«Sorge» um Rohingya

08. November 2012 11:48; Akt: 08.11.2012 11:57 Print

Suu Kyi fordert Ende der Gewalt im Westen Burmas

Das Flüchtlingsdrama in Burma fordert immer mehr Todesopfer. Die Oppositionsführerin Aung San Suu Kyi fordert deshalb von den Betroffenen die Einhaltung der Menschenrechte.

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Die Gefechte zwischen Buddhisten und der muslimischen Minderheit haben in den letzten Tagen fast 6000 weitere Menschen vertrieben. In den vergangenen Tagen wurden im Bundesstaat Rakhine bei gewaltsamen Zusammenstössen zwischen Buddhisten und Muslimen nach jüngsten Behördenangaben mindestens 67 Menschen getötet. Fast 3000 Häuser wurden angezündet. Zunächst hatte die Regierung von 112 Todesopfern gesprochen. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) legte am Samstag Satellitenbilder vor, die die verheerenden Folgen der Gewalt zeigen. Zu sehen sind dort nach Angaben von HRW die Zerstörungen in einer vorwiegend von Rohingya bewohnten Armensiedlung an der Küste. Dort seien 633 Häuser und 178 Hausboote und Kähne zerstört worden. Die Bevölkerung in Burma ist zu 89 Prozent buddhistisch. Nur rund vier Prozent der Bevölkerung sind muslimischen Glaubens. Die 800'000 Muslime in Rakhine gehören zur Volksgruppe der Rohingya, die als illegale Einwanderer aus dem benachbarten Bangladesch angesehen werden. Sie sind staatenlos und in ihren Rechten erheblich eingeschränkt. Die UNO sieht die Rohingya als eine der am stärksten verfolgten Minderheiten der Welt an. Am Freitag warnten die Vereinten Nationen, dass der ethnische Konflikt einen Rückschlag für die weltweit gelobten Reformbemühungen Burmas bedeuten könnte. In einem Spital von Sittwe wurden zudem 27 Buddhisten behandelt, die meisten von ihnen wegen Schussverletzungen. Einige Männer berichteten, die Armee habe auf sie gefeuert, um sie am Zugang zu Dörfern der Rohingya zu hindern.

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Die burmesische Oppositionsführerin Aung San Suu Kyi hat zu einem Ende der Gewalt zwischen Buddhisten und Muslimen im Westen Burmas aufgerufen. Sie forderte die Regierung am Donnerstag in einer Erklärung auf, mehr Soldaten in den Bundesstaat Rakhine zu schicken, um die Konfliktparteien zu trennen.

Seit Juni waren mehr als hunderttausend Menschen vor den gewaltsamen Auseinandersetzungen im Westen des Landes geflohen. Mindestens 180 Menschen wurden bei den Auseinandersetzungen getötet.

«Jeder ist für die Achtung der Menschenrechte verantwortlich, ohne Unterschied zwischen Mehrheit und Minderheit, Volkszugehörigkeit und Religion», hiess es in der gemeinsamen Erklärung von Suu Kyi und Abgeordneten ethnischer Minderheiten im Parlament. Suu Kyi ist die Vorsitzende des Ausschusses für Rechtsstaatlichkeit und Stabilität.

Die Erklärung erwähnt zwar die muslimische Minderheit der Rohingya nicht ausdrücklich, bringt aber die «Sorge» über die Lage in Rakhine zum Ausdruck, wo die meisten Rohingya in Burma leben.

50 Flüchtlinge vermisst

Etwa 800 000 Rohingya leben in Burma, sie sind staatenlos und in ihren Rechten erheblich eingeschränkt. Nach UNO-Einschätzung sind sie eine der meistverfolgten Minderheiten weltweit. Viele der Flüchtlinge fliehen über das Meer nach Bangladesch und Malaysia.

Rettungskräfte aus Bangladesch setzten am Donnerstag die Suche nach 50 Vermissten fort, die auf dem Weg nach Malaysia waren. Ihr mit 110 Menschen besetztes Boot war am Mittwoch gesunken. Nur 60 Schiffbrüchige konnten nach Angaben der Küstenwache bislang gerettet werden.

(sda)