Protest gegen Banken

19. Mai 2012 15:01; Akt: 20.05.2012 00:16 Print

Das ist ein Sieg für «Blockupy»

Rund 20 000 Demonstranten haben in Frankfurt gegen die Macht der Banken mobil gemacht. Dass sie weitestgehend auf Gewalt verzichtet haben, wird als Erfolg für die Bewegung gewertet.

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Aller Befürchtungen der Stadt zum Trotz: In der Bankenmetropole Frankfurt am Main haben am Samstag ungefähr 20 000 Menschen ihren Unmut über die europäische Finanzpolitik weitgehend friedlich zum Ausdruck gebracht. Die etwa 5000 Beamten, die überwiegend mit voller Montur auftraten, mussten so gut wie nicht einschreiten. Die Aktivisten warfen den Polizisten wiederum gezielte Provokation vor.

«Politik und Polizei haben alles dafür getan, damit es zu einer Eskalation kommt», sagte ein Sprecher des «Blockupy»-Bündnisses nach der Veranstaltung. Angesichts des Missverhältnisses zwischen Polizei und friedlichem Protest forderte das Bündnis hessische Politiker dann auch zum Rücktritt auf, darunter Innenminister Boris Rhein und den Frankfurter Ordnungsdezernenten Markus Frank (beide CDU).

Ordnungsdezernent erinnert an Chaos-Tage

Polizei und Stadt verteidigten hingegen ihre massive Präsenz. Mit dieser Strategie sei es gelungen, bereits im Vorfeld viele Straftaten zu verhindern. «Ich finde es sehr beeindruckend, wie die Polizei das gemacht hat», entgegnete Frank den Aktivisten. Der Dezernent erinnerte an die gewalttätigen Ausschreitungen bei einer früheren antikapitalistischen Demonstration Ende März.

Damals wurden in Frankfurt mindestens 15 Polizisten verletzt. Etliche Schaufensterscheiben gingen zu Bruch. Autos wurden beschädigt. Diese Vorgänge seien Grund für die Sorge in der Bankenstadt, sagte Frank. Zudem habe es auch vor den jetzigen Protesten Anzeichen für geplante Gewaltaktionen gegeben. Einige Banken wie die Commerzbank blieben die Tage komplett geschlossen. Sie wich für ihre Geschäfte stattdessen auf geheime Büroräume aus.

Aktionen auch an deutschen Vertretungen im Ausland

Die Polizei hatte bereits am Mittwoch damit begonnen, das von Gerichten bestätigten Versammlungsverbot zu den «Blockupy»-Tagen durchzusetzen - es galt bis auf die Grosskundgebung am Samstag. Die Beamten räumten dafür ein Zeltlager vor der Europäischen Zentralbank und fing drei Busse aus Berlin auf der Autobahn ab.

Bis Samstag löste sie zudem mehrere Versammlungen auf - teils sogar mit Gewalt. Allein am Freitag wurden dabei etwa 400 Aktivisten zeitweise festgenommen. Parallel zu den Aktionen in Frankfurt zeigten sich daraufhin in Wien und Venedig Gleichgesinnte solidarisch: Vor den dortigen offiziellen Vertretungen der Bundesrepublik kamen 30 beziehungsweise 50 Leute zusammen, wie das Auswärtige Amt der Nachrichtenagentur dapd auf Anfrage bestätigte.

Fünf Kilometer langer Protestzug

In Frankfurt griff die Polizei auch am Tag des legalen Protests durch. Unmittelbar vor der Kundgebung kontrollierte sie etwa 160 Fahrzeuge, darunter 40 Busse und Kleinbusse. Mindestens ein Aktivist sei festgenommen worden. Mehrere Platzverweise wurden ausgesprochen.

Während des etwa fünf Kilometer langen Demonstrationszuges durch die Innenstadt zum Bankenviertel schätzte die Polizei die Zahl der gewaltbereiten Autonomen noch immer auf etwa 1000 Teilnehmer. Die Beamten kreisten den «Schwarzen Block» daraufhin gezielt ein. Zwei Mal seien kleinere, aber lautstarke Rauchbomben gezündet worden.

Wagenknecht hatte nur wenig Zeit

Die Aktivisten, die unter anderem gegen die Schuldenpolitik der Bundesregierung und europäischen Gemeinschaft protestierten, kamen aus vielen Ländern - darunter Frankreich, Spanien, Italien, Portugal, Griechenland und Ungarn. Unter die Teilnehmer mischten sich zudem einige grüne und linke Politiker aus Bund und Land. Der Vorsitzende der Linkspartei, Klaus Ernst, sprach von einem «riesigen Erfolg». Die Bewegung habe sich von den «Verboten verfassungsmässiger Grundrechte» nicht einschüchtern lassen, sagte Ernst.

Da der Demonstrationszug später als geplant zur Abschlusskundgebung in Sichtweite der abgesperrten Europäischen Zentralbank eintraf, konnte Ernsts Stellvertreterin Sahra Wagenknecht nicht mehr zu den Teilnehmern reden. Nach Angaben einer Parteisprecherin habe sie allerdings zweimal entlang der Strecke von einem Lautsprechtwagen aus gesprochen. Ein wichtiger Termin habe Wagenknecht am Samstagabend nach Berlin gezwungen.

(dapd)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Heinz am 19.05.2012 18:00 Report Diesen Beitrag melden

    Schlagstöcke

    In den USA sind derartige Ereignisse so gut wie ausgeschlossen. Dort sind die Polizisten auch mit Tasern ausgerüstet und die Schlagstöcke sitzen auch lockerer als in Europa. Die Leute können ihr Geld ja auf eine alternative Bank bringen und so etwas veränder statt mit solch dummen Aktionen die Staatsausgaben zu erhöhen.

    einklappen einklappen
  • Uninteressierter am 20.05.2012 09:32 Report Diesen Beitrag melden

    Wayne

    Jetzt mal ehrlich, interessiert das irgendwen?

  • Marcel s am 20.05.2012 08:33 Report Diesen Beitrag melden

    Zu gut

    Mir tun die Polizisten leid......... Keine Meinung zu haben ( dürfen )! Das Volk ist auch noch gegen die Polizei . Aber wenn wir mal so alla Mexico sind , dann schreien wieder alle nach Polizei ! Fact ist , uns geht es zu gut , wir haben Schulen, Krankenhäuser, in Deutschland Hatz 4 , in der Schweiz Ergänzungsleistungen , und und und ........Was wollt Ihr eigentlich ? So lange ein par Dagoberts mich in Ruhe lassen ist es doch egal wie viel Geld Sie haben ! Ich bin zu Frieden .

Die neusten Leser-Kommentare

  • Martin am 20.05.2012 22:34 Report Diesen Beitrag melden

    Idee:

    Dann hortet doch euer Geld in Zukunft unter der Matraze, benutzt weder EC noch Kreditkarten und kauft kein Haus mit hilfe einer Hypothek. Diese Anti Banken haltung nervt mich allmählich.

  • geneva trading am 20.05.2012 18:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    diese 1% an schmarozerdemonstranten...

    wiso muss ich als steuer zahler dieses 1% an leuten finanzieren die alles umverteilen wollen.... uebrigens... wer soll den die firmen finanzieren und sozialprogrammen wenn wir alle banken schliessen? es gibt leute die sehen weder ueber den tellerrand noch bis zum tllerrand... diese domstranten sollen besser mal mit mir einen tag arbeiten kommen in ner bank und dann wollen wir mal sehen...

  • marlene am 20.05.2012 18:14 Report Diesen Beitrag melden

    Blockupy

    BRAVO Frankfurt!!! Ich ziehe meinen Hut vor so vielen engagierten und friedlichen, mitdenkenden Menschen!

  • Anti-Occupy am 20.05.2012 11:41 Report Diesen Beitrag melden

    Kinder

    Schlimm finde ich, wenn man an solche Demonstrationen noch Kinder mitnimmt. Selbstverständlich hat jeder Erwachsene das Recht, seine Meinung friedlich kundzutun, aber ich halte es doch für grenzwertig, die eigenen Kinder auf so eine Demo zu schleppen. Man sollte Kinder ihr unbeschwertes Leben gönnen. Politischen Diskurs kann man früh genug führen und sich dann selbst eine Meinung bilden, ohne den einfluss von linken Eltern.

  • Uninteressierter am 20.05.2012 09:32 Report Diesen Beitrag melden

    Wayne

    Jetzt mal ehrlich, interessiert das irgendwen?