Amoklauf in Newton

17. Dezember 2012 18:40; Akt: 17.12.2012 18:47 Print

«Wir werden uns ändern müssen»

Politiker in den USA ringen nach dem verheerenden Amoklauf an einer Primarschule in Connecticut um ein neues Waffenrecht. Die Meinungen gehen allerdings weit auseinander.

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Die britische «Sun» berichtet am Dienstag, 18. Dezember 2012, über den fensterlosen, bunkerähnlichen Raum, in dem Adam Lanza im Haus seiner Mutter gelebt hat. Der Täter auf einem undatierten Bild aus einem Jahrbuch der Sandy-Hook-Grundschule in Newtown, Connecticut. Ryan Kraft war vor rund zehn Jahren der Babysitter von Adam Lanza. Dessen Mutter Nancy Lanza hatte den damals 14- oder 15-Jährigen vor ihrem Sohn gewarnt: «Kehre ihm bloss nie den Rücken zu.» Dieses Bild von Adam Lanza wurde von den Strafverfolgungsbehörden veröffentlicht und von NBC News verbreitet. US-Präsident Barack Obama spricht am 16. Dezember 2012 an einer Gedenkfeier für die Opfer der Sandy-Hook-Schule den Trauernden sein Beileid aus. In seiner Rede zeigt er sich auch selbstkritisch: Die USA hätten ihre Kinder nicht ausreichend geschützt und das müsste sich nun ändern, erklärte Obama. Vor seiner Rede hat Obama die Angehörigen der 26 Todesopfer (insgesamt 27, Adam Lanzas Mutter eingerechnet) getroffen und lange mit ihnen gesprochen. Es herrscht eine bedrückende Stimmung im Saal, die Trauer um die 27 Opfer ist allgegenwärtig. Überall versuchen sich die Menschen gegenseitig Trost zu spenden. Die US-Flagge vor der Sandy-Hook-Grundschule weht wie alle Flaggen im Land auf Halbmast. Die Einwohner von Newtown warten auf den Präsidenten. Alle wollen bei der Gedenkfeier dabei sein. Decken vom Roten Kreuz helfen gegen das nasskalte Wetter. Tagelang wird in Newtown um die Opfer des Amoklaufs getrauert. Die Betroffenheit ist grenzenlos. Die Mutter des Täters, Nancy Lanza, war das erste Opfer. Sie soll eine Waffennärrin gewesen sein. Waffen waren ihr Hobby, sagte ein Bekannter. Das Bild ist zur Ikone des Dramas geworden und auf zahlreichen Zeitungs- und Onlinefronten auf der ganzen Welt erschienen. Es zeigt Jillian Soto, die per Telefon über den Tod ihrer Schwester Victoria Soto informiert wird. Die 27-jährige Victoria Soto war Lehrerin an der Sandy Hook-Grundschule. Sie hat sich heldenhaft zwischen den Täter und ihre Schüler gestellt. Sie starb im Kugelhagel. Der Amokläufer Adam Lanza mit Kameraden aus dem Techclub, einer Vereinigung technikinteressierter Schüler. Das Foto stammt aus einem Jahrbuch der Newtown Highschool. Der 20-Jährige erschoss am 14. Dezember 2012 erst seine Mutter zu Hause und danach in der Schule 20 Kinder und 6 Erwachsene. Danach tötete er sich selbst. An Mahnwachen gedenken schockierte Amerikaner der Opfer, wie hier am New Yorker Times Square. Die Kirche Saint Rose of Lima in Newtown kann nicht alle Teilnehmer einer Mahnwache fassen, einige Trauernde müssen draussen bleiben. In Hoboken, New Jersey, berichten Reporter von einem zweiten Tatort. In Hoboken lebt der ältere Bruder des Täters, der erst selbst als Todesschütze bezeichnet worden war. Ryan Lanza wurde von der Polizei zur Befragung abgeführt. US-Präsident Barack Obama wandte sich noch am selben Tag aus dem Weissen Haus an die Angehörigen der Opfer. Der Präsident, der selber zwei Töchter hat, musste sich immer wieder eine Träne aus dem Auge wischen, als er sagte: «Unsere Herzen sind gebrochen.» Dannel P. Malloy (r.), der Gouverneur von Connecticut, besucht den Tatort. In der Sandy-Hook-Grundschule in Newtown, US-Stadt Connecticut, hat am 14. Dezember 2012 ein bewaffneter Mann das Feuer auf Schüler und Lehrer eröffnet Newtown ist eine Stadt im US-Bundesstaat Connecticut. Sie liegt rund 125 Kilometer nordöstlich von New York. Die Zahl der Toten war lange Zeit unklar. In ersten Meldungen hiess es noch, ein Mensch sei ums Leben gekommen. Erst viel später wurde das eigentliche Ausmass der Katastrophe bekannt. Laut CNN wurde die Leiche des Täters auf dem Schulgelände entdeckt. Der Mann soll gegen 9.40 Uhr die Schule betreten haben - eine halbe Stunde nach Schulbeginn. In den Aufzeichnungen des Notrufs hat ein Augenzeuge berichtet, dass sich der Schütze zusammen mit Kindern in einem Schulzimmer eingeschlossen habe. Er soll mit zwei bis vier Waffen bewaffnet gewesen sein. Polizeibeamte führen die Kinder weg vom Schulgelände. Ein Polizist rennt mit zwei Frauen und einem Mädchen weg von der Schule. Die Polizei hat eine Besammlungsstelle eingerichtet, wo Eltern und Kinder zusammengeführt werden. Eine Luftaufnahme von der Sandy Hook Elementary School in Newtown. Besorgte Eltern sprechen mit Polizeibeamten. Die Polizei ist mit einem Grossaufgebot vor Ort. Auch die Umgebung der Schule wird überwacht. Die Beamten sperren alles ab, was noch genauer untersucht werden muss- etwa dieses parkierte Auto. Die Kinder stehen unter Schock, sie warten auf ihre Eltern. Glücklich diejenigen, die ihre Kinder in die Arme schliessen können.

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Nach dem verheerenden Amoklauf von Newtown mischen sich in die Verzweiflung und Fassungslosigkeit immer lautere Rufe nach einem entschiedenen Handeln der Politik. Bei der Trauerfeier für die Opfer im US-Staat Connecticut spendete Präsident Barack Obama Trost, mahnte jedoch zugleich grössere Anstrengungen zur Verhinderung solcher Tragödien an. «Welche Wahl haben wir?», fragte er. Zwischen Demokraten und Republikanern entbrannte eine neue Diskussion über das Waffenrecht.

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Zugleich schlug er selbstkritische Töne an. «Sind wir wirklich bereit einzuräumen, dass wir machtlos sind im Angesicht eines solchen Massakers?», fragte er. In den kommenden Wochen werde er die Macht seines Amtes nutzen, um gemeinsam mit der Polizei, Psychologen, Eltern und Lehrern darüber zu beraten, wie solche Tragödien zu verhindern seien. Die USA hätten ihre Kinder nicht ausreichend geschützt. «Wir werden uns ändern müssen», erklärte der Präsident.

Schütze wollte offenbar noch mehr Menschen töten

Das Motiv des Amokschützen Adam Lanza ist drei Tage nach der Tat noch immer unklar. Aus Ermittlerkreisen verlautete, die Beamten untersuchten die Inhalte von Lanzas Computer, sowie Daten von Telefonen und Angaben zu Kreditkarten. Davon erhoffen sich die Ermittler Aufschluss über die Aktivitäten des Schützen unmittelbar vor dem Massenmord.

Der 20-jährige Lanza, der am Freitag zuerst seine Mutter, dann die 26 Schüler und Lehrerinnen an der Sandy-Hook-Primarschule und anschliessend sich selbst tötete, wollte offenbar ein noch viel verheerenderes Blutbad anrichten. Es gebe Hinweise darauf, dass er noch mehr Menschen töten wollte, hiess es am Sonntag aus Ermittlerkreisen. So seien in der Schule mehrere Magazine mit jeweils 30 Schuss und Hunderte weitere Patronen gefunden worden, teilte Polizeisprecher Paul Vance am Sonntag mit.

Der Amokläufer besuchte nach Erkenntnissen der Ermittler einen Schiessstand in der Gegend. Eine Sprecherin der Behörde für Alkohol, Tabak und Schusswaffen (ATF), Ginger Colburn, erklärte, noch sei nicht klar, ob der Mann dort tatsächlich das Schiessen geübt habe.

Republikaner fordert einfacheren Zugang zu Waffen

Nach dem Amoklauf entbrannte in den USA erneut die Debatte um das Waffenrecht. Während demokratische Senatoren eine Verschärfung der Gesetze forderten, sprach sich ein republikanischer Abgeordneter für einen einfacheren Zugang zu Waffen aus. Mehr Waffen hätten eine Bluttat wie in Newtown verhindern können, sagte der republikanische Abgeordnete Louie Gohmert am Sonntag in der Fernsehsendung «Fox News Sunday».

Der parteilose Senator Joe Lieberman und sein demokratischer Kollege Dick Durbin forderten in «Fox News Sunday» hingegen eine nationale Kommission zur Überprüfung des Waffenrechts.

Derweil laufen die Vorbereitungen für die ersten Bestattungen. Am Montag sollten der sechsjährige Jack Pinto und sein Schulkamerad Noah Pozner in Newtown beigesetzt werden. Tags zuvor hatten sich Angehörige und Anwohner zu einer bewegenden Gedenkfeier versammelt, an der auch Präsident Obama teilnahm. Die Familien seien in ihrer Trauer nicht allein, versicherte er. Menschen im ganzen Land weinten mit ihnen und beteten für sie. Er wisse jedoch, dass Worte die Trauer nicht lindern könnten. Dann verlas er die Vornamen der 26 Opfer. «Gott hat sie alle nach Hause gerufen», sagte der zweifache Familienvater.

(bee/dapd)

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Danny am 18.12.2012 13:44 Report Diesen Beitrag melden

    Urinstinkt

    Es geht um einen Urinstinkt der Amerikaner. Man hat eine Waffe, weil man sich nötigenfalls auch gegen die eigene Regierung wehren kann, sollte diese beispielsweise von einer Demokratie zu einer Diktatur kippen. Es sind schon zu viele Waffen im Umlauf, als dass ein strengeres Gesetz noch etwas nützen würde. Der Ami will sich auch selbst schützen können. In CH gibt es auch sehr viele Waffen, aber die Chance ein paar Wahnsinnige unter 300 Mio. Einwohnern zu finden, welche ihre Waffen für Amokläufe einsetzen, ist halt deutlich höher als bei 8 Mio. Freiheit hat meist einen entsetzlich hohen Preis.

  • J. Meyer am 18.12.2012 13:21 Report Diesen Beitrag melden

    Schwere Aufgabe

    Eine Verschärfung des Waffengesetzes ist eine logische Konsequenz, der man schon viel früher hätte nachgehen sollen. Dennoch, so denke ich, verhindert auch eine Verschärfung keine Amokläufe o.ä. Taten, da einerseits bereits zu viele Waffen im Umlauf sind u andererseits die Beschaffung dennoch über illegale Kanäle stattfinden wird. In der heutigen anonymisierten Gesellschaft braucht es mehr, als nur ein restriktiveres Waffengesetz, damit bereits im Vorfeld gewisse Signale in diese Richtungen überhaupt erkannt u ggf. verhindert werden können.

  • schacher sepp am 18.12.2012 09:12 Report Diesen Beitrag melden

    bringt nichts

    die vielen massaker dieses jahr wirken etwas komisch. waffen verbieten bringt auch nichts. nur das man das volk dann besser kontrollieren kann.

  • Andre am 18.12.2012 07:00 Report Diesen Beitrag melden

    Verbietet Baseball & Kochen...

    Denn mit einem Baseballschläger kann ich jemanden erschlagen, mit Küchenmesser jemanden erstechen. Man kann über die Amerikaner sagen was man will, aber was sie vielen Schweizern und Europäern voraus haben ist die Liebe zur Freiheit, Wertschätzung bewährter Werte und eine schöne Portion Patriotismus. Tugenden, die leider viele Schweizer nicht mehr haben... Wenn dazu diese Waffenphilosophie gehört, dann ist es halt so. Achja, trotz der 3. höchsten Waffendichte auf der Welt haben wir erstaunlich wenig Amokläufer in der Schweiz.

  • jana am 17.12.2012 21:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ungeheuerlich

    wie kann man nach einer solchen tat die meinung vertreten dass mit noch mehr waffen das problem enttschärft werden kann?! zugang zu waffen hat noch nie probleme gelöst, im gegenteil. ungeheuerlich was eine so mächtige lobby alles durchdrücken kann. eimal mehr wird von der angst in der bevölkerung profitiert, einmal mehr geht es ums geld.

    • J. Meyer am 18.12.2012 13:27 Report Diesen Beitrag melden

      Fragwürdige Lobby

      Die Angst ist zwar ein schlechter Ratgeber, aber für Manche auch ein profitables Geschäft. Ich denke mir mal, gerade nach diesem Amoklauf werden sich solche Angsthasen erst recht bewaffnen wollen. Und gerade aus Angst verübt man dann mit einer Waffe in einer unüberschaubaren Situation ein Fehlschuss, deren Folgen nicht mal im Vorfeld überlegt wurde. Ein Mann erschiesst einen vermeintlichen Einbrecher, doch es war sein Sohn - stand kürzlich in 20min! Ohne diese Lobby hätte er vielleicht keine Waffe u sein Sohn würde wohl noch leben, keine Ahnung, ist nur ein spekulativer Gedanke.

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