Kriegsspiele

14. September 2017 11:20; Akt: 14.09.2017 12:07 Print

Grossmanöver – Russland provoziert Nachbarn

In der offiziellen Darstellung spricht man von 13'000 Soldaten, die beim russisch-weissrussischen Militärmanöver Sapad (Westen) eingesetzt werden; inoffiziell von 100'000.

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Russland und Weissrussland haben heute mit einem Grossmanöver an der Ostflanke der EU begonnen. Die Soldaten der beiden Armeen marschierten nahe der Grenze zu den Nato-Staaten Polen, Litauen, Lettland und Estland auf, wo die Militärübung mit Sorge beobachtet wird.

Diese Länder fürchten, dass Russland unter dem Deckmantel des Manövers dauerhaft Soldaten an den Grenzen stationiert. Das russische Verteidigungsministerium erklärte hingegen, das Manöver sei «streng defensiver Natur und nicht gegen irgendeinen Staat oder eine Ländergruppe gerichtet».

Bei der Übung wolle man auf der Grundlage moderner Konflikte trainieren und die Streitkräfte beider Länder schulen, hiess es. Das Manöver werde an sechs Übungsplätzen in Weissrussland stattfinden. Zudem sollen taktische Manöver der Luftwaffe in Russland geprobt werden.

Nato-Mitglieder verunsichert

Am Grossmanöver «Sapad 2017» (Westen 2017) nehmen nach russischen Angaben 12'700 Soldaten, 70 Flugzeuge, 250 Panzer und zehn Kriegsschiffe teil – damit läge die Zahl knapp unter der Schwelle von 13'000 Soldaten, ab der nach internationalen Vereinbarungen ein umfassender Zugang von Beobachtern gewährt werden muss.

Die baltischen Nato-Mitglieder gehen allerdings von 100'000 Teilnehmern aus. Die Nato hatte in diesem Jahr die Verstärkung ihrer Truppen im Osten abgeschlossen und dafür in Polen, Estland, Lettland und Litauen multinationale Kampfverbände mit jeweils tausend Soldaten stationiert.

Wie 2013, vor der Besetzung der Krim

Der deutsche CDU-Politiker und ehemalige Generalstabsoffizier der Bundeswehr, Roderich Kiesewetter, sieht die Militärübung kritisch. In einem Interview mit dem «Deutschlandfunk» rät er zwar zu Gelassenheit, aber man müsse die Sicherheitsbedenken des Baltikums ganz klar mit einkalkulieren.

Im Vorfeld des Militärmanövers sagte Litauens Aussenminister, man müsse wachsam und vorbereitet sein. Kiesewetter erinnerte diesbezüglich an die letzte grosse Übung Sapad von 2013: «Das war ein halbes Jahr vor der Besetzung der Krim. Da kann ich schon verstehen, dass die baltischen Staaten in Sorge sind.»

Manöver auch mit China

Vier chinesische Militärschiffe sind in der Hafenstadt Qingdao zu einem gemeinsamen Manöver mit der russischen Marine aufgebrochen. Ein Zerstörer, ein Versorgungsschiff, ein Rettungsschiff für U-Boote und eine Fregatte mit Raketenwerfern seien am Mittwoch in Richtung des Japanischen Meers (Ostmeers) in die Nähe der Koreanischen Halbinsel und des Ochotskischen Meers vor Japan aufgebrochen, meldete die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua.

Das Manöver ist die zweite Stufe einer jährlichen gemeinsamen Übung von China und Russland. Der erste Teil war bereits im Juli in der Ostsee abgehalten worden. Es war das erste Mal, dass die beiden Staaten in europäischen Gewässern eine gemeinsame Übung durchführten. Russland und China sind in vielen Sicherheitsfragen eng miteinander abgestimmt.

(nag/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • xxlbmw am 14.09.2017 12:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Super

    Was andere dürfen, können auch die russen machen.

  • Golgotha am 14.09.2017 14:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wer provoziert wen?

    Die Nato muss ja Russland einkesseln. Wenn dann an einer Nato Landesgrenze geübt wird, herscht Chaos und Angst. Wir dürfen einfach nicht vergessen das Väterchen Russland für Europa wichtiger ist als die Nato. Russland hat in der Vergangenheit schon sehr viel für unser Europa getan, als wir selber. Sicher Zeiten ändern sich, Präsidenten kommen und gehen, aber die Propaganda Lügen und Verschwörungen bleiben.

  • Reto Signorell am 14.09.2017 14:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gleich ist wohl nicht Gleich!?!

    Und was ist mit den Nato-Manövern vor Russlands Türe? Ganz zu schweigen von den Ami-Manövern weltweit!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Demokrat am 14.09.2017 19:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Raus !

    die USA soll aus Europa und Asien verschwinden. Früher oder später wird die USA einen Krieg anzetteln. Aber eben dafür braucht es Politiker die auch Mut haben... und solche gibt es nicht.

  • Verfechter am 14.09.2017 19:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Provokation?

    Die USA sollte sich langsam aber sicher aus Europa zurück ziehen. Der Gefahrenherd geht nur aus der NATO heraus. Leider ist Europa nicht fähig und Willens auf einen eigenen europäischen Verbund aufzubauen, der die Interessen inkl. aller Oststaaten in Einklang bringen würde. Ich meinerseits sympathisiere eindeutig mit dem Osten, da dieser eine Linie hat.

  • Manuel am 14.09.2017 19:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Grösster Agressor USA

    Ich finde die USA sind der grössere Agressor als Russland. Die Provozieren überall auf der ganzen Welt, und wenn Russland mal was macht, auf eigenem Gebiet, ist es dann Schlimm? Verstehe ich nicht.

  • JonSnow am 14.09.2017 19:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Same, same, but different

    Tja, und wer erklärt amerikanische Kriegsschiffe im Schwarzen Meer und Manöver im Baltikum zur Provokation?

    • Mikail Gorbatschow am 14.09.2017 20:01 Report Diesen Beitrag melden

      Billige Propaganda

      @JonSnow Wochenlang hat der Kreml dies als Provokation in sämtlichen Medien gebrandmarkt. Selbst vor der UNO hat der Kreml protestiert. Die USA und Europa tun nichts dergleichen.

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  • Manu am 14.09.2017 18:58 Report Diesen Beitrag melden

    Definition

    Wenn eine Seite ganze Bataillone und hunderte Panzerfahrzeuge von weit weg direkt vor die grenze des anderen schickt, dass dient dies zur Defensive. Wenn der Andere an seine Grenze eine defensiv Übung macht, dann ist es Provokation. Soso.. Nun, im Grunde genommen kann beides richtig sein. Auch umgekehrt ist es richtig. Im Endeffekt ist es nur Machtpolitischer und Medialer Schlagabtausch. Provozieren tun beide, nur die einen (USA) etwas mehr :-)

    • Peter Merkel am 14.09.2017 20:04 Report Diesen Beitrag melden

      Angst vor uns

      @Manu Bei Putin merkt man einfach, dass er schlicht Angst hat. Er ist nervös. Die Devisen gehen ihm aus und das Volk beginnt sich zu regen. Also sorgt er mit dem einzigen das so einigermassen funktioniert für Wirbel. Er schickt seine Soldaten "an die Front". Der Westen nimmt seine extreme Nervosität zur Kenntnis, nicht als Zeichen der Stärke sondern der Schwäche

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