Prozessbeginn in Malaysia

02. Oktober 2017 05:42; Akt: 02.10.2017 19:51 Print

Kims Attentäterinnen droht Todesstrafe

In Malaysia hat der Prozess wegen des Mordes an Kim Jong-uns Halbbruder begonnen. Die beiden verdächtigten Frauen plädieren auf unschuldig.

Den beiden Frauen droht in Malaysia die Todesstrafe. (Video: Tamedia/AFP)
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Vor einem Gericht in Malaysia hat am Montag der Prozess wegen des Giftmords am Halbbruder von Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un begonnen. Die beiden des Mordes verdächtigten Frauen haben zum Prozessauftakt auf unschuldig plädiert.

Ihnen wird vorgeworfen, den Nordkoreaner Kim Jong-nam Mitte Februar auf dem Flughafen von Kuala Lumpur mit dem Nervengas VX ermordet zu haben. Angeblich hielten sie das Ganze nur für einen Scherz fürs Fernsehen.

Vermutet wird, dass der Anschlag auf das Konto des nordkoreanischen Geheimdienstes geht. Die Führung des kommunistischen Staates weist jedoch alle Vorwürfe zurück. Von den mutmasslichen Hintermännern ist niemand in Haft.

Mehrere Nordkoreaner, die sich zur Tatzeit in Malaysia aufhielten, verliessen das südostasiatische Land unter merkwürdigen Umständen. Die Staatsanwaltschaft sprach am Montag von vier weiteren Verdächtigen, ohne Namen oder Nationalität zu nennen.

Eine Art «Versteckte Kamera»

Die zwei Angeklagten – die 25-jährige Vietnamesin Doan Thi Huong und die 29-jährige Indonesierin Siti Aishah – wurden am Montag unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen ins Gericht gebracht. Aus Furcht vor einem Hinterhalt trugen sie schusssichere Westen.

Die beiden gaben bislang immer an, von Fremden angeheuert worden zu sein. Angeblich dachten sie, sie müssten ihrem Opfer für eine Art «Versteckte Kamera» eine ungefährliche Substanz in Gesicht drücken. Die Staatsanwaltschaft glaubt hingegen, dass sie genau Bescheid wussten.

In Wahrheit handelte es sich nach Erkenntnissen der Ermittler um das Nervengas VX, das von der UNO als Massenvernichtungsmittel eingestuft wird. Die Tat wurde von den Überwachungskameras des Flughafens gefilmt.

Auf den Aufnahmen ist auch zu sehen, wie Kim Jong-nam nach dem Überfall zunächst an einen Schalter geht und um Hilfe bittet. Er starb dann noch auf dem Weg ins Spital. Der Leichnam wurde erst nach wochenlangen diplomatischen Querelen zurück nach Pyongyang gebracht.

Der Fall hatte die Beziehungen zwischen Nordkorea und Malaysia – einem der wenigen Staaten, die noch halbwegs normale Kontakte mit Pyongyang unterhielt – massiv belastet. Beide Länder wiesen gegenseitig die Botschafter aus. Mittlerweile hat sich die Lage wieder beruhigt. Allerdings empfahl Malaysia jetzt vor dem Prozess seinen Bürgern, keinesfalls nach Nordkorea zu reisen.

Prozess dauert mindestens zwei Monate

Der Prozess wird vermutlich mindestens zwei Monate dauern. Insgesamt sollen mehr als 150 Zeugen befragt werden. Auch mehrere wissenschaftliche Gutachter sollen Auskunft geben.

Einen Antrag der Verteidigung, die Identität der vier weiteren Verdächtigen offenzulegen, lehnte das Gericht am Montag ab. Nach Medienberichten handelt es sich dabei um nordkoreanische Agenten, die wenige Stunden nach der Tat in ihre Heimat flohen.

Malaysia gehört zu den Ländern, die die Todesstrafe nicht nur im Gesetzbuch stehen haben, sondern auch vollstrecken. Auch in diesem Jahr gab es bereits Hinrichtungen. Normalerweise wird das Urteil durch den Strang vollstreckt.

In Ungnade gefallen

Kim Jong-nam war der älteste Sohn des langjährigen Machthabers Kim Jong-il (1941-2011) aus einer früheren Ehe. Der 45-Jährige galt eine Zeit lang auch als erster Anwärter auf die Nachfolge, fiel dann aber in Ungnade.

Seit Jahren hielt er sich ausserhalb Nordkoreas auf, oft in Malaysia und dem chinesischen Spielerparadies Macao. Mehrfach äusserte er sich kritisch über sein Heimatland. Als Regimegegner galt er jedoch nicht. Es gibt Experten, die vermuten, dass er sich als Ersatz für den Fall bereithielt, dass Kim Jong-un gestürzt wird.

(chk/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • ChrisV am 02.10.2017 07:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Prozess

    Komisch, wann wird der Prozess eröffnet gegen Kim, der bringt ja laufend Leute um?

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  • Stardust am 02.10.2017 07:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tragisch

    dieses nervengas kann man nicht einfach so kaufen also sind es entweder Agentinnen oder für das Attentat ohne zu wissen missbraucht worden

  • beatrice schuler am 02.10.2017 07:40 Report Diesen Beitrag melden

    Schweiz schweigt

    das ewige einmischen in solchen Ländern, der macht sowieso was er will! Ich frage mich, was geht das die schweizer Politik an? Es wird gemordet auf der ganzen Welt in vielen Làndern. Ich finde es besser, wir halten uns da raus. Es bringt sowieso nix gar nix! Wir sollten uns auf andere Tatsachen konzentrieren, wir haben sehr viele Ungerechtigkeiten hier!!!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Sorry, aber ... am 03.10.2017 09:29 Report Diesen Beitrag melden

    Hochgiftige Substanz - keine Handschuhe?

    Also, wenn diese Frauen gewusst haben, was die Substanz ist und wie gefaehrlich sie ist zum Handhaben: Haetten sie dann nicht zu ihrem Schutz Handschuhe getragen?

  • angy am 02.10.2017 19:58 Report Diesen Beitrag melden

    hintermänner

    ich glaube, da werden die falschen verurteilt. die hintermänner muss man fassen, und die, sind bekannt!

  • B. Kerzenmacher am 02.10.2017 11:42 Report Diesen Beitrag melden

    Es...

    wäre interessant zu erfahren, welche aktuellen innenpolitischen Ereignisse in Nordkorea dieses Attentat vorangetrieben haben. Kim Jong-nam war politisch nicht ambitioniert und seine schon länger zurückliegenden kritischen Äusserungen keine Gefahr für die Machthaber. Der nordkoreanische Geheimdienst hat ausserdem genug Erfahrung Personen unauffällig zu beseitigen. Der Plan Amateur-Schauspieler dazu einzusetzen, erweiterte nur den Kreis der Mitwisser und die Verwendung eines geächteten Nervengifts führt zwangsläufig auf die Spur einer militärischen Quelle.

  • Thimmy am 02.10.2017 11:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Richtig so

    Richtig: Bei uns gäbs den Mei Mei Finger und 7 Franken auf Bewährung.

  • rbjajaoui am 02.10.2017 09:09 Report Diesen Beitrag melden

    Nichts gewusst ja klar doch

    Ich täte auch auf Nichtschuldig plädieren, komisch nur, dass das Gift auch die mutmasslichen "Täterinnen" nicht erwischt hat. Jedenfalls gibt mir diesen Zwischenfall noch heute sehr zu denken.