TNT-Spuren entdeckt

30. Oktober 2012 14:35; Akt: 30.10.2012 16:57 Print

Starb Lech Kaczynski durch einen Anschlag?

In der Maschine, in welcher der polnische Präsident ums Leben kam, sind offenbar Sprengstoff-Spuren entdeckt worden. 96 Menschen starben 2010 im Wrack im russischen Smolensk.

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Polnische Ermittler haben einem Medienbericht zufolge Spuren von Sprengstoff im Wrack des Flugzeuges gefunden, mit dem der damalige Präsident Lech Kaczynski 2010 in Russland tödlich verunglückt war. Die polnische Militärstaatsanwaltschaft widersprach.

Die Experten hätten an bis zu 30 Sitzen sowie an den Tragflächen und an der Absturzstelle bei Smolensk Spuren von TNT und Nitroglycerin entdeckt, schrieb die polnische Tageszeitung «Rzeczpospolita» in ihrer Dienstagsausgabe.

Der Zeitungsbericht bezog sich auf neue Untersuchungen der Wrackteile durch polnische Experten und durch die Staatsanwaltschaft. Direkt nach dem Absturz hatten polnische und russische Ermittler erklärt, das Unglück sei nicht durch Sprengstoff verursacht worden. Beim Absturz im russischen Smolensk waren am 10. April 2010 ausser Kaczynski und dessen Frau mehr als 90 Vertreter der politischen und militärischen Elite Polens ums Leben gekommen.

Militärstaatsanwaltschaft dementiert

In dem Zeitungsbericht wurde es als möglich bezeichnet, dass die Spuren von TNT und Nitroglyzerin auf Überreste von Sprengstoff aus dem Zweiten Weltkrieg zurückzuführen seien, die in der Umgebung von Smolensk zurückblieben. Der polnische Regierungssprecher Pawel Gras sagte, die Regierung warte auf eine Erklärung der Staatsanwaltschaft, bevor sie sich zu dem Bericht äussern werde.

Die Militärstaatsanwaltschaft wies den Bericht zurück. «Es entspricht nicht der Wahrheit, dass Spuren von TNT oder Nitroglyzerin gefunden wurden, weder innerhalb noch ausserhalb des Wracks», sagte Sprecher Ireneusz Szelag. Am Absturzort genommene Proben, die für Sprengstoff «charakteristische» Merkmale hätten, könnten auch etwa von Kosmetika stammen und würden noch untersucht. Der Bericht enthalte eine Reihe von falschen oder zumindest ungenauen Behauptungen, sagte Szelag.

Nahrung für Verschwörungstheorien

Der Medienbericht dürfte dennoch Spekulationen neue Nahrung geben, die Flugzeugkatastrophe sei auf einen Anschlag zurückzuführen. Verschwörungstheorien waren bereits kurz nach dem Absturz aufgekommen.

Eine polnische Untersuchungskommission hatte im Sommer 2011 zwar die mangelnde Ausbildung der Besatzung für den Absturz in dichtem Nebel verantwortlich gemacht. Viele Polen sind von dieser Version allerdings nicht überzeugt. Auch Kaczynskis Zwillingsbruder Jaroslaw, der an der Spitze der nationalkonservative Opposition steht, vermutet hinter dem Absturz ein Attentat auf den Präsidenten.

(sda)