Konflikt im Kongo

20. November 2012 17:10; Akt: 20.11.2012 17:25 Print

Rebellen nehmen ostkongolesische Stadt ein

Der Konflikt im Kongo geht weiter. Die Miliz der Rebellen hat heute die Stadt Goma eingenommen. Dabei soll sie auf keinen Widerstand gestossen sein. Der Flughafen der Stadt ist jedoch umkämpft.

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Kämpfer der kongolesischen Revolutionsarmee in der Stadt Goma. (Bild: Reuters/James Akena)

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Im Konflikt in der Demokratischen Republik Kongo hat die Rebellenmiliz M23 am Dienstag die Kontrolle über die Stadt Goma übernommen. Ohne auf nennenswerten Widerstand zu stossen drang eine Kolonne der Aufständischen in Zentrum der unweit der Grenze zu Ruanda liegenden Stadt vor.

Der Flughafen der Stadt an der Grenze zu Ruanda wurde umkämpft - entgegen anderslautenden Berichten von Hilfsorganisationen vor Ort kontrollierten aber am Dienstag noch immer UNO-Friedenstruppen den Flughafen Gomas.

«Der Flughafen ist noch unter der Kontrolle der (UNO-Truppe) Monusco», sagte UNO-Sprecher Madnodje Mounoubai in Kinshasa der Nachrichtenagentur DPA. In die Stadt selbst seien auch nicht mehr als 100 Rebellen vorgedrungen.

Hilfsorganisationen berichteten dagegen, dass bereits grosse Teile der etwa 500'000 Einwohner zählenden Stadt inzwischen von den Rebellen kontrolliert werden. M-23-Sprecher Vianney Kazarama bestätigte Augenzeugenberichte, wonach die Rebellen Goma und den Flughafen eingenommen hätten.

Laut Kazarama verfolgt die M23 die Regierungstruppen, die in völliger Auflösung begriffen seien. Allerdings war unklar, bis wohin die Truppen, die sich in Sake, 20 Kilometer östlich von Goma, sammelten, verfolgt werden sollten.

Der kongolesische Regierungssprecher Lambert Mende sagte in der Hauptstadt Kinshasa, Goma sei im Begriff, von Ruanda besetzt zu werden. Ruandische Soldaten seien über Fusspfade am Vulkan Nyamuragira nach Goma vorgedrungen, sagte er.

Auch ein kongolesischer Oberst, der sich vor dem Fall der Stadt in Goma aufhielt, sagte, er habe dort ruandische Soldaten gesehen. Weder seine noch Mendes Angaben konnten unabhängig überprüft werden.

Flüchtlingselend

Betroffen von den Kämpfen sind die zahlreichen Flüchtlinge in den Lagern rund um Goma. Wie die Ärzte ohne Grenzen berichteten, ist das von ihnen betreute Lager Kanyaruchinya leer. Die etwa 60'000 dort lebenden Menschen, viele von ihnen bereits Vertriebene, hätten das Lager in Panik verlassen, wie die Hilfsorganisation berichtete.

Der Konflikt in der östlichen Provinz Nord Kivu war in den vergangenen Tagen durch den Vormarsch der M23 aufgeflammt. Trotz eines robusten Mandats konnten auch die UNO-Blauhelme den Vormarsch der Rebellen nicht stoppen. Die MONUSCO verfügt in Kongo-Kinshasa über 19'000 Soldaten.

Der lange Arme Ruandas

In der Miliz M23 haben sich ehemalige kongolesische Tutsi- Rebellen zusammengeschlossen, die infolge eines Friedensabkommens zwischenzeitlich in die Armee eingegliedert worden waren. Aus Protest gegen ihre schlechten Lebensbedingungen verliessen die M23- Mitglieder wieder die Armee und nahmen die Waffen gegen die Regierung auf. Die Regierung in Kinshasa lehnt bisher Verhandlungen mit den Rebellen ab.

Die M23-Rebellen sind nach UNO-Angaben aussergewöhnlich gut mit schweren Waffen und Proviant ausgerüstet. Die UNO wirft deshalb dem Nachbarland Ruanda vor, die M23 zu unterstützen. Die Region im Osten der demokratischen Republik Kongo ist äusserst reich an Bodenschätzen. Ruanda, will offenbar die Gewinne aus diesem Geschäft in die eigenen Kassen leiten.

Der Präsident von Kongo-Kinshasa, Joseph Kabila, traf am Dienstag zu Krisengesprächen im Nachbarland Uganda ein. Auch Ruandas Präsident Paul Kagame wurde noch am selben Tag in Kampala erwartet. Mehrere Aussenminister der Region beraten bereits seit Dienstagmorgen über die Lage in der Region.

(sda)