Streit um Bolívar-Mausoleum

26. November 2012 15:52; Akt: 26.11.2012 16:05 Print

Hugo Chávez setzt sich ein Denkmal

Schneebedeckter Andengipfel oder Riesen-Meringue? Die neue Ruhestätte für Nationalheld Simón Bolívar überzeugt nicht alle Venezolaner. Viele stört die offensichtliche Handschrift des Präsidenten.

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Nach zweimaliger Verschiebung soll am 17. Dezember in Caracas die neue Ruhestätte für Nationalheld Simón Bolívar eingeweiht werden. El Libertador, wie der Unabhängigkeitskämpfer in Südamerika genannt wird, verstarb genau an jenem Tag vor 182 Jahren. Umgerechnet 130 Millionen Franken kostete das neue Mausoleum, ein Prestigeprojekt des venezolanischen Präsidenten Hugo Chávez.

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Die Idee kam ihm vor zwei Jahren, als er den Leichnam Bolívars aus dem Pantheon in Caracas exhumieren liess. Chávez wollte seine Theorie überprüfen, wonach der Freiheitskämpfer vergiftet worden war. Beweise dafür konnten die Wissenschaftler keine finden. Damit die emotional inszenierte Exhumierung nicht vergebens war, beschloss er, die sterblichen Überreste in einem neuen, dem Heldenstatus des Verstorbenen angemesseneren Mausoleum zu hinterlegen.

Andengipfel, Riesen-Meringue, Skateboard-Rampe

Das 54 Meter hohe, weisse Monument dominiert seine Umgebung mitten in der Altstadt von Caracas. Wie immer bei einem solchen Projekt vermag es nicht allen zu gefallen. Wohlgesinnte sehen darin einen schneebedeckten Andengipfel, wo Bolívar gegen die Spanier kämpfte. Kritiker erinnert die Struktur eher an eine Riesen-Meringue oder eine Skateboard-Rampe.

Graziano Gasparini, der führende Experte für Kolonial-Architektur in Venezuela, kritisiert auch die fehlende Transparenz: «Wenn sie einen Wettbewerb unter Einbezug der fünf von Bolívar befreiten Länder veranstaltet hätten, hätte das Projekt an Relevanz gewonnen», sagte er laut dem britischen «Guardian». Stattdessen hätten die Behörden alles hinter verschlossenen Türen entschieden.

Für die Historikerin Inés Quintero ist der Bau auch auf symbolischer Ebene problematisch: Im Pantheon lag Bolívar neben seinen Mitstreitern aus dem Unabhängigkeitskrieg. «Wenn man ihn von dort wegbringt, verkommen die anderen zu einer Präambel für den Helden», sagte sie. Damit widerspreche der Präsident seiner eigenen Revolutions-Theorie, wonach nicht einzelne Personen, sondern soziale Bewegungen wirkliche Veränderungen herbeiführen.

«Bolívar hat den zusätzlichen Ruhm nicht nötig»

Andere sehen in dem Projekt einen weiteren Versuch von Chávez, sich mit dem Namen des Nationalhelden zu schmücken. Seine Ideologie nennt er «bolivarischen Sozialismus», das Land hat er umbenannt in «Bolivarische Republik Venezuela» und mit einigen Ländern in der Region eine «Bolivarische Allianz für Amerika» gegründet. Im ganzen Land zieren Wandmalereien mit dem Porträt Bolívars das Strassenbild. Und jetzt das Mausoleum. «Es ist eine hässliche Monstrosität, eine Geldverschwendung und ein Denkmal für Chávez, nicht für Bolívar, der hat den zusätzlichen Ruhm nicht nötig», sagte Bolívars britischer Biograf John Lynch.

(kri)