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"Döner-Morde"
23. November 2011 19:45; Akt: 23.11.2011 21:18 Print
Die Theorie des Selbstmords wankt
Anfangs behauptete die Polizei, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt hätten Selbstmord begangen. Nun sieht der Fall ganz anders aus: Vor ihrem Tod soll es zu einer Schiesserei gekommen sein.
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Im Zuge der Ermittlungen nach den Hintergründen der Mordserie der Terrorgruppe «Nationalsozialistischer Untergrund» (NSU) sind weitere Details bekannt geworden. Nach Angaben des Bundeskriminalamts (BKA) in Wiesbaden ist die Polizei vor dem Tod der beiden mutmasslichen Rechtsterroristen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt im thüringischen Eisenach offenbar aus deren Wohnmobil heraus beschossen worden. Polizeibeamte berichteten von insgesamt drei Knallgeräuschen.
Infografik Brauner TerrorMundlos hatte laut ersten Ermittlungen seinen Komplizen Böhnhardt am 4. November in dem Wohnmobil mit einem aufgesetzten Kopfschuss getötet, danach das Fahrzeug in Brand gesetzt und sich anschliessend selbst erschossen. Später zirkulierte eine Version, wonach einer der beiden Männer durch einen Schuss in die Brust gestorben sein soll – eine ungewöhnliche Selbstmord-Methode. Die Schussverletzungen sollen ausserdem durch Gewehrkugeln entstanden sein. Auch dies sei bei Selbstmord eher unüblich. Bald tauchte zudem die Frage auf, wie die Männer nach ihrem Selbstmord das Wohnmobil wohl gesprengt haben.
Stiefvater von Michèle Kiesewetter dementiert
Ralf Kiesewetter, der Stiefvater der getöteten Polizistin Michèle Kiesewetter, hat Beziehungen zwischen seiner Tochter und ihren mutmasslichen Mördern von der rechtsextremen NSU zurückgewiesen. Weder Michèle noch ihre Familie hätte jemals Kontakt zu Uwe Mundlos oder einem anderen Mitglied des Jenaer Neonazi-Trios gehabt, sagte er Kiesewetter der «Ostthüringer Zeitung».
Die Meldung der BKA, wonach der Gastronom ein Lokal besessen haben soll, in dem sich die rechte Szene traf, sei «frei erfunden». Seine Stieftochter habe auch niemals gegenüber dem Gasthof «Zur Bergbahn» gewohnt, den 2005 der NPD-Mann Ralf Wohlleben übernahm.
«Michèle ist bereits 2003 zur Polizeischule nach Baden-Württemberg gegangen und nur noch zu Besuch nach Oberweissbach gekommen», sagte Kiesewetter weiter. Zugleich hob er hervor, dass er nie einen Koch beschäftigt habe, der mit Beate Zschäpe verwandt ist.
«Kreis etwaiger Unterstützer» im Visier der Ermittler
Derzeit versucht die Bundesanwaltschaft vor allem, «den Kreis etwaiger Unterstützer zu ermitteln». Zur Zahl der Verdächtigen wollte sich Behördensprecher Marcus Köhler jedoch nicht äussern.
Unterdessen berichtete «Spiegel Online» über den Fund einer grossen Bargeldsumme bei dem nahe Hannover festgenommenen mutmasslichen NSU-Helfer Holger G. Ermittler hätten G.s Wohnung in Lauenau sowie sein Bankschliessfach durchsucht und 27.250 Euro in bar gefunden. Die Herkunft des Geldes sei unbekannt.
Die in Köln inhaftierte mutmassliche Rechtsterroristin Beate Zschäpe ist derweil nach den Erkenntnissen der Bundesanwaltschaft unter verschiedenen Decknamen aufgetreten. Die 36-jährige Thüringerin ist dringend verdächtig, die NSU gemeinsam mit Böhnhardt und Mundlos gegründet zu haben. Die rechtsextreme Gruppierung soll für bundesweit neun Morde mit fremdenfeindlichem Hintergrund, einen Polizistenmord, einen Nagelbombenanschlag in Köln und mehrere Banküberfälle verantwortlich sein.
«Report Mainz»: NPD kooperierte mit Neonazi-Gruppen
Einem Medienbericht zufolge war die rechtsextreme NPD mit Neonazi-Gruppen in Thüringen und Sachsen enger verstrickt als bislang bekannt. So habe es etwa enge Beziehungen zum «Thüringer Heimatschutz» (THS) gegeben, aus der die Zwickauer Terrorzelle hervorgegangen sei, berichtete das ARD-Politikmagazin «Report Mainz» am Dienstag. Auch zu den «Skinheads Sächsische Schweiz» und der verbotenen Neonazi-Gruppe «Sturm 34» habe es enge Kontakte gegeben. Im Jahr 2000 waren laut «Report Mainz» sieben von zwölf NPD-Vorstandsmitgliedern zugleich THS-Anhänger. Das habe eine erneute Auswertung der gemeinsamen NPD-Verbotsanträge durch Bundestag, Bundesrat und Bundesregierung ergeben.
Bundestag einmütig gegen Rechtsterror
In ihrer Erklärung sprachen alle fünf Fraktionen des Bundestages den Angehörigen der Opfer ihr Mitgefühl aus. Sie verlangten zudem, dass die Strukturen der Sicherheitsbehörden auf Bundes- und Länderebene dringend überprüft werden. Die Regierung wird aufgefordert, Möglichkeiten für ein neues NPD-Verbot zu prüfen. Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) erklärte, eine Arbeitsgruppe für das Vorhaben sei bereits eingesetzt und werde noch in dieser Woche ihre Arbeit aufnehmen.
Ebenso einig waren sich Spitzenpolitiker von Koalition und Opposition in ihrer Kritik an den Sicherheitsbehörden. Diese hätten, wie FDP-Generalsekretär Christian Lindner erklärte, «über Jahre systematisch versagt». SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier sagte, wenn sich alle derzeit bekannten Fakten bewahrheiteten, dann befinde sich der Verfassungsschutz in einer «schweren Glaubwürdigkeitskrise». Grünen-Fraktionschefin Renate Künast sprach von einer Legitimationskrise der Sicherheitsbehörden.
Am Abend hatte der Bundestag einstimmig zwei Änderungsanträge zum Bundeshaushalt verabschiedet. Damit sind geplante Kürzungen beim Entschädigungsfonds für Opfer extremistischer Gewalt sowie bei Mitteln für Initiativen gegen Rechts gestoppt.
(kle/dapd)





















