Mord an Kims Halbbruder

25. Februar 2017 11:04; Akt: 25.02.2017 18:20 Print

Verdächtige bekam 90 Dollar für Gift-Attacke

Der Todesfall des Halbbruders von Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un nimmt immer groteskere Züge an. Die mutmasslichen Täterinnen sollen geglaubt haben, in einem TV-Sketch mitzuwirken.

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Sein Tod führt zu Spannungen zwischen Nordkorea und Malaysia: Kim Jong-nam. (Archivbild) Steht unter Tatverdacht: Die 25-jährige Indonesierin Siti A. (19.Februar 2017). Auch sie wird verdächtigt, am mutmasslichen Mord an Kim Jong-nam beteiligt gewesen zu sein: Thi Huong D. Fahndungsbild der malaysischen Polizei. (19.Februar 2017). Laut malaysischer Polizei hatten die Frauen ihre Hände in tödlichem Gift getränkt und damit über Kims Gesicht gewischt. Zunächst war von einem Gifthandschuh berichtet worden. Die Ermittler an einer Medienkonferenz in Kuala Lumpur (19.Februar 2017). Eines der Fotos auf ihrem Facebook-Account zeigt die Vietnamesin in einem weissen T-Shirt mit der Aufschrift «LOL», ähnlich dem T-Shirt, das auf dem Überwachungsvideo vom Attentat zu erkennen ist .Eine Aufnahme der Überwachungskamera zeigt die Tatverdächtige (14. Februar 2017) Die Frau im gelben Pullover: «Wenn sie wirklich eine Agentin wäre, wäre sie wohl nicht gefunden worden», lauteten die ersten Einschätzungen nach ihrer Inhaftierung. Verstossen, weil er Disneyland sehen wollte: Der getötete Kim Jong-nam ist ein grosses Thema in den südkoreanischen Medien. (14. Februar 2017) Diplomatische Verstimmung: Der nordkoreanische Botschafter in Malaysia spricht in Kuala Lumpur vor Pressevertretern (20. Februar 2017). Kang Chol, der Botschafter von Nordkorea, hatte gesagt, Malaysia versuche eventuell etwas zu «verbergen». Anlass war die Autopsie des Halbbruders von Machthaber Kim Jong-un (20. Februar 2017). Zwei Frauen sollen ihn ermordet haben: Ein südkoreanischer TV-Sender zeigt in den Nachrichten den Halbbruder von Kim Jong-un, Kim Jong-nam, sowie die beiden Tatverdächtigen. (15. Februar 2017) Dieses Bild soll Kim Jong-nam am Flughafen Narita in Tokio zeigen. (4. Mai 2001) Kim Jong-il (rechts), Ende 2011 verstorben, und sein Sohn und designierter Nachfolger Kim Jong-un bei einer Militärparade zu Ehren der Arbeiterpartei Nordkoreas. (10. Oktober 2010) Der 33-jährige nordkoreanische Diktator Kim Jong-un liebt die grossen Posen, wie etwa diese Selbstinszenierung auf dem höchsten Berg Nordkoreas, dem 2750 Meter hohen Mount Paektu. (18. April 2015) Kim Jong-un ist der dritte und jüngste Sohn von Kim Jong-il. Er gilt als unberechenbarer und grausamer Diktator. Im Dezember 2013 liess er seinen Onkel Jang Song-thaek (links), die «Graue Eminenz» des Staates, hinrichten. (16. Februar) 2012) Der heutige Herrscher Nordkoreas (im Bild eingekreist) soll als Jugendlicher in der Schweiz gelebt haben, wo er ein Internat im Kanton Bern besuchte. Zudem studierte er an der Uni Genf. (Bild ohne Datumsangabe) Kim Jong-nam ist der älteste Bruder von Kim Jong-un. Er war als Nachfolger von Kim Jong-il vorgesehen gewesen, fiel aber in Ungnade. (28. Juli 2011) Kim Jong-il herrschte von 1994 bis Ende 2011. Als der «Geliebte Führer» starb, herrschte in ganz Nordkorea – weitgehend staatlich verordnet – grosse Trauer. (28. Dezember 2011) Seit der Staatsgründung 1948 wird Nordkorea von drei Generationen der Kim-Dynastie regiert. Kim Il-sung (1912–1994) verstand sich als Kommunist. Der erste Herrscher der Kim-Familie hat Kultstatus in Nordkorea. (21. Mai 1987) Während seiner 17-jährigen Herrschaft ging es Kim Jong-il (1941–2011) vor allem um Machterhaltung und Modernisierung des international isolierten Landes. (23. August 2002) Kim Jong-un – hier mit Ehefrau Ri Sol-ju und hochrangigen Militärs – macht dort weiter, wo sein Vater aufhörte. Parolen sind die Leitlinien der Kim-Diktatur zur Erziehung des Volkes. Das letztjährige Motto lautete: «Verwandeln wir das Land in ein sozialistisches Märchenland.» (18. Februar 2016) Der Personenkult um die Kim-Dynastie gehört zum öffentlichen Leben in Nordkorea. Der Platz mit den riesigen Statuen von Kim Il-sung und Kim Jong-il in Pyongyang ist ein Pilgerort für Menschen aus dem ganzen Land. (16. April 2012)

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Der Fall gleicht längst einem fiktiven Agententhriller: Eine festgenommene Tatverdächtige aus Indonesien habe 90 Dollar (rund 85 Euro) dafür erhalten, um dabei zu helfen, den mutmasslichen Mord an Kim Jong-nam zu verüben, sagte der stellvertretende indonesische Malaysia-Botschafter Andriano Erwin am Samstag. Wie die britische Zeitung «Mirror» schreibt, sei die junge Frau davon ausgegangen, bei der giftigen Substanz handle es sich um harmloses Baby-Öl. Erwin hatte die 25-Jährige am Samstag in Malaysia getroffen, wo sie in U-Haft sitzt.


Aufnahmen von Überwachungskameras sollen den Anschlag auf den Halbbruder
von Nordkoreas Diktator Kim Jong-un zeigen. Video: Reuters

Er wiederholte auch die Behauptung der Verdächtigen, sie habe geglaubt, in einem Fernsehstreich mitzuspielen. Bilder einer Überwachungskamera zeigen: eine der beiden mutmasslichen Täterinnen trug einen Pulli mit der Aufschrift «Lol», die englische Abkürzung für «laut lachen».

Zweite Verdächtige

Nach Angaben der Polizei hat die Indonesierin Kim Jong-nam am Montag vergangener Woche mitten am Tag am Flughafen von Kuala Lumpur das Nervengift VX ins Gesicht gerieben. Er starb auf dem Weg ins Krankenhaus.

Neben der 25-Jährigen ist auch eine weitere Frau, eine 28-jährige Vietnamesin, festgenommen worden. Auch die mutmassliche zweite Täterin hat laut Polizei geglaubt, in einem Fernseh-Sketch mitzuspielen. Laut Medienberichten soll sie in ihrer Heimat an der Casting Show «Vietnam Idol» teilgenommen haben und für Eskort-Agenturen tätig gewesen sein.

(jdr)