10. Dezember 2007 16:27; Akt: 10.12.2007 16:44 Print

CIA-Opfer El Masri gesteht Brandstiftung

Der mutmasslich von der CIA nach Afghanistan entführte Deutsch-Libanese Khaled el Masri hat vor Gericht gestanden, an einem Grossmarkt Feuer gelegt zu haben und die Tat auf Verfolgungswahn infolge seiner Verschleppung zurückgeführt.

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Der wegen Brandstiftung und schwerer Körperverletzung angeklagte 44-Jährige legte am Montag zum Prozessauftakt vor dem Landgericht Memmingen ein von seinem Anwalt verlesenes Geständnis ab, in dem er mehrfach Ängste vor Mordanschlägen ausländischer Geheimdienste äusserte.

El Masris Verteidiger Manfred Gnjidic betonte, sein Mandant leide nach wie vor unter Spätfolgen von in Afghanistan erlittener Misshandlungen. «Ich denke, dass eine verminderte Schuldfähigkeit auf jeden Fall im Raum schwebt», sagte Gnjidic.

Brand aus Verfolgungswahn gelegt

Der Anwalt verlas zu Prozessbeginn eine Erklärung seines Angeklagten, in der El Masri die Brandstiftung ebenso gestand wie den weiteren Tatvorwurf, Monate zuvor einen Ausbilder bei einer Schulung zum Lastwagen-Fahrer krankenhausreif geschlagen zu haben. El Masri zählte in der Erklärung eine Vielzahl von Ereignissen auf, bei denen er sich verfolgt gefühlt und Todesängste verspürt habe. «Ich glaube es gibt ein grosses Interesse, mich als Unfall beseitigt zu wissen», betonte El Masri in der Erklärung.

Auch in dem Neu-Ulmer Grossmarkt habe er sich mehrfach von dessen Mitarbeitern provoziert gefühlt. Er habe damals gedacht, dass er in eine Falle gelockt werden solle. Um dem zuvorzukommen, habe er den Brand im Grossmarkt gelegt.

Überall Geheimdienst-Schergen

El Masris Anwalt Gnjidic betonte anschliessend, sein Mandant habe die Erfahrungen mit den Geheimdiensten noch nicht verarbeitet und sehe «hinter jeder Ecke einen Schatten». Gnjidic warf erneut der damaligen rot-grünen Bundesregierung vor, sie habe seinen Mandanten alleine gelassen. Sein Mandant habe auch jetzt, vier Jahre nach dem Ende seiner Entführung, noch keine Psychotherapie erhalten.

Der Deutsch-Libanese bestätigte zu Prozessbeginn weitgehend die in der Anklage erhobenen Vorwürfe. Demnach rammte er im Mai nach Ladenschluss mit seinem Auto einen Nebeneingang des Neu-Ulmer Metro-Marktes und legte mit Hilfe von drei Benzinkanistern an mehreren Stellen Feuer.

Beim Brand entstand ein Sachschaden von über 100 000 Euro, wie Staatsanwalt Markus Schroth erklärte. Zudem räumte El Masri ein, zuvor im Streit um die Rückgabe eines MP3-Players zwei Verkäuferinnen des Marktes beleidigt und eine von ihnen angespuckt zu haben.

Weiter gestand er, rund ein Vierteljahr vor dem Brand einen Mitarbeiter der Prüfgesellschaft Dekra verprügelt zu haben. Dieser hatte Masri vorgeworfen, bei einer Ausbildung zum Lkw-Fahrer zu viele Stunden verpasst zu haben. Bei der Prügelei erlitt der Ausbilder unter anderem eine Gehirnerschütterung und mehrere Prellungen.

Angeklagter berichtet von Misshandlungen

El Masri selbst schilderte zudem teils unter Tränen seine Leidensgeschichte in Afghanistan und Mazedonien, wo ihn CIA-Agenten entführt hätten. Dort sei er in der Isolationshaft mehrfach geschlagen und misshandelt worden, zudem hätten ihn seine Peiniger mehrfach absichtlich in Todesangst versetzt. Nach Ermittlungen der Münchner Staatsanwaltschaft war El Masri unter Beteiligung von 13 namentlich bekannten CIA-Agenten von Dezember 2003 bis Mai 2004 nach Afghanistan verschleppt und dort gefangen gehalten worden.

(dapd)