Pussy Riot und Co.

08. August 2012 18:13; Akt: 09.08.2012 01:55 Print

Wie hoch ist der Preis für Mut?

Den Mitgliedern der Punkband Pussy Riot drohen bis zu drei Jahre Gefängnis für ihre Musik. Sie sind bei weitem nicht die einzigen Künstler, die für ihre provokativen Werke bestraft werden.

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. Das Urteil gegen die drei Punkfrauen soll am 17. August verkündet werden. Die tschechische Undergroundband «Plastic People of the Universe» (hier mit dem Ehrenmitglied der Band, Václav Havel) war einen Monat nach Zerschlagung des Prager Frühlings 1968 gegründet worden und wichtiger Bestandteil des tschechischen Dissidententums. Deswegen wurde die Gruppe verboten und mehrere ihrer Mitglieder kamen wegen «Erregung öffentlichen Ärgernisses» ins Gefängnis. Vor diesem Hintergrund gründeten Aktivisten die bekannte «Charta 77», die die Menschenrechtsverletzungen des kommunistischen Regimes anprangerte und mit der neuen Bürgerrechtsbewegung einherging. bleiben. Der in wilder Ehe lebende Schiele wurde wegen angeblicher sexueller Übergriffe an Minderjährigen festgenommen. Der Missbrauchsvorwurf erwies sich als haltlos, dennoch verurteilte das Gericht Schiele 1911 wegen «Verbreitung unsittlicher Zeichnungen». Insgesamt verbrachte Schiele 24 Tage im Gefängnis. Naegeli wurde wegen Sachbeschädigung exemplarisch zu neun Monaten Haft und einer hohen Geldstrafe verurteilt. Er entzog sich der Strafe und floh nach Deutschland. Ein internationaler Haftbefehl war die Folge. 1984 sass er seine Strafe ab. Naegeli wohnt heute in Deutschland und sprayt nach wie vor. Das Regime behält Weiwei weiterhin im Auge und zieht auch gerne fadenscheinige Argumente wie «Wirtschaftsdelikte» ins Feld, um gegen den unbequemen Künstler vorzugehen. Von dieser Zeit handeln Meisterwerke wie «Archipel Gulag» oder «Der erste Kreis der Hölle». Stalins Tod 1953 bedeutete Solschenizyns Freiheit. Er wurde 1957 offiziell rehabilitiert. Gemäss seiner Anwältin musste Panahi wegen «Propaganda gegen das System» ins Gefängnis. Konkret wird ihm vorgeworfen, er habe einen regimekritischen Film über die Wahlen von 2009 vorbereiten wollen.

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Pussy Riot begehrten während 40 Sekunden gegen den russischen Präsidenten Wladimir Putin auf – und zahlen dafür möglicherweise mit bis zu drei Jahren Haft. Nadeschda Tolokonnikowa, Jekaterina Samutsewitsch und Maria Alechina werden für ihren Kurzauftritt in der Moskauer Christi-Erlöser-Kirche und ihren Song «Gottesmutter, vertreibe Putin!» wie Schwerverbrecherinnen behandelt. Kein Prozesstag gegen die drei Frauen ist kürzer als zehn Stunden. Zeit für die Prozessvorbereitung oder auch Schlaf bleibt so kaum.

Die Richterin, die von der Verteidigung mehrmals der Befangenheit beschuldigt wurde, lässt vor allem die Zeugen der Anklage zu. Auch die meisten schriftlichen Beweise dürfen laut Welt.de nicht vorgelesen werden.

Sang- und klanglos verschwinden

Es ist klar: Der Prozess soll so schnell wie möglich über die Bühne gehen und die «Gotteslästerinnen» sang- und klanglos hinter schwedischen Gardinen verschwinden.

Immerhin hat sich Putin letzte Woche erstmals zu dem Prozess geäussert – die Musikerinnen sollen «nicht zu hart» bestraft werden, forderte er. Wenig überraschend rückte dann auch die Staatsanwaltschaft von ihrer ursprünglichen Forderung einer siebenjährigen Haftstrafe ab. Das Urteil gegen die drei aufmüpfigen Punkdamen soll am 17. August verkündet werden.

Die Geschichte kennt hunderte Künstler, die sich den Mund nicht verbieten liessen und dafür einen hohen Preis zahlten. Einige Beispiele finden Sie in der Bildstrecke oben.

(gux)