Anschlagsserie

06. November 2017 21:58; Akt: 06.11.2017 22:41 Print

So unterschiedlich reagiert Trump auf Gewalt

Binnen einem Monat kommt es in den USA zu drei Anschlägen. Wie reagierte der US-Präsident jeweils darauf – und wieso handelt er sich deswegen Kritik ein?

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Es ist üblich und wichtig, dass sich Staatschefs nach nationalen Tragödien äussern, Mitgefühl und Anteilnahme zeigen. US-Präsident Donald Trump musste dies innert kürzester Zeit gleich dreimal tun: Anfang Oktober beim Massaker von Las Vegas mit fast 60 Toten, gut einen Monat später beim Lastwagen-Anschlag von New York mit acht Todesopfern und jetzt, keine Woche danach, bei der Schiesserei in einer texanischen Kirche mit 27 Toten.

Auf die drei tödlichen Vorfälle reagierte Trump auf seinem bevorzugten Kommunikationskanal Twitter unterschiedlich:

Las Vegas
Stunden nach der Tragödie von Las Vegas twitterte er :
«Mein herzlichstes Beileid und Mitgefühl für die Opfer und Familien der schrecklichen Schiesserei in Las Vegas. Gott schütze euch!»

Am nächsten Morgen teilte er aus dem Weissen Haus mit: «In Momenten der Tragödie und des Horrors kommt Amerika als eins zusammen – so wie immer.»

Nach einer Verschärfung des US-Waffenrechtes gefragt, liess er durch seine Sprecherin mitteilen, dass es der falsche Zeitpunkt für diese Diskussion sei, man werde sich damit «zu gegebener Zeit befassen.»

New York
Nach dem Anschlag setzte Trump innert 24 Stunden zehn Tweets ab: «Es scheint, als ob es in New York eine weitere Attacke durch eine sehr kranke und gestörte Person gegeben hat. Die Sicherheitsbehörden verfolgen den Vorfall genau. NICHT IN DEN USA!»
«Der NYC-Täter war glücklich, als er verlangte, die IS-Flagge in seinem Spitalzimmer aufzuhängen. Er tötete 8 Menschen, verletzte 12 schwer. ER SOLLTE DIE TODESSTRAFE ERHALTEN!»

Später bezeichnete er den Attentäter als «entartetes Tier», das er, wie er in einem weiteren Tweet schreibt «... am liebsten nach Guantánamo schicken» würde.

«Es ist aber auch angemessen, ihn dort zu behalten, wo er sein schreckliches Verbrechen begangen hat. Es sollte schnell gehen. TODESSTRAFE!»

Dazu verurteilte der US-Präsident die US-Einwanderungsgesetze als zu lasch, benannte den demokratischen Senator Chuck Schumer als einen der Verantwortlichen für das «Diversity Visa Lottery Program» und bezeichnete das US-Justizsystem als «Witz» und «Lachnummer», das «diese Tiere» «zu langsam» und «zu lasch» bestrafe.

Während das Weisse Haus nach dem Massaker von Las Vegas keine Notwendigkeit für eine Debatte zur Verschärfung der Waffengesetzgebung sah, kündigte Trump nach dem Terroranschlag von New York auf Twitter umgehend Verschärfungen bei den Einreisekontrollen an.

Texas
Die Kirchenschiesserei ereignete sich, während Trump auf Staatsbesuch in Japan weilte. Er twitterte in zwei Posts:
«Möge Gott mit den Menschen von Sutherland Springs, Texas sein. Das FBI und die Gesetzeshüter sind vor Ort. Ich verfolge die Lage von Japan aus» und «Amerikaner tun, was wir am besten tun: wir kommen zusammen. Wie reichen uns die Hände. Wir haken uns unter und stehen trotz Tränen und Traurigkeit zusammen.»

An einer Pressekonferenz sagte er: «Das war ein sehr gestörtes Individuum.» Danach gefragt, ob nun eine Änderung des Waffenrechts anstehe, sagte Trump: «Wir haben viele Probleme mit geistiger Gesundheit in unserem Land, wie in anderen Länden auch», aber: «Es gibt kein Problem mit Schusswaffen.»

Was bei den Tweets auffällt:

Indem der US-Präsident den beiden weissen Attentätern von Las Vegas und Sutherland Springs ihre geistige Gesundheit in Abrede stellt, entbindet Trump sie ein Stück weit auch von der Verantwortung für die Taten. Ihre unpolitischen Anschläge werden unaufgeregt unter die fast schon alltäglichen Blutbäder im Land verbucht.

Der Attentäter von New York ist für ihn dagegen ein «entartetes Tier» – und der islamistisch-terroristische Hintergrund der Tat verlangt ihm zufolge vehement nach sofortigen politischen Schritten wie die Abschaffung der Green-Card-Lottery.

Das bemängeln Trumps Kritiker:

Trumps Kritikern zufolge nutzt der US-Präsident den Terror jeweils sofort für seine eigene Agenda, geht es indes um das für Republikaner unantastbare Waffengesetz, müssen «Gebete und Gedenken an die Opfer» reichen.

Bei Massenschiessereien durch einen weissen Schützen rufe er zur Einheit auf, bei Terroranschlägen durch Einwanderer hingegen zielten seine Tweets auf «Spaltung und Schuldzuweisungen» ab, wie der «Guardian» schreibt.

CNN fasst die Diskussion folgendermassen zusammen: «Trump ist mehr als willens, tragische Vorfälle für sich zu nutzen, wenn sie seiner politischen Agenda und seinen Überzeugungen entsprechen. Tun sie das nicht, ignoriert er solche Vorfälle. So einfach ist es.»

(gux)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Rolf am 06.11.2017 23:57 Report Diesen Beitrag melden

    Amis sind ihr eigener Feind!

    So viele Tote wie Einheimische in den USA bei all diesen "Amokläufen" zu verantworten haben, kommen nicht einmal bei allen bisherigen Terroranschlägen in Amerika zusammen! Zählt man dazu auch noch alle Toten im Drogenkrieg in den USA, so müssten sich die Amis eigentlich viel mehr vor sich selbst fürchten als vor Islamisten!

  • teb07 am 06.11.2017 22:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    traurig aber wahr

    Wir hatten noch nie so viele lächerliche und unnötige Schlagzeilen wie von diesem Mann! Und dazu kommt, er ist Präsident! Präsident einer Weltmacht.

  • Frau52 am 07.11.2017 06:41 Report Diesen Beitrag melden

    fehlende Empathie

    Als Narzisst kennt Herr Trump keine Empathie, zumindest scheint das so. Als Präsident sollte anhand der Tragödien Empathie und Anteilnahme in seinem Ausdruck zu spüren sein. Ein Mann der nach einem Attentat wie jenes am vergangenen Wochenende als einzige Antwort nur erklärt; "zum Glück hatte noch jemand anderes eine Waffe", ist weit weg von jedem Mitgefühl. Solange es nicht ihn betrifft, bleibt er im wahrsten Sinne des Wortes unterkühlt mit seinen Äusserungen was an ein Armutszeugnis grenzt.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Thoms am 07.11.2017 16:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Make America save again

    Nur leider ist die USA so unsicher wie nie zuvor. Die Politik von Herrn Trump versagt kläglich. Ich frage mich, wie lange wir uns den Albtraum Trump noch noch antun müssen.

  • Thoms am 07.11.2017 16:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Waffenlobby

    Wie viele der Amokläufe wurden nun durch das persönliche tragen von Waffen verhindert? Meines Wissens keine. Lediglich war es für die Täter offensichtlich zu einfach an Waffen zu kommen. Sollten sich auch hier ein paar Leute gut überlegen, die lieber ein offeneres Waffengestz hätten.

  • Chevalier am 07.11.2017 14:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Komisch, dass Attentäter immer tot sind am Schluss

    Verdächtig bei fast ALLEN Attentaten ist, dass die Attentäter am Schluss immer tot sind und daher nicht mehr befragt werden können (sie bereits beim Kennedy Mord)! Da steckt mehr dahinter; die Geheimdienste mit Bestimmtheit...!

  • Reader am 07.11.2017 13:20 Report Diesen Beitrag melden

    Trump made my Day

    Zitat: "Wir haben viele Probleme mit geistiger Gesundheit in unserem Land..." Wie recht er doch hat. Da frage ich mich doch, ob dieses "Problem" nicht schon bis ins WH vorgedrungen ist...

  • Chtulhu am 07.11.2017 12:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Drain the Trump.

    Nicht Waffen töten Menschen. Menschen töten Menschen. Dann ist ja wohl klar, dass Menschen zu verbieten sind. Das hat nichts mit dem Is.. ahm Waffengesetz zu tun. Und in Zeiten von Twitter befasst man sich ja eher mit 134 Zeichen Meinung und nicht mit 18 Jahren Geschichte seit Columbine. Meinungen sind wenigstens von Menschen für Menschen und nicht von angeheuerten Hinterhof Bots (wer gibt schon Geld für sowas), die berühren mich wenigstens auch ohne Bildung, Fakten sind echt so voll 90iger. Ausserdem ist das Sexleben vom Bachelor genauso wichtig. Das Leben ist schon zynisch.