Nordkorea

14. August 2017 19:28; Akt: 15.08.2017 08:00 Print

Trump droht China trotz Importstopp für Kohle

China setzt Sanktionen gegen Nordkorea um. Dennoch will Trump Peking wegen seines Umgangs mit geistigem Eigentum vor den Kadi zerren.

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werde Nordkorea von den USA zu spüren bekommen, wenn die Drohungen gegen die Vereinigten Staaten nicht aufhören sollten. Mit diesen markigen Worten reagierte US-Präsident Donald Trump am 8. August 2017 auf die Nachricht, dass das Regime von Kim Jong-un jetzt fähig sei, seine Langstreckenraketen mit kleinen Atomsprengköpfen zu bestücken. Kim Jong-un reagierte umgehend mit der Drohung, die zu den USA gehörende anzugreifen. Damit die Eskalation nicht weiter drehe, müsse Trump wichtige Eckpunkte beachten, schreibt der Experte Jamie Metzl auf CNN. (4. Juli 2017) an der Spitze Nordkoreas. Kim denkt dabei an das Schicksal des libyschen Machthabers Muammar al-Ghadhafi. Bild: Ghadhafi spricht am 2. März 2011 in Tripolis. Nachdem Ghadhafi auf Geheiss der USA sein Atomprogramm aufgab, stürzte das Land in den Bürgerkrieg. Ghadhafi wurde angegriffen ... (20. Oktober 2011) ... und ermordet. Kim glaubt, mit Nuklearwaffen im Arsenal hätte Ghadhafis Herrschaft überlebt. Bild: Ghadhafis Leiche am 21. Oktober 2011 in einem Shopping Center von Misrata, Libyen. , weil der Preis für das abgeschottete Land nicht hoch genug war. Kims Vater Kim Jong-il hintertrieb Abkommen mit den USA unter der Regierung von Bill Clinton. Bild: Mit US-Aussenministerin Madeleine Albright am 23. Oktober 2000 in Pyongyang. Am 27. Juni 2008 sprengte der ältere Kim einen Kühlturm des Yongbyon-Kernkraftwerks. Das sollte zeigen, dass Nordkorea die Produktion von Plutonium aufgab. Doch am 8. Oktober 2013 wies der südkoreanische Geheimdienst mit Luftbildern nach, dass Nordkorea einen Plutoniumreaktor wieder in Betrieb genommen hat. Der seit 2016 regierende Sohn Kim Jong-un treibt die Nuklearrüstung schnell weiter. von seinem Aufrüstungspfad abgebracht werden. Angesprochen ist vor allem China, das von Nordkorea Kohle kauft, dessen wichtigstes Exportprodukt. Bild: Kohleberg vor der Verschiffung am 24. Juli 2016 Im Hafen von Rason. gegen Nordkorea zugestimmt. Diese Sanktionen allein werden indes Kim Jong-un kaum umstimmen können. Bild: Amerikas UNO-Botschafterin Nikki Haley mit dem chinesischen Botschafter Liu Jieyi im Saal des Sicherheitsrats in New York. . Im Gegenzug versorgt China das isolierte Land mit allen lebenswichtigen Gütern. Vor allem liefert es Erdöl. Bild: Erdölfässer am 8. Mai 2016 bei der Stadt Sinuiju. Die koreanische Volksarmee ist auf chinesische Ausrüstung angewiesen. Bild: Soldatinnen marschieren am 15. April 2017 im Stechschritt über den Kim-Il-Sung-Platz in Pyongyang. . So hat Südkorea begonnen, das amerikanische THAAD-Abwehrsystem gegen einfliegende Missiles zu installieren. Bild: THAAD-Batterie am 2. Mai 2017 auf einem Golfplatz in Seongiu. China missfällt auch, dass das von Nordkorea bedrohte Japan nun aufrüstet. Bild: Zerstörer JS Kurama am 27. Oktober 2009 ausserhalb Sagami südlich von Tokio. würde. Bild: Xi applaudiert am 1. August 2017 in der grossen Volkshalle in Peking zum Anlass der Gründung der Volksbefreiungsarmee vor 90 Jahren. Doch Reformen widersprechen der militärischen Ordnung und durchgängigen staatlichen Kontrolle, die das Regime von Kim Jong-un zur Sicherung seiner Herrschaft braucht. Bild: Nordkoreanische Mädchen in der Schlusszeremonie der Arirang-Massenspiele am 26. Juli 2013 im Stadion Erster Mai von Pyongyang. . Entweder stützt das Land weiterhin Kim Jong-un und seine Rüstungsanstrengungen. Bild: Xi Jinping (rechts) gibt Nordkoreas Vizemarschall Choe Ryong Hae am 24. Mai 2013 in Peking die Hand. Oder China schlägt sich auf die Seite der westlich orientierten Staaten und arbeitet aktiv darauf hin, dass Nordkorea seine nukleare Bewaffnung aufgibt. Bild: Xi Jinping begrüsst Japans Premierminister Shinzo Abe in der grossen Volkshalle von Peking am 10. November 2014. So weiterzufahren wie bisher wäre für China in vielerlei Hinsicht nachteilig. Es hiesse, Nordkorea weiterhin mit viel Aufwand zu stützen. Bild: Xi Jinping am 30. Juli 2017 an einer Militärparade in der autonomen Region Innere Mongolei. Nordkorea könnte einen wachsenden Einfluss auf China ausüben, denn Peking müsste sich auch gegen Sanktionen des Westens wehren. Bild: Kim Jong-un verfolgt am 22. Mai 2017 den Start eines Pukguksong-2-Flugkörpers. Die schlimmste Konsequenz wäre ein militärischer Schlagabtausch: Bild: Start eines Pukguksong-2-Flugkörpers am 22. Mai 2017 irgendwo in Nordkorea. . Sie könnte die nukleare Bedrohung für die ganze Region reduzieren. Bild: Xi Jinping (rechts) mit US-Präsident Donald Trump am 8. Juli 2017 am G-20-Gipfel in Hamburg. Als Folge könnte das Regime Kim Jong-uns stürzen und die koreanische Halbinsel könnte geeint werden. Leitet China diesen Prozess ein, könnte es einen grossen Einfluss auf dessen Gestaltung ausüben. Bild: Geflüchtete Nordkoreaner bereiten am 29. April 2016 den Abwurf von 300'000 Flugblättern gegen Kim Jong-un aus Ballons vor. Vollbringt China die Befriedung der koreanischen Halbinsel, wäre seine Stellung als verantwortungsvolle Weltmacht gestärkt und die historische Rolle von Präsident Xi Jinping gesichert. Bild: Xi mit Gattin Peng Liyuan vor einem Konzert in der Hamburger Elbphilharmonie am 7. Juli 2017.

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Die Spannungen im Staatendreieck Nordkorea-USA-China haben am Montag weiter zugenommen. Zuerst setzte Peking am Morgen einen Sanktionsbeschluss des UNO-Sicherheitsrats um und stoppte jegliche Einfuhren von Kohle, Eisen, Eisenerz, Blei, Fisch und Meeresfrüchten.

Dann machte US-Präsident Donald Trump eine Ankündigung wahr und veranlasste mit einem Memorandum die Untersuchung chinesischer Missbräuche im Zusammenhang mit geistigem Eigentum. Er verband damit den Kampf gegen die nukleare Aufrüstung durch Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un mit einer Kampagne gegen chinesische Handelspraktiken.

40 Prozent des Aussenhandels

Das chinesische Verbot von Importen aus dem kommunistischen Nachbarstaat soll ab Dienstag gelten. Es kommt für Nordkorea einem empfindlichen Schlag gleich. Allein die nun von China ausgesperrten Kohlebriketts machen 40 Prozent aller nordkoreanischen Exporte aus. Von 2,34 Milliarden Dollar, die das Regime in Pyongyang im Jahr 2015 mit Handel über die chinesische Grenze verdient hat, dürften nach einer Schätzung der «FAZ» nun eine Milliarde Dollar wegbrechen.

Vor der unerwartet raschen Umsetzung der Anfang Monat einstimmig beschlossenen UNO-Sanktionen führte Präsident Xi Jinping am Samstag ein Telefongespräch mit seinem amerikanischen Amtskollegen. Trump hatte in der vergangenen Woche mit martialischen Äusserungen wie «Feuer und Zorn» oder «Geladen und entsichert» von seinem Urlaubsort im eigenen Golfclub in New Jersey nicht nur auf Nordkorea Druck aufgebaut. Auch China hatte der Präsident zuvor verbal unter Beschuss genommen. Er sei «sehr enttäuscht» von der Führung in Peking, hatte Trump vor zwei Wochen getwittert.

Nur Verlierer möglich

Am Montag warnten chinesische Stimmen vor einem Handelskrieg zwischen den beiden Ländern. «Es wird keine Gewinner, nur Verlierer geben», sagte eine Sprecherin des Aussenministeriums in Peking. Die Wirtschafts- und Handelsbeziehungen zwischen den beiden grössten Wirtschaftsnationen seien zum «gegenseitigen Vorteil».

Die staatliche Zeitung «China Daily» schrieb laut «Washington Post» in einem Leitartikel, die USA forderten bezüglich Nordkorea zuviel von China. Trumps «auf Transaktionen basierende Aussenpolitik» sei auch für Amerika nicht hilfreich. «Den Handel zu politisieren, wird die wirtschaftlichen Probleme des Landes nur verstärken und das chinesisch-amerikanische Verhältnis vergiften.»

Milliardenverluste durch Kopien

Doch Donald Trump liess sich davon nicht beirren und ordnete an, sein Handelsbeauftragter Robert Lightizer solle Chinas Praktiken bezüglich geistigem Eigentum untersuchen. US-Regierungsvertreter werfen China den Diebstahl von geistigem Eigentum China vor. Unter anderem müssen amerikanische Unternehmen regelmässig Produktpläne preisgeben, wenn sie in China produzieren möchten.

Der angerichtete Schaden ist riesig, schreibt die BBC. Nach einem Bericht einer zuständigen Kommission gingen der amerikanischen Volkswirtschaft durch chinesische Fälschungen, kopierte Software und Verletzungen von Handelsgeheimnissen jährlich zwischen 225 und 600 Milliarden Dollar verloren. Derartige Praktiken sollen zu einem wesentlichen Teil für das Handelsdefizit der USA mit China verantwortlich sein, das letztes Jahr 310 Milliarden Dollar betrug.

Falls Lightizer seine Untersuchung zu Ende führt und Missbräuche nachweist, drohen Sanktionen. China könnte allerdings Gegenmassnahmen anordnen, die amerikanische Firmen erheblich schädigen.

(SDA/sut)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mani Motz am 14.08.2017 22:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die wollen einfach

    Warum habe ich bloss das Gefühl die USA wollen den Konflikt um jeden Preis

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  • global gegener am 14.08.2017 22:03 Report Diesen Beitrag melden

    globalismus

    naj, selber schuld wer billig in china produzieren lässt. der globalismus hat eben nicht "nur" vorteile

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  • De Ätti am 14.08.2017 22:24 Report Diesen Beitrag melden

    Einfach grotesk!

    Was ist dass nur für eine miese Demokratie in der USA, wo ein einziger Mensch wie Trump soviel Macht erhält, dass er die halbe Welt aus den Fugen bringt? Da muss ein kapitaler Systemfehler in der Verfassung sein, sowas darf doch in einer guten Demokratie nicht möglich sein!?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Martin Senn am 16.08.2017 08:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Erpresser Trump

    Trump ist doch kein bisschen besser als alle anderen Diktatoren auf dieser Welt. Er setzt nicht nur das eigene Volk unter Druck sondern gleich noch alle anderen Länder. Das sind die länderspezifischen Herrscher gerade zu harmlos. Und alle lassen sich das bieten. Wehe wenn da einmal ein grosser Gegenplayer wie die Chinesen oder die Russen auf die Hinterbeine stehen und echten Gegendruck erzeugen. Wenn dann auch noch die Europäer mitmachen, wird es eng für die überheblichen Amis und teuer für die US Milliardäre. Wir sind dann Kollateralschaden und selber schuld. Abwarten...

  • Prof. Rotkind am 15.08.2017 19:05 Report Diesen Beitrag melden

    Untergehendes Dollarimperium

    China ist der Nummer 1 Angstgegner der USA nur schon wegen der Shanghaibörse mit dem Yuanwährungskorb kombiniert mit Goldstandard, Nordkorea nur der Proxyfeind!

    • Urs Z. am 16.08.2017 11:13 Report Diesen Beitrag melden

      So peinlich

      Das sinkende Dollar-Schiff fühlt sich mega bedroht vom Aufstieg Asiens. Darum wird ja täglich absichtlich und systematisch tonnenweise Negatives im Sinne "Schwarzmalerei" von ihnen verbreitet, um von sich abzulenken und zu versuchen, andere den Aufstieg schwer zu machen. Nur hat jetzt langsam jeder dieses "Kinderspiel" durchschaut. Peinlich für diese EX-Grossmacht!

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  • Joey am 15.08.2017 18:38 Report Diesen Beitrag melden

    Nichts Neues

    Wer im eigenen Land nichts erreichen kann, sucht als Ablenkung Streit im Ausland. So können doch noch ein paar Wähler bei Stange gehalten werden.

  • Katja Wohmann am 15.08.2017 16:09 Report Diesen Beitrag melden

    Trump sollte mal untersuchen,

    weshalb wir das teuerste Land geworden sind, ohne dass wir wesentlich bessere Leistungen für die Höchstpreise erhalten. Wer sackt dieses Geld eigentlich ein?

    • MadChengi am 15.08.2017 18:36 Report Diesen Beitrag melden

      @Katja Wohman

      Das kleine Privlileg in der Luxus-Hochpreisinsel Schweiz zu leben wird uns über Steuern, exorbitante Krankenkassenprämien, Versicherungen, Billag, Miete, überteuerte Konsumgüter wieder zunicht gemacht! Aber immer noch besser als in Harz4-Land!

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  • Matthias S. am 15.08.2017 15:11 Report Diesen Beitrag melden

    China ist heute stark genug!

    China ist ebenso stark und wird sicher nicht tatenlos wird China nicht tatenlos zusehen, sondern angemessene Massnahmen ergreifen! Entweder fängt China gar nicht erst an, aber sobald China anfängt, sich zu wehren, wird es negative Auswirkungen auf die Wirtschaft der ganzen Welt haben. China ist heute nicht mehr zu spassen!!!

    • Patrick am 15.08.2017 16:08 Report Diesen Beitrag melden

      Nur nicht herausfordern

      Allerdings, von China würde es auch Taten folgen, die sich niemand wünschen würde.

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