Brand in Bangladesch

28. November 2012 09:00; Akt: 28.11.2012 15:21 Print

Manager haben Textilarbeiter eingesperrt

Die Polizei hat drei Manager der Textilfabrik verhaftet, in der bei einem Brand 110 Menschen starben: Sie sollen den Arbeitern verboten haben, zu fliehen - und sie gar eingesperrt haben.

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Ein Brand in einer mehrstöckigen Textilfabrik in Bangladesch hat am 25. November 2012 mindestens 110 Menschen das Leben gekostet. Mehr als 200 wurden verletzt. Das Feuer war am späten Samstagabend im Erdgeschoss des neunstöckigen Fabrikgebäudes am Rande der Hauptstadt Dhaka ausgebrochen und griff dann schnell auf die anderen Etagen über. Zum Zeitpunkt des Ausbruchs hätten sich mehr als 1000 Arbeiter in dem Gebäude befunden. Bei den Todesopfern handle es sich zumeist um Arbeiterinnen, die von den Flammen eingeschlossen worden seien. Die meisten von ihnen seien am Rauch erstickt. Firmenchef Delwar Hossain sprach von einem «schweren Verlust für meine Angestellten und meine Fabrik», die unter anderem für das Bekleidungsunternehmen C&A arbeitet. Die Brandursache war nach Angaben von Bangladeschs Premierministerin Sheikh Hasina Brandstiftung. «Es war kein Zufall. Es war im Voraus geplant», sagte sie am Montag im Parlament in Dhaka. Sie habe Bilder von Überwachungskameras gesehen. Zwei Männer seien festgenommen worden. «Diejenigen, die hinter dem Sabotageakt stecken, werden ebenfalls gefasst werden», sagte die Premierministerin weiter. Einer der Männer habe gestanden, für die Brandstiftung 20'000 Taka (etwa 225 Franken) erhalten zu haben. Bei den Todesopfern handle es sich zumeist um Arbeiterinnen, die von den Flammen eingeschlossen worden seien. Die meisten von ihnen seien am Rauch erstickt. Ein Sprecher der Fabrik erklärte vor Kameras, der Betrieb habe Standards der Europäischen Union eingehalten. So habe es etwa vier alternative Treppenaufgänge gegeben, doch die Arbeiter seien in der Panik zum Hauptausgang gestürmt und nur wenige hätten diese Notausgänge benutzt. Die Textilindustrie ist der wichtigste Wirtschaftsfaktor Bangladeschs. In dem Land gibt es etwa 4500 Bekleidungsfabriken, die unter anderem für Firmen wie H&M, Wal-Mart, JC Penney und Tesco produzieren. Die Näherinnen arbeiten meist unter schwierigen Bedingungen. Die Regierung in Bhaka entschied am ersten Sitzungstag nach der Tragödie, den Dienstag zum nationalen Tag der Trauer zu erklären. Die Nationalflagge solle auf halbmast wehen und alle Textilfabriken im Land, die Millionen Menschen beschäftigen, geschlossen bleiben. Keine zwei Tage nach dem verheerenden Brand in einer Bekleidungsfabrik in Bangladesch ist am Montagvormittag erneut ein Feuer in einem Textilbetrieb in der Hauptstadt Dhaka ausgebrochen. Berichte über Todesopfer lagen zunächst nicht vor. Allerdings hätten acht Arbeiter der Fabrik in einem Vorort von Dhaka Rauchvergiftungen erlitten, sagte ein Feuerwehrsprecher. In dem Gebäude im Stadtteil Uttara waren den Angaben zufolge vier verschiedene Textilfabriken untergebracht. Der Brand konnte nach Angaben der Polizei weitgehend unter Kontrolle gebracht werden. Am Montag, 26.11.12 gingen tausende bangladeschische Arbeitnehmer auf die Strasse, um ihrer Wut über den Grossbrand vom Wochenende Luft zu machen. Dabei kam es vereinzelt zu gewaltsamen Ausschreitungen. Die Demonstranten forderten lautstark mehr Sicherheit an ihren Arbeitsplätzen, wie ein Polizeisprecher sagte. Zudem sollten die für die Katastrophe Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden.

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Manager der Unglücksfabrik in Bangladesch sollen die Arbeiter während des Brandes eingeschlossen haben. Am Mittwoch wurden drei Männer festgenommen, die für Lager, Verwaltung und Sicherheit verantwortlich waren.

Sie würden nun fünf Tage lang in Untersuchungshaft befragt, sagte Staatsanwalt Anwarul Kabir Babul in Dhaka. Ein Untersuchungsbericht der örtlichen Polizei kommt zu dem Ergebnis, dass die Männer die Tore abschlossen, als das Feuer ausbrach.

Bei dem Brand am Rande der Hauptstadt Dhaka waren nach Angaben eines Regierungssprechers 112 Menschen ums Leben gekommen. Auch Zeugen hatten lokalen Medien berichtet, Notausgänge seien auf mehreren Etagen abgeschlossen worden und Feuerlöscher hätten nicht funktioniert.

Der Staatsanwalt meinte, die Verantwortungslosigkeit der Aufpasser habe den Tod der Arbeiter verursacht. Die drei Manager erklärten, sie seien unschuldig. Ihre Befragung soll auch dabei helfen, die Brandursache zu ermitteln. Nach Erkenntnissen der Regierung waren Brandstifter für das fatale Feuer verantwortlich.

Der Fabrikbesitzer wurde von der Polizei ebenfalls befragt, aber nicht festgenommen. Überlebende des Feuers und Kollegen angrenzender Fabriken gingen auch am Mittwoch wieder auf die Strasse, um für mehr Brandschutz zu demonstrieren.

Auch forderten sie die Festnahme des Fabrikbesitzers und die Auszahlung von drei Monatslöhnen. Sie blockierten Strassen, bewarfen Autos mit Ziegelsteinen und gerieten mit der Polizei aneinander, die die Menge zerstreuen wollte. Die Fabriken im Industriegebiet Ashulia blieben erneut geschlossen.

Weiterer Brand in einer Textilfabrik

Unterdessen ereignete sich am Mittwoch in Bangladesch ein weiterer Brand in einer Textilfabrik. Mindestens 50 Menschen wurden verletzt, als sie nach dem Ausbruch eines Feuers in der Fabrik Section Seven Limited in der Stadt Chittagong in Panik gerieten und zum Ausgang stürmten.

Das Feuer sei im vierten Stock des fünfstöckigen Gebäudes wegen eines Kurzschlusses ausgebrochen, sagte ein Sprecher der Feuerwehr. Die Feuerwehr konnte den Brand schnell unter Kontrolle bringen.

Bangladesch ist der zweitgrösste Textilexporteur der Welt, in der Textilindustrie des Landes arbeiten rund drei Millionen Menschen. Nach einem Bericht der in den Niederlanden ansässigen Menschenrechtsorganisation Clean Clothes Campaign starben dort seit 2006 rund 700 Menschen bei Bränden in Textilfabriken.

Detailhändler geben sich ahnungslos

Aktivisten werfen westlichen Auftraggebern vor, sich nicht ernsthaft für sichere Arbeitsbedingungen in ihren Subunternehmen in Billiglohnländern einzusetzen. Manche Arbeiter in Bangladesch verdienen umgerechnet deutlich weniger als 40 Franken im Monat.

Die von dem Brand betroffene Firma Tazreen Fashions beliefert unter anderem die Textilkette C&A. Im Fokus sind auch die US-Detailhändler Sears und Wal-Mart.

Sears gab an, in der Katastrophen-Fabrik sollten eigentlich keine eigenen Marken produziert werden. Das Unternehmen prüfe aber Berichte, wonach Sears-Kleidung in den verkohlten Trümmern gefunden wurde. Wal-Mart teilte mit, ein Zulieferer habe ohne Genehmigung in der Fabrik fertigen lassen. Die Kooperation sei beendet worden.

(sda)