80 Verletzte

28. Januar 2015 09:42; Akt: 28.01.2015 14:41 Print

Gewaltsame Proteste im Kosovo

Tausende Demonstranten fordern in Pristina den Rücktritt eines serbischen Ministers. Er hatte eine Gruppe Albaner als «Wilde» bezeichnet.

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Bei Protesten gegen den serbischen Arbeitsministers Aleksandar Jablanovic sind im Kosovo mehr als 80 Menschen verletzt worden. In Pristina versuchten Tausende Anhänger der nationalistischen albanischen Bewegung Vetevendosje (Selbstbestimmung), den Sitz der Regierung zu stürmen.

Vor allem aber forderten sie den Rücktritt Jablanovics. Jablanovic, einer von drei ethnischen Serben im Kabinett von Ministerpräsident Isa Mustafa, hatte vor rund zwei Wochen albanische Demonstranten als «Wilde» bezeichnet. Diese wiederum hatten eine Gruppe von Serben daran gehindert, am orthodoxen Weihnachtsfest ein Kloster im Westen des Kosovo zu besuchen. Die beschuldigten Demonstranten rechtfertigten sich wiederum damit, dass unter den Pilgern auch «Kriegsverbrecher» gewesen seien.

Proteste bis zum Rücktritt angekündigt

Später bat Jablanovic öffentlich um Entschuldigung. Doch seither dauern die Proteste gegen ihn an. «Jablanovic raus» und «Nieder mit der Regierung», riefen die Demonstranten auch gestern. Der Vetevendosje-Chef Albin Kurtin kündigte an, die Proteste bis zum Rücktritt Jablanovics fortzusetzen.

Sie attackierten die Polizei mit Steinen, die Sicherheitskräfte antworteten mit Tränengas. Unter den 80 Verletzten waren
56 Polizisten. Mehr als 100 Demonstranten wurden festgenommen.

Das Kosovo spaltete sich 1999 von Serbien ab. 2008 erklärte Pristina seine Unabhängigkeit. Dies erkennt Belgrad bis heute nicht an. Im Kosovo leben 1,8 Millionen Albaner und 120'000 Serben, ein Drittel davon im Norden des Kleinstaats.

(sda)