolle sie mit CDU und CSU «anders darauf reagieren». Sie selbst und viele andere in der CDU würden sich «viele Gedanken» über diese Frage machen, sagte Merkel weiter. Nach Angaben von Teilnehmern diskutierte die innere CDU-Führung am Sonntagabend bei ihrer Vorbereitung des Wahlprogramms eineinhalb Stunden über das Thema.

«Dinge, die mich sehr beschäftigen»

Merkel wurde die Frage nach der Ehe für alle bei der «Brigitte»-Veranstaltung von einem Zuhörer gestellt. Wie in einer ähnlichen Situation im Wahlkampf 2013 fiel es ihr auch diesmal sichtlich schwer, ihre Vorbehalte zu formulieren. Damals hatte sie unter anderem gesagt: «Ich bin unsicher, was das Kindeswohl anbelangt.»

Auch in dieser Frage scheint sich Merkels Haltung zu verändern. Am Abend schilderte sie eine Erfahrung aus ihrem Wahlkreis, wo ein lesbisches Paar acht Pflegekinder betreue.

Wenn der Staat einem homosexuellen Paar Kinder zur Pflege gebe, «kann ich nicht mehr ganz so einfach mit der Frage des Kindeswohls argumentieren», räumte Merkel ein, «Das sind Dinge, die mich sehr beschäftigen.»

Die Ehe für alle würde schwulen und lesbischen Paaren die Möglichkeit zum Heiraten eröffnen. Homosexuelle können bislang nur eine eingetragene Lebenspartnerschaft eingehen, wie sie die rot-grüne Koalition im Jahr 2001 eingeführt hatte. Ihnen ist unter anderem die gemeinsame Adoption von Kindern verwehrt.

(nag/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Peter Silie am 27.06.2017 07:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    CDU/SPD/FDP/Grüne

    Ales mehr oder weniger dasselbe geworden.. Wer wirklich Opposition will und etwas neues, muss entweder die LINKE oder die AfD wählen.

  • alexa* am 27.06.2017 01:00 Report Diesen Beitrag melden

    Will die hier nicht sehen.

    Ja und ? Was bitte haben wir in der Schweiz mit dieser Frau zu tun ? Soll sie in Deutschland machen was sie will, Hauptsache die bleibt der Schweiz fern...!!

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  • Pasci am 27.06.2017 04:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Liebe gewinnt

    Am Ende gewinnt immer die Liebe! Ob Mann/Mann, Frau/Mann, Frau/Frau. Die Liebe zählt zwischen den beiden Menschen und dies kann die Welt nicht genug haben. Die 20min Leser die nun hier den Daumen nach unten wählen, müssten sich im Herzen fragen, wieso bin gegen die Liebe? Ob Schwul, Hetero, Bi ... geniesst den Tag.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Dirk am 27.06.2017 17:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Liebe Schweizerinnen und Schweizer

    Ich kann euch beruhigen. Die Auffassung von Frau Merkel hat keinen Einfluss auf die Schweizer Gesetzgebung. Ihr braucht euch also nicht so zu echauffieren.

  • M.G. am 27.06.2017 13:35 Report Diesen Beitrag melden

    Das ist deutsche Mehrheitsmeinung

    Frau Merkel hat einen ganzen Stab von Analysten die monatlich Umfragen zu allen möglichen Themen auswerten. Nach diesen Ergebnissen richtet sie ihre Politik aus. Wenn man also Frau Merkels Politik kritisiert dann stellt man die politische Kompetenz der Mehrheit der Deutschen in Frage. Wer will sich denn anmassen die richtige Moral und Ethik zu haben und diese Vorstellung notfalls auch gegen die Mehrheit durchzusetzen? Die Regierung hat keinen Erziehungsauftrag.

  • Stan N am 27.06.2017 12:57 Report Diesen Beitrag melden

    Die ach so hochgelobte Schweiz

    Europamässig stehen wir im lgbt-Ranking auf Platz 26 von 49 das heisst, wir stehen näher zu Azerbajian Platz 49 als zu Malta platz 1. Vergleicht man die Schweiz mit den EU-Länder, sieht die Sache noch viel dramatischer aus... Passt sehr gut... die Schweiz hat als letztes europäisches Land Hexen verbrannt, Frauen bekamen als letzte das Wahlrecht, arme Leute wurden bevor es die AHV gab nach Amerika verschifft, ledige Mütter, hat man in Psychis oder Gefängnissen untergebracht, Verdingkinder konnte man als sklaven halten, Administrativ konnte man bis in die 80er versorgt werden etc. etc,

  • Antonio G am 27.06.2017 12:14 Report Diesen Beitrag melden

    Ach diese Wahlen

    da muss man schon ein bisschen hin und her schwenken.

  • Normalmensch am 27.06.2017 12:00 Report Diesen Beitrag melden

    Einem Kleinkind...

    aus egoistischen Gründen die Muterbeziehung nicht möglich zu machen ist ein zwischenmenschliches Delikt.

    • De jure am 27.06.2017 18:10 Report Diesen Beitrag melden

      Wissenschaft statt Religion

      Blöderweise sprechen fast sämtliche Langzeitstudien von unabhängigen, öffentlichen Universitäten zu dem Thema gegen Sie die von Freikirchen, Sekten und der katholischen Kirche gesponserten und methodisch äusserst mangelhaften Studien beziehe ich nicht ein. Von Egoismus kann ausserdem nicht die Rede sein. Oder halten sie etwa auch jedes heterosexuelle Paar mit Kinderwunsch für egoistisch?

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