Neue Spuren zur Bluttat

28. Oktober 2012 20:05; Akt: 29.10.2012 13:38 Print

Wollte der Annecy-Killer an Saddams Geld?

Der Vierfachmord in den französischen Alpen wird immer mysteriöser: Der Vater eines Getöteten soll eine Millionensumme von Iraks Ex-Diktator Saddam Hussein auf seinem Schweizer Konto verwaltet haben.

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Am hat die französische Polizei ein Phantombild eines Motorradfahrers veröffentlicht. Alle Zeugen, die den Mann erkennen, sollen sich bei der französischen Polizei melden. Jetzt wurde ein 48-jähriger Mann verhaftet. Der Killer von Annecy hat die vier Menschen offenbar mit einer Schweizer Waffe erschossen. Laut einem Ermittlungsbericht wurde eine und ist heute als Sammlerobjekt heiss begehrt. wurden in der Nähe des französischen Dorfs Chevaline eine fünfköpfige Familie und ein Velofahrer erschossen. Chevaline liegt in der Nähe von Annecy und rund 60 Kilometer südlich der Schweizer Grenze. Die Gegend ist . Bei den Todesopfern handelt es sich um den Briten (45). Der Vater dreier Kinder arbeitete in der Nuklearindustrie. Die beiden Töchter der al-Hillis haben das Massaker überlebt. Die erlitt einen Schock und ist schwer traumatisiert. Sie hatte sich über acht Stunden unter den Beinen ihrer toten Mutter versteckt und wurde erst gegen Mitternacht von den Polizisten entdeckt. Die 7-jährige Zainab musste im Spital von Grenoble und danach ins künstliche Koma versetzt werden. Am 14. September wurde sie zurück nach Grossbritannien gebracht. Ihre kleine Schwester war schon zuvor in ihr Heimatland zurückgereist. Entdeckt wurde das Massaker von einem . Dieser ist ein ehemaliges Mitglied der Royal Air Force und lebt in Frankreich. Er wurde auf der Route de la Combe d'Ire von einem anderen Velofahrer überholt, der kurz darauf erschossen wurde. Danach fuhren ihm ein 4x4-Fahrzeug («grün oder von dunkler Farbe») und ein Motorrad entgegen. Um traf der Brite auf dem Tatort ein, wo ihm die schwer verletzte Zainab (7) entgegenkam und ohnmächtig umfiel. Er legte das Mädchen in Seitenposition und alarmierte die Polizei. Jedes der Opfer hatte die beiden Männer 5 bis 7 Kugeln. Beim Auto handelte es sich um einen BMW Serie 5 mit britischem Nummernschild, es gehörte Saad al-Hilli. Die Familie al-Hilli campierte auf dem Zuvor war sie auf einem anderen Campingplatz ganz in der Nähe, den sie aber nach wenigen Tagen überstürzt verliess. Laut Aussagen von Zeugen auf dem Campingplatz . Er habe das Gelände mehrmals täglich für ca. eine halbe Stunde mit dem Auto verlassen. Die Familie al-Hilli wohnte in einem . Der Familienvater arbeitete seit 2010 für die Firma Surrey Satellite Technology (SSTL), die zivile Mikrosatelliten baut. Er war laut Aussagen eines Nachbarn im Jahr 2003 wochenlang vom Geheimdienst überwacht worden. Im Haus der al-Hillis im englischen Surrey war am Montag, 10. September, ein eingetroffen, nachdem die Polizei «verdächtiges Material» gefunden hatte. Später gab es Entwarnung, man habe nichts Verdächtiges gefunden. Die Polizei verfolgt nach und prüft, welche Art von Kontakten er noch in sein ehemaliges Heimatland unterhielt. Eine andere Spur fokussiert auf den , der in den Bereichen Satellitentechnologie, Luft- und Raumfahrtbranche tätig war. Dabei spielt seine irakische Herkunft ebenfalls eine Rolle. Weiter wird der Frage nachgegangen, ob es in der Familie al-Hilli zu gekommen war. Vor zwei Jahren war der Vater von al-Hilli gestorben, die Familie wird als vermögend bezeichnet. Der ermordete Familienvater soll Geldstreitigkeiten mit seinem Bruder gehabt haben, was Letzterer aber abstreitet. Auch das Umfeld der erschossenen , wird näher unter die Lupe genommen. Gegen die Schwedin soll es wiederholt Morddrohungen gegeben haben. Ihr Sohn, mit dem sie zusammengewohnt hat, habe mehrfach gedroht, sie und ihren vor einem Jahr verstorbenen Mann umzubringen. Der Sohn ist seit einem Monat «in den Ferien». Und schliesslich geht die Polizei auch der Theorie nach, dass das eigentliche Ziel des Mordanschlags gewesen sei. Dieser arbeitete als Metallurge in der Nuklearindustrie.

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Neue Wendung im dubiosen Massaker von Annecy, bei dem Anfangs September vier Personen gezielt getötet wurden: Wie «Daily Mail» und «Bild» berichten, hat Kadhim Al-Hilli, der Vater des getöteten Autofahrers Saad Al-Hilli, vom irakischen Ex-Diktator Saddam Hussein eine Million Euro erhalten. Die Familie Al-Hilli sei in früheren Jahren eng mit der damals regierenden Baath-Partei verbunden gewesen.

Das Geld sei auf einem Genfer Konto deponiert gewesen, nach dem Tod des Vater habe es Saad Al-Hilli verwaltet. Wusste der Killer davon und versuchte an das viele Geld heranzukommen? Eric Maillaud, der leitende Staatsanwalt von Annecy, sagt gegenüber «Le Monde», dass er «über dieses neue Element nicht informiert sei».

Neue Erkenntnisse

Wer hinter der Bluttat steckt, ist weiterhin unklar. Doch die Ermittler haben mittlerweile einige neue Erkenntnisse, wie ein Untersuchungsbericht belegt, welcher «Le Monde» vorliegt.

Im Bericht wird erstmals ein Tatablauf präsentiert. Demnach hat der Mörder das Feuer auf drei Personen eröffnet, die gemeinsam am Waldrand standen. Es waren der britische Tourist Saad Al-Hilli, dessen siebenjährige Tochter Zainab und der französische Rennvelofahrer Sylvain Mollier.

Al-Hilli habe seine Tochter nach den ersten Schüssen an der Hand gerissen und sei zu seinem BMW geflüchtet, den er dann zu wenden versucht habe, so der Bericht. Bei diesem Manöver habe er Mollier angefahren. Immer noch unter Beschuss sei er mit dem Auto in den Wald geraten und dann dort festgesteckt. Der Mörder hatte deshalb leichtes Spiel. Er tötete Al-Hilli, dessen Frau und Schwiegermutter mit mindestens je zwei Kopfschüssen. Die Ermittler gehen davon aus, dass er anschliessend sicherstellte, dass auch Velofahrer Mollier die Tat nicht überlebt.

Zainab überlebte, weil die Kugeln ausgingen

Die Ermittler stützen sich in ihrem Bericht auch auf Aussagen der überlebenden Zainab. Diese ist wohl nur deshalb nicht gestorben, weil der Mörder keine Munition mehr hatte. Der Mann habe ihr aus diesem Grund mit seiner Waffe auf den Kopf geschlagen, mit der Absicht, das Mädchen auf diese Weise umzubringen. Dabei splitterten Teile der Pistole ab. Dank diesen gelang es den Ermittlern, die Tatwaffe festzustellen.

Es handelt sich um eine P06 vom Typ Luger. Diese Waffe wurde in den 1920er- und 1930er-Jahren in der Schweizer Armee verwendet. Heutzutage ist die Waffe ein Sammlerobjekt. Es gebe in der schweizerisch-französischen Grenzregion mehrere mögliche Besitzer, die nun überprüft würden. Weil die Pistole als untypisch für einen Profikiller gilt, verfolgt die Polizei weiterhin auch die Möglichkeit, dass die Tat diejenige eines Geisteskranken war.

(rme/fum)