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29. Juni 2010 14:09; Akt: 29.06.2010 14:26 Print

Russische Spione im Westen hochaktiv

Das Ende des Kalten Krieges hat nicht das Aus für Moskauer Spione im Westen bedeutet. Im Vordergrund steht heute die Wirtschafts-Spionage.

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Auch nach 1990 blieb der russische Geheimdienst (im Hintergrund das KGB-Gebäude in Moskau) aktiv. (Bild: AFP)

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Der jetzt in den USA enttarnte Agentenring setzt eine Reihe früherer Fälle fort. Auch die Schweiz war betroffen.

Hier die spektakulärsten Spionagefälle seit 1989:

Im April 2009 beschuldigte die NATO zwei russische Diplomaten der Spionage und wies sie aus dem Bündnis-Hauptquartier in Brüssel aus. Die Verdächtigen arbeiteten für die dortige russische NATO- Botschaft. Moskau sprach von einer «groben Provokation».

Im November 2006 wurde in London der ehemalige russische Spion und spätere Putin-Kritiker Alexander Litwinenko mit Polonium vergiftet - nach einem Treffen mit ehemaligen KGB-Spionen. Die Hintergründe wurden nie geklärt.

Schweden verwies im November 2002 zwei russische Diplomaten wegen angeblicher Industriespionage des Landes. Die beiden sollen den Telekommunikationskonzern Ericsson ausgeforscht haben, der auch Radar und Raketentechnik für Kampfflugzeuge herstellt.

Im März 2001 wies Washington 50 mutmassliche russische Spione mit Diplomatenstatus aus. Begründet wurde das mit der Enttarnung des Moskauer FBI-Spions Robert Hanssen. Amerikanische Medien schätzten die Zahl russischer Agenten in den USA in den Jahren nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion auf 200 bis 400.

1998: Schweiz weist russischen Diplomaten aus.

1998 wurde ein bei der UNO in Genf akkreditierter russischer Diplomat von der Bundespolizei als Spion enttarnt. Mit Hilfe eines slowakischen Diplomaten soll er sich über Pläne der Slowakei im Rahmen der Nato-Osterweiterung informiert haben. Er wurde aus der Schweiz ausgewiesen.

1997 erhielt der FBI-Beamte Earl Edwin Pitts in den USA wegen Spionage für Moskau eine Haftstrafe von 27 Jahren. Im gleichen Jahr wurde der CIA-Angehörige Harold Nicholson wegen Agententätigkeit für Russland zu 23 Jahren verurteilt. Der CIA-Agent Aldrich Ames verriet bis zu seiner Festnahme 1994 innerhalb von neun Jahren mehr als 100 Geheimdienstaktionen an Moskau; er musste mit lebenslanger Haft büssen.

Im Mai 1996 verfügten nach Spionagevorwürfen zunächst Moskau und dann London die Ausweisung von je vier Diplomaten der Gegenseite. Bereits 1989 mussten elf Sowjetbürger wegen «unumstösslicher» Beweise für Agententätigkeit Grossbritannien verlassen. Moskau reagierte mit der Ausweisung von elf Briten.

Nach Angaben von Geheimdienst-Experten trat nach der Wende 1989/ 90 der russische Nachrichtendienst die direkte Nachfolge des aufgelösten sowjetischen Vorgängers KGB an und übernahm rund 80 Prozent der Mitarbeiter. Ihr Hauptinteresse galt weniger militärischen Geheimnissen als der Wirtschaft und der Forschung in westlichen Ländern.

(sda)