Katastrophale Fehler

04. Oktober 2012 12:45; Akt: 04.10.2012 13:07 Print

Iran feuert auf eigene Flugzeuge

Im Fall eines Kriegs gegen Israel gibt sich die iranische Führung stets siegessicher. Doch laut US-Geheimdiensten ist sie derart nervös, dass ihren Truppen grobe Schnitzer unterlaufen.

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Ein Geistlicher der iranischen Armee steht während eines Grossmanövers im September 2009 vor einer S-200-Boden-Luft-Rakete. (Bild: Keystone)

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Flugzeuge stürzen im Iran leider mit einer gewissen Regelmässigkeit ab. Hauptgrund für die vielen Unfälle sind fehlende Ersatzteile, die aufgrund von internationalen Wirtschaftssanktionen nicht beschafft werden können. Laut US-Geheimdienstinformationen ist in den vergangenen Jahren noch eine weitere Gefahrenquelle hinzugekommen: die eigene Luftabwehr.

Gemäss «New York Times», der das geheime Pentagon-Papier über «Betriebspannen bei der iranischen Luftabwehr» vorliegt, ging 2007 in Teheran die Angst vor einem Militärschlag um. Im September hatte die israelische Luftwaffe einen halbfertigen Atomreaktor in Syrien bombardiert und über dem Mittelmeer Grossmanöver abgehalten. Beobachter spekulierten damals über einen unmittelbar bevorstehenden Angriff auf die iranische Urananreicherungs-Anlage in Natanz.

Verkehrsflugzeuge, Drohnen und Kampfjets beschossen

Derart aufgeschreckt, begann die iranische Luftabwehr offenbar auf alles zu schiessen, was sich bewegte. In der Annahme, dass sich israelische Kampfjets zur Tarnung als zivile Maschinen ausgeben würden, feuerte im Juni 2007 eine Einheit der Revolutionsgarden eine Boden-Luft-Rakete auf ein Verkehrsflugzeug ab. Im Mai 2008 nahmen Flugabwehr-Batterien eine iranische Aufklärungsdrohne, ein Verkehrsflugzeug und sogar eines der eigenen F-14-Kampfflugzeuge unter Beschuss. Im Juni 2008 stieg ein F-4-Abfangjäger auf, um ein verdächtiges Objekt zu inspizieren. Wie sich herausstellte, handelte es sich um ein Flugzeug der Iraqi Airways auf dem Weg von Bagdad nach Teheran.

Die Zwischenfälle sind offenbar nur teilweise auf die erhöhte Nervosität der Führung in Teheran zurückzuführen. Um die Qualität der Luftüberwachung, Übermittlung und Ausbildung in der iranischen Armee sei es derart schlecht bestellt, dass weiterhin mit solchen Fehlern zu rechnen sei, heisst es im Bericht des Pentagons.

Die Vorfälle entbehren nicht einer traurigen Ironie: Am 3. Juli 1988 schoss die US-Marine im Persischen Golf ein iranisches Verkehrsflugzeug auf dem Weg nach Dubai ab. Alle 290 Menschen an Bord wurden getötet. Die Crew hatte den Airbus A300 fatalerweise für einen F-14-Kampfjet der iranischen Luftwaffe gehalten.

Übungen mit veralteter F-16

Laut einem Bericht der spanischen Zeitung «ABC» versucht die iranische Armee auch mit anderen – ähnlich verzweifelten – Methoden, sich auf einen Angriff vorzubereiten. In der Annahme, dass die israelische Luftwaffe ihre F-16-Kampfflugzeuge einsetzen würde, soll der venezolanische Staatschef Hugo Chávez 2006 seinen iranischen Verbündeten eine F-16 zur Verfügung gestellt haben. Die Maschine wurde komplett demontiert und in Kisten nach Iran geflogen. Dort wurde sie wieder zusammengebaut, damit sich die iranische Luftabwehr auf den Kampfflugzeugtyp einstellen kann.

Wie die israelische Tageszeitung «Haaretz» damals anmerkte, handelt es sich bei den venezolanischen F-16 allerdings um alte Modelle, die das Land vor dem Machtantritt von Chávez erworben hatte. Ob diese mit den modernen F-16 der israelischen Luftwaffe noch viel gemeinsam haben, ist zweifelhaft.

(kri)