Tote in Südafrika

17. August 2012 09:29; Akt: 17.08.2012 23:04 Print

Polizei erschiesst 30 Minenarbeiter

Bei Johannesburg kam es zu einem tödlichen Zusammenstoss zwischen der Polizei und streikenden Mineuren. Polizisten 34 Arbeiter erschossen.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Nach den Ausschreitungen vor einer südafrikanischen Platinmine hat Präsident Jacob Zuma eine Untersuchung zu den Umständen des Todes von 34 Arbeitern angekündigt. «Es ist klar, dass etwas Ernstes hinter diesen Ereignissen steht», sagte Zuma am Freitag bei einem Besuch der Mine.

Neben den 34 Todesopfern waren bei den Zusammenstössen mit der Polizei 78 Menschen verletzt worden.

Zuma kehrte frühzeitig von einem Besuch in Mosambik zurück, als das Ausmass des Blutvergiessens in der Grube von Marikana klar wurde. «Wir müssen die Wahrheit herausfinden», sagte Zuma zu den gewaltsamen Ausschreitungen, die er «schockierend» nannte. Zumas Reaktion auf den Vorfall könnte für ihn entscheidend für die erneute Bewerbung als Parteichef des regierenden ANC werden.

Polizeisprecher Dennis Adriao hatte zuvor gesagt, die Polizei habe in «legitimer Selbstverteidigung» gehandelt, als sie das Feuer auf eine Gruppe von Arbeitern eröffnete, die sie mit Schusswaffen und anderen Waffen angegriffen hätten.

Die Arbeiter des Bergwerks nahe der nordwestlichen Stadt Rustenberg hätten ein Ultimatum des Bergwerkbetreibers, der ihnen im Falle der Fortsetzung des Streiks mit Entlassung drohte, zurückgewiesen und sich geweigert auseinanderzugehen, sagte Adriao.

Als die mit Macheten und Knüppel bewaffneten Arbeiter die Aufforderung ignorierten, setzte die Polizei zunächst Wasserwerfer, Blendgranaten und Tränengas ein. Wenig später stürmte eine Gruppe auf die Polizisten zu, worauf die Beamten umgehend das Feuer eröffneten.

«Marikana Massaker»

In einem Bericht des privaten Fernsehsenders e.tv waren Dutzende Schüsse aus automatischen Waffen zu hören, bis ein Beamter rief: «Feuer einstellen.» Auf den Aufnahmen waren mehrere blutüberströmte, regungslose Körper zu sehen. Örtliche Medien sprachen am Freitag vom «Marikana Massaker».

Ein Polizeisprecher sagte, die Arbeiter hätten ebenfalls auf die Beamten geschossen. «Wir waren in einer Situation, in der bis zu den Zähnen bewaffnete Leute andere angegriffen und getötet haben - sogar Polizisten», erklärte er. «Was soll die Polizei in einer solchen Lage tun, wenn sie sich bewaffneten Kriminellen gegenüber sieht, die Polizisten ermorden?»

Seit dem 10. August streiken rund 3000 Arbeiter der Mine Marikana, 70 Kilometer nordwestlich von Johannesburg. Minenbetreiber Lonmin, der weltweit drittgrösste Platinproduzent, stuft den Streik als illegal ein.

Neue Gewerkschaft

Die streikenden Arbeiter gehören einer neuen Gewerkschaft an, die gegen die Dominanz der mächtigen National Union of Mineworkers opponiert, die eng mit dem regierenden Afrikanischen Nationalkongress (ANC) verbündet ist. Bereits vor dem tödlichen Einsatz am Donnerstag waren bei Kämpfen zwischen den verfeindeten Arbeiterorganisationen zehn Menschen, darunter zwei Polizisten zu Tode gekommen.

In Südafrika befinden sich etwa 80 Prozent der weltweit bekannten Platinreserven. Das Edelmetall wird unter anderem zur Herstellung von Katalysatoren, Laborgeräten und Schmuck verwendet. Der in London ansässige Lonmin-Konzern stellte in seinen Platinwerken die Produktion ein.

(sda)