66 Festnahmen in Russland

07. Oktober 2017 20:35; Akt: 08.10.2017 12:27 Print

Polizei löst Demo in Putins Geburtsort gewaltsam auf

Wladimir Putin wird heute 65. An seinem Geburtstag haben Oppositionelle in über 20 Städten demonstriert. Allein in St. Petersburg wurden 66 Personen festgenommen.

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Am Geburtstag von Präsident Wladimir Putin haben zahlreiche Oppositionelle in mehreren Städten gegen die Regierung demonstriert. Mehr als 200 Regierungskritiker sind festgenommen worden. In insgesamt rund 80 Städten, darunter Moskau, Sotschi und Kaliningrad, folgten Menschen dem Demonstrationsaufruf des derzeit inhaftierten Oppositionsführers Alexej Nawalny.

Im Zentrum der Hauptstadt Moskau gingen trotz Regens und Versammlungsverbots mehr als tausend Demonstranten auf die Strasse. Sie riefen «Putin, Schande Russlands» und «Alles Gute zum Geburtstag». Viele hielten die russische Verfassung in die Höhe. «Es ist wichtig, eine Wahl zu haben, eine Opposition», begründete die 20-jährige Studentin Swetlana Kiselewa ihre Teilnahme. Die Polizei sprach von einer Menge aus 700 Demonstranten und Journalisten. Hunderte Polizisten hinderten sie am Zugang zum Roten Platz.

«Putin ist ein Dieb! Freiheit für Nawalny!»

Die grösste Kundgebung fand in Putins Geburtsstadt St. Petersburg statt. Dort versammelten sich etwa 3000 Demonstranten, wie eine Journalistin der Nachrichtenagentur AFP berichtete.

Die Teilnehmer riefen «Putin ist ein Dieb! Freiheit für Nawalny!», während sie von zahlreichen Sondereinsatzkräften der Polizei umringt wurden. Der 20-jährige Demonstrant Igor Klimow sagte, Putin «ist immer an der Macht gewesen, solange ich denken kann, und überall sieht man nichts als Korruption».

Der Sprecher von OVD-Info, Artjom Platow, sagte, bei der gewaltsamen Auflösung der Kundgebung in St. Petersburg seien mindestens 66 Menschen festgenommen worden. Bereits vor dem Beginn der verbotenen Demonstration waren dort zwei Mitglieder von Nawalnys Wahlkampfteam festgenommen worden.

Anti-Putin-Proteste: Hunderte wurden festgenommen. (Video: Tamedia/AFP)

Präsidentschaftskandidat in Haft

Bei den Protesten in rund 80 Städten gab es damit laut OVD-Info insgesamt 235 Festnahmen, unter anderem in der westlichen Exklave Kaliningrad, in der Schwarzmeer-Stadt Sotschi, in Jekaterinburg im Ural und in Samara an der Wolga. Augenzeugen berichteten von blutüberströmten Demonstranten. Der staatliche Nachrichtensender Rossia-24 erwähnte die Proteste nicht und berichtete stattdessen über Geburtstagsglückwünsche an Präsident Putin.

Zu den landesweiten Demonstrationen hatte der inhaftierte Kreml-Kritiker Alexej Nawalny aufgerufen. Der 41-jährige Politiker und Anwalt will im März bei der Präsidentschaftswahl gegen Putin antreten.

Seit 1999 an der Macht

Putin führt seit 1999 die politischen Geschicke des Landes – davon insgesamt fünf Jahre als Regierungschef und 13 Jahre als Präsident. Ob er im kommenden Jahr für eine weitere Amtszeit als Staatschef antritt, hat er nach eigenen Angaben noch nicht entschieden. Dies wird jedoch allgemein erwartet.

Nawalny ist einer der bekanntesten Putin-Kritiker des Landes und prangert regelmässig die Korruption im Land an. Nach Auffassung der Wahlkommission darf er aufgrund einer Verurteilung wegen Betrugs nicht gegen Putin kandidieren.

«Dieser Frass für den Rest unseres Lebens»

Bei den Kundgebungen vom Samstag konnte Nawalny nicht so viele Anhänger mobilisieren wie im März und im Juni. Damals waren zehntausende Menschen Nawalnys Aufruf zu Protesten gegen Putin gefolgt. Dabei gab es schwere Zusammenstösse zwischen Polizei und den meist jungen Demonstranten, hunderte Menschen wurden festgenommen.

Nawalny befindet sich derzeit zum wiederholten Mal in Haft. Er war im September auf dem Weg zu einer Kundgebung festgenommen worden. Am Montag verurteilte ihn ein Moskauer Gericht zu einer 20-tägigen Haftstrafe, weil er wiederholt zur Teilnahme an nicht genehmigten Demonstrationen aufgerufen hatte.

In einer Botschaft, die Nawalny vor einigen Tagen aus seiner Gefängniszelle diktiert hatte, hiess es am Samstag: «Wenn wir nichts tun, werden sie uns für den Rest unseres Lebens diesen Frass vorsetzen. Und unseren Kindern auch.»

(mch/afp)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • giorgio1954 am 07.10.2017 22:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Null Ahnung

    Viele hier kennen die Verhältnisse nicht. Putin ist in Russland sehr beliebt.

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  • Elias am 07.10.2017 21:17 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht schlimm

    Im Vergleich zu dem was die spanische Polizei abzog ist dass völlig legitim.

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  • Marc am 08.10.2017 09:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wer ohne Sünde ist...

    Als ob bei uns in der Schweiz noch nie unbewilligte Demonstrationen ausgeartet wären! Zb.: wie war das nochmal vor zehn Jahren in Bern? Diese Chaoten-Demo ging als Schande von Bern in die Geschichte ein.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • T:N.T. am 08.10.2017 20:10 Report Diesen Beitrag melden

    Anklage

    ich hoffe, dass Putin von dem Internationalen Strafrechtgericht bald angeklagt wird.

  • Bärchen am 08.10.2017 17:51 Report Diesen Beitrag melden

    Live aus

    die Leute hier kratzt die Antirussen-Propaganda im Westen schon lange nicht mehr. Erstens ist nichts wahr und zweitens gehts den Menschen hier sowieso besser. Nicht unbedingt materialistisch aber sonst

  • Cartman1993 am 08.10.2017 17:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verstehe ich nicht

    Wieso kommentieren hier soviele, dass Putin so beliebt sei? Der Artikel sagt ja nicht dass es nicht so sei, nur das gegen ihn demonstiert worden ist?

    • dentisto am 08.10.2017 19:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Cartman1993

      Der Grund liegt darin, dass ausschliesslich negativ über Russland und Putin berichtet wird.

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  • Thomas am 08.10.2017 15:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unterdrückung

    Schlimm wenn man Opposition immer unterdrücken muss. Von was hat die Macht denn Angst?

  • BK11215 am 08.10.2017 15:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Für eine bessere Welt

    Für alle hier die hier Russland und Spanien vergleichen; Schaltet das logische Denken ein. Die Katalonier wollen die Unabhängigkeit (berechtigt oder nicht), das ist vergleichbar mit Tschetschenien die ebenso ihre Unabhängigkeit wollen (berechtigt oder nicht). Dieser Vergleich sieht dann ein bisschen anders aus. Es ist nicht vergleichbar mit Menschen die in einer angeblichen Demokratie für die Grundpfeiler einer solchen demonstrieren. P. S. Im allgemeinen; einen Vorwurf eines Fehlers damit zu kontern andere würden auch Fehler machen, negiert nicht den Umstand des eigenen Fehlers. Logik.

    • Kudisvp am 08.10.2017 16:20 Report Diesen Beitrag melden

      Putin will genau eben eine bessere Welt

      Eben genau weil er ein starkes und funktionierendes Russland will lässt er kriminelle nicht einfach so machen! Ist ja der beste Beweis?! Siehst du nicht das diese Demonstrationen absolut unbewilligt sind? Wo sollte man hinkommen wenn einfach jeder so auf der Strasse Stimmung gegen jemanden machen kann? Darf man in jeder Demokratie nicht. Schweiz, USA, Spanien oder Russland.

    • Rüedu am 08.10.2017 20:11 Report Diesen Beitrag melden

      Kudisvp

      Merken sie noch nicht mal, wie sie manipuliert werden? Da wird das Recht auf freie Meinungsäusserung und Versammlungsfreiheit ohne Begründung verletzt, werden friedliche Demonstrationen aus nichtigen Gründen verboten, und der gute Kudi kann sich wunderbar empören über diese illegalen Aufmärsche. Es braucht wirklich nicht viel, um die naiven Schafe zu führen.

    • BK11215 am 08.10.2017 20:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Kudisvp

      1. Im deutschen Sprachgebrauch ist es nicht üblich jemanden zu duzen den man nicht kennt. 2. Wie können sie es sich anmaßen zu wissen was Putin für die Welt will? Ich kann Ihnen ein paar andere Hypothesen auf einem ein bisschen höheren Niveau liefern, behaupte aber immer noch nicht es zu wissen. 3. Wenn eine Regierungsform eines Landes keine Opposition hat, ist diese keine Demokratie, bestenfalls eine Scheindemokratie. Man könnte argumentieren, dass für Demonstrationen die Demokratie betreffend, man keine Bewilligung dieser Regierung braucht, war aber nicht Teil meines vorherigen Kommentars.

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