Polnische Aktivisten

08. März 2010 13:59; Akt: 08.03.2010 14:49 Print

Mit Hitler gegen AbtreibungenMit Hitler gegen Abtreibungen

Eine polnische Stiftung wirbt mit dem Konterfei von Adolf Hitler gegen Abtreibung. Selbst katholische Kreise verurteilen die Aktion als geschmacklos.

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Plakat in Poznan: «Abtreibung für Polinnen, eingeführt von Hitler am 9. März 1943». (Bild: Reuters)

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Das Plakat zeigt ein fünf mal fünf Meter grosses Portrait von Adolf Hitler neben Abbildungen von abgetriebenen Föten sowie den Schriftzug «Abtreibung für Polinnen, eingeführt von Hitler am 9. März 1943». Radikale Abtreibungsgegner werben in der polnischen Stadt Poznan auf diese Weise gegen Schwangerschaftsabbrüche. Hitler sei es gewesen, der Frauen das Recht auf Abtreibung gegeben habe, sagte der Vertreter der Stiftung Pro, Mariusz Dzierzawski. Er kündigte weitere Aktionen in 30 Städten an.

Mit dem Plakat beziehen sich die Aktivisten auf ein Nazi-Gesetz, das Abtreibungen für «minderwertige Rassen» - als solche galten die Polen - legalisierte. Gleichzeitig wollten sie Kundgebungen von Feministinnen am 8. März, dem internationalen Frauentag, zuvorkommen. Die «sanften Methoden» hätten im Kampf gegen die Abtreibung keinen Erfolg mehr, verteidigte sich Dzierzawski. Der katholische Priester und Chefredaktor der Wochenzeitung «Tygodnik Powszechny», Adam Boniecki, kritisierte hingegen die Plakataktion. Hier sei eine Grenze überschritten worden.

Strikte Regelung

Das erzkatholische Polen hat eines der striktesten Abtreibungsgesetze Europas. Schwangerschaftsabbrüche sind nur in drei Fällen erlaubt: wenn das Leben oder die Gesundheit der Frau gefährdet ist, wenn Missbildungen des Fötus festgestellt wurden oder die Schwangerschaft die Folge einer Vergewaltigung ist. Frauenorganisationen fordern eine Liberalisierung, mit der Kirche verbundene Gruppen streben ein totales Verbot an. Offiziell werden in Polen pro Jahr nur 200 bis 300 Abtreibungen vorgenommen, Schätzungen gehen jedoch von bis zu 200 000 illegalen Aborten aus.

(pbl)