Anschlag in London

10. Juni 2017 03:29; Akt: 10.06.2017 07:21 Print

Attentäter planten Anschlag mit 7,5-Tonner

Die drei Angreifer von London töteten laut Scotland Yard drei Menschen mit dem Lieferwagen und fünf mit Messern. Ausserdem hatten sie einen Plan B.

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Die Metropolitan Police London veröffentlicht Fotos: Der beim Attentat verwendete Lieferwagen. Die Attentäter hatten offenbar einen Plan B: Im Lieferwagen wurden 13 Weinflaschen mit brennbarer Flüssigkeit gefunden. Ein Messer der Attentäter. Dieses Bild zeigt das Innere des Lieferwagens. Die Metropolitan Police London veröffentlicht auch ein Foto mit Gegenständen neben dem Fahrzeug. Weitere Festnahmen in Ilford: Die Polizei bei einer Operation in Londons Osten. (6. Juni 2017) Blumen für die Opfer: Ein Polizeiboot patrouilliert nahe dem Anschlagsort auf der Londoner Themse, in der das achte Opfer gefunden wurde. (4. Juni 2017) Die muslimische Gemeinde verurteilt den Anschlag: An der Gedenkfeier legen Menschen nahe der London Bridge Blumen für die Opfer hin. (5. Juni 2017). Trauer in der britischen Hauptstadt: Ein Mann, auf dessen Pulli die Flagge Grossbritanniens gedruckt ist, legt Blumen nieder in der Nähe des Borough Market, wo die Attentäter ihren Wagen verlassen und Menschen mit Messern angegriffen hatten. (5. Juni 2017) Fussgänger gehen an Blumen vorbei, die bei der London Bridge niedergelegt wurden. (6. Juni 2017) Vor der Fussgängerpassage auf der London Bridge wurden neu Beton-Hindernisse angebracht. (6. Juni 2017) Zwei der drei Attentäter identifiziert: Die Polizei veröffentlicht Namen und Fotos. (Bild: Twitter/Metropolitan Police) Neue Razzien und Festnahmen: Polizisten vor einem Areal im Londoner Stadtteil Barking. (5. Juni 2017) Anti-Terror-Einheiten in Londons Zentrum im Einsatz. (4. Juni 2017) Die Polizei sperrt ein Areal in Newham ab. (4. Juni 2017) Geht unbeirrt seinen Weg: Sadiq Khan versucht, Bevölkerung und Touristen zu beruhigen. (Archiv) Tatwaffe: Mit diesem weissen Kleinstransporter sind die Angreifer in die Menschenmassen gefahren. (3. Juni 2017) Lob für die Beamten: Die Polizei hat offenbar nicht nur schnell, sondern auch mutig gehandelt. (4. Juni 2017) Schnelles Eingreifen: Sanitäter kümmern sich um eines der Opfer von London. (3. Juni 2017) Nach dem Anschlag in London sind im Osten der britischen Hauptstadt zwölf Verdächtige festgenommen worden: Eine der Festnahmen. (4. Juni 2017) Die Razzien im Viertel Barking dauerten an, teilte die Polizei am Sonntag mit: Eine Frau wird in Handschellen abgeführt. (4. Juni 2017) Nach Angaben der Polizei wurden im Stadtteil Barking Razzien an mehreren Orten durchgeführt. Die Festnahmen seien am Sonntagmorgen in Barking durch Antiterror-Beamte erfolgt, teilte die Polizei mit. (4. Juni 2017) «Aus der Ferne waren auf der Brücke Forensiker bei der Arbeit zu sehen», schreibt unser Reporter vor Ort zu dieser Aufnahme: Das Foto von der U-Bahn-Station Monument aus auf die London Bridge. (4. Juni 2017) Bild: Tamedia An der Shopping-Meile Oxford Road und Regent Street sei es am Morgen nach dem Anschlag «ausserordentlich ruhig», sagt unser Reporter: Das Foto zeigt einen Eingang der U-Bahn-Station Oxford Circus an der Ecke Oxford Road/Regent Street. (4. Juni 2017) Bild: Tamedia An ihrem Benefizkonzert am heutigen Sonntagabend in Manchester wird nach dem Anschlag in London das Sicherheitsdispositiv erhöht: Ariana Grande bei einem Auftritt in New York. (Symbolbild) «Genug ist genug»: Die britische Premierministerin Theresa May ist nach einer Sitzung ihres Krisenkabinetts in London vor die Medien getreten. (4. Juni 2017) Mindestens sieben Menschen wurden beim Anschlag getötet, um die 50 Personen wurden verletzt. (4. April 2017) Der Sprengstoffgürtel um seinen Oberkörper entpuppte sich als Attrappe: Einer der Täter am Boden. (Gabriele Sciotto via AP) «Es ist leider bestätigt worden, dass sieben Bürger gestorben sind», sagte Londons Polizeichefin Cressida Dick am Sonntagmorgen: Die Polizeipräsenz im Zentrum Londons. Die Polizeipräsenz in London wurde erhöht. Die Spurensicherung bei der Arbeit. Die Polizei sprach zunächst von zwei «Terrorvorfällen» - auf der London Bridge und am Borough Market: Ein Helikopter landet auf der London Bridge. (3. Juni 2017) Mindestens sechs Menschen sind ums Leben gekommen. Die drei Angreifer wurden getötet, wie die Polizei am frühen Sonntagmorgen bekannt gab. Im Zuge des Anschlags wurde auch ein Hotel evakuiert. Verletzte werden auf der Strasse medizinisch versorgt. Die Rede ist von mindestens 20 Verletzten. Die London Bridge ist geräumt worden. Menschen rennen durch ... ... die Borough High Street. Während auf der London Bridge offenbar ein Lieferwagen in eine Menschengruppe gerast ist, sind am Borough Market Messerstiche und Schüsse gemeldet worden. Verletzte werden in sechs Spitäler geliefert. Polizeiautos blockieren die London Bridge. Die Polizei ist an mehreren Orten im Grosseinsatz. Die Polizei sprach am Anfang von einem «grösseren Vorfall».

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Knapp eine Woche nach dem Anschlag von London hat die britische Polizei weitere Ermittlungsergebnisse bekanntgegeben. Ursprünglich wollten die drei Männer ihre Tat offenbar mit einem Lastwagen verüben, wie Scotland Yard am Freitag mitteilte.

Nach der missglückten Internetbuchung des 7,5-Tonners am Morgen des 3. Juni mieteten die drei Attentäter einen kleineren Transporter an – diesmal per Handy. Mit diesem fuhren sie dann am Abend mehrmals über die London Bridge, machten schliesslich noch einmal an ihrem Ende kehrt und fuhren zurück auf die Brücke. Dort raste der Transporter dann auf den Gehweg, rammte mehrere Passanten und verletzte drei von ihnen tödlich.

Anschliessend rannten die mit 30 Zentimeter langen Keramikmessern bewaffneten Männer zum Borough Market und erstachen dort nach dem Zufallsprinzip fünf Menschen. Wenige Minuten später wurden sie von Polizisten erschossen.

Wäre ihr eigentlicher Plan eines Lastwagen-Anschlags aufgegangen, «hätten die Folgen noch schlimmer sein können», sagte der Chef-Ermittler der Anti-Terror-Abteilung von Scotland Yard, Dean Haydon. Die bislang detaillierteste Schilderung der Polizei zum Anschlag beantwortet einige offene Fragen. So war zum Beispiel lange unklar, wieviele der Opfer mit dem Lieferwagen und wieviele durch Messerstiche getötet wurden.

Umzug vorgetäuscht?

Im Laderaum des Lieferwagens wurden den Ermittlern zufolge zwei Lötlampen und 13 mit einer wohl brennbaren Flüssigkeit gefüllte Flaschen gefunden, bei denen es sich dem Anschein nach um Molotow-Cocktails handelte. Unklar ist, was genau die Attentäter mit den mutmasslichen Brandbomben vorhatten.

Ausserdem wurden im Transporter Bürostühle und andere Dinge gefunden, die den Familien der Täter nach Vermutung der Polizei vorgaukeln sollten, dass der Lieferwagen für einen harmlosen Umzug genutzt wurde.

Das besondere Augenmerk der Ermittler gilt den drei pinken Keramikmessern samt ihren mit Klebeband umwickelten Griffen, die bei der Attacke eingesetzt wurden. Haydon, richtete einen öffentlichen Appell an mögliche Zeugen: «Wir arbeiten rund um die Uhr um zu verstehen, was diese Männer vor dem Anschlag getan haben, aber wir müssen mehr über diese ungewöhnlichen Messer erfahren.» Wo die Waffen herkommen und wo sie verkauft wurden, könne zu einer heissen Spur führen.

262 Einvernahmen

Im Nachgang des Anschlags wurden laut Scotland Yard bislang 262 Menschen aus 19 Ländern vernommen. Es habe 20 Festnahmen gegeben, die bislang letzte erst am heute Morgen. Sieben Verdächtige seien immer noch in Gewahrsam.

Zwölf Gebäude in den Stadtteilen Barking und Ilford seien bislang durchsucht worden, hiess es weiter. An einer der Adressen habe einer der Attentäter im April eine Wohnung angemietet, die von den Tätern offensichtlich als Unterschlupf genutzt worden sei. In der Wohnung fanden die Ermittler nach eigenen Angaben einen aufgeschlagenen Koran – auf der offenen Seite ging es demnach um den «Märtyrertod».

In den vergangenen Monaten waren in Europa mehrere Anschläge mit Lastwagen verübt worden. Im Juli raste ein Attentäter im französische Nizza in eine Menschenmenge und auch beim Anschlag auf den Weihnachtsmarkt an der Berliner Gedächtniskirche im Dezember nutzte der Täter einen Lastwagen als tödliche Waffe.

(chk/sda)