Unruhen in Syrien

21. Dezember 2011 10:59; Akt: 21.12.2011 13:04 Print

Soldaten töten 111 Zivilisten

Trotz Eingeständnissen der syrischen Regierung an die Arabische Liga geht die Gewalt im Land weiter. Allein am Dienstag wurden in der Provinz Idleb 111 Zivilisten von Sicherheitskräften getötet.

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Zur Demonstration der Stärke und als Warnung an alle Gegner von Machthaber Assad führte das syrische Regime ein umfangreiches Militärmanöver durch. (Bild: Keystone)

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Im Nordwesten Syriens sind allein am Dienstag mindestens 111 Zivilisten von Sicherheitskräften getötet worden, wie die in London ansässige Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Mittwoch mitteilte.

Die Vorfälle ereigneten sich im Dorf Kafruwed in der Provinz Idleb. Am Dienstag hatte die Organisation die Zahl der dort getöteten Zivilisten mit mindestens 37 angegeben. Die Beobachtungsstelle hatte aber erklärt, in dem Dorf ein «Massaker» zu befürchten, da es von Soldaten umstellt sei.

Ebenfalls am Dienstag waren in der Provinz derselben Quelle zufolge dutzende Soldaten, die zur Protestbewegung überlaufen wollten, getötet worden.

Truppenübungen der syrischen Armee

Das syrische Staatsfernsehen zeigte unterdessen Bilder von Truppenübungen. Die Streitkräfte des Landes seien bereit, «jede Aggression, die den Feinden der Nation in den Sinn kommen könnte, zurückzuschlagen», hiess es. Präsident Baschar Assad drohte am Dienstag auch Unterstützern der Aufständischen: Die Lieferung von Waffen, mit denen «terroristische Taten» begangen würden, könne einem neuen Gesetz zufolge mit dem Tode bestraft werden, meldete die staatliche Nachrichtenagentur SANA.

Die Arabische Liga kündigte für Donnerstag die Entsendung einer zwölfköpfigen Gruppe von Beobachtern an. Das Team solle eine grösser angelegte Beobachtungsmission vorbereiten und damit auf einen arabischen Plan zur Beendigung der Gewalt in Syrien hinarbeiten. Zum Leiter der Delegation wurde der stellvertretende Generalsekretär der Liga, Samir Seif el Dschasal, ernannt.

Am Montag hatte Syrien nach wochenlangem Widerstand zugestimmt, eine solche Delegation ins Land zu lassen. Nach Angaben des Vorsitzenden der Arabischen Liga, Nabil Elarabi, wird sich die Vorausdelegation aus Experten für Verwaltung, Finanzen und Menschenrechte zusammensetzen. Die eigentlichen Beobachter würden später in Zehnergruppen über das ganze Land verteilt arbeiten, hiess es. Elarabi kündigte an, insgesamt etwa 500 Beobachter zu schicken.

Gewalt geht trotz Vereinbarung weiter

Der Plan der Arabischen Liga sieht vor, die syrischen Streitkräfte und ihre schweren Waffen aus den Strassen der Städte zu entfernen. Ferner sollen Gespräche mit der Opposition aufgenommen werden. Auch soll zunehmend ausländischen Journalisten sowie Vertretern von Menschenrechtsorganisationen Zutritt ins Land gewährt werden.

Die syrische Opposition beschuldigte die Regierung allerdings erneut der Hinhaltetaktik. Die Gewalt ginge ungeachtet der Vereinbarung mit der Arabischen Liga weiter. Allein am Tag ihrer Unterzeichnung seien mehr als 100 Menschen getötet worden.

Eine Sprecherin des US-Aussenministeriums sagte, man werde Syrien nur noch nach seinen Taten beurteilen. Syrien habe bislang zu oft Versprechen gebrochen. «Wir sind weniger an einem unterschriebenen Papier interessiert», sagte sie. Stattdessen sollte Syrien endlich Taten folgen lassen.

Seit neun Monaten hält in Syrien ein blutiger Aufstand gegen die Regierung an. Die UN schätzt, dass bislang mindestens 5.000 Menschen bei den Kämpfen getötet wurden.


(sda/dapd)