Atommüll-Proteste

08. November 2010 06:06; Akt: 08.11.2010 14:22 Print

1000 Castor-Gegner in Lager gesteckt1000 Castor-Gegner in Lager gesteckt

In der Nacht hat die deutsche Polizei rund 3000 Castor-Gegner weggetragen, die den Atommüll-Transport gestoppt hatten. Hunderte Menschen hält sie in einem improvisierten Lager fest.

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Nach einer 91-stündigen Odyssee erreichten die Castor-Transporter das Zwischenlager in Gorleben. Poilzisten mussten zuvor einbetonierte Demonstranten aus dem Weg räumen. Auch in Dannenberg müssen die Polizisten Demonstranten einzeln wegtragen (9. November 2010) Ein Container von Greenpeace als Teil der Strassenblockade in Dannenberg. Aktivisten blockieren die Strasse. Sie haben sich an einen Betonblock gekettet. Das Feuer wärmt nicht nur, es verbreitet auch die Anti-Atom-Botschaft der Demonstranten. Die Polizei hielt am 8. November rund 1000 Demonstranten auf einem Feld bei Harlingen fest - bis der Zug mit dem Atommüll sicher vorbeigefahren war. Die Polizei hat rund 3000 Castor-Gegner von den Gleisen getragen (8. November 2010). Bei grosser Kälte hatten sie die Strecke für den Atommüll-Transport blockiert. Ausschreitungen zwischen Atomkraftgegnern und der Polizei in Leitstade in der Nähe von Dannenberg (7. November 2010). Die Demonstranten versuchen die Gleise zu stürmen und den Castor-Transport zu stoppen. Aktivisten errichten eine Strassenblockade in der Nähe von Hitzacker in Norddeutschland. In Leitstade legt ein Atomkraftgegner einen Feuerwerkskörper unter ein Räumfahrzeug der Polizei. Die Polizei geht laut Augenzeugenberichten hart gegen die Demonstranten vor. Die Polizei sichert am Sonntag ein Teilstück der Gleise in Leitstade in der Nähe von Dannenberg. Ein Aktivist platziert in Metzingen nahe Gorleben eine Leuchtfackel unter dem Polizeifahrzeug. Zwei Atomkraftgegner hängen am Sonntag bei Morschen aus Protest gegen den Atom-Müll-Transport über der Transportroute für den Castor-Zug ein Transparent auf. Greenpeace veröffentlichte derweil ein Foto einer Wärmebildkamera. Laut der Umweltorganisation zeigt das Bild in der Bildmitte eine erhöhte Temperatur am Rad einer Achse zwischen dem sechsten und siebten Castor-Waggon. Französische Polizisten halten am Samstag in Lauterburg (französisch Lauterbourg) in Frankreich, nahe der deutschen Grenze, Greenpeace-Aktivisten fest. Proteste in Splietau bei Dannenberg. In Berg, bei der deutsch-französischen Grenze, blockieren Atom-Gegner die Geleise. Greenpeace-Aktivisten müssen von der Polizei mit Gewalt weggescahfft werden. Der Atom-Müll-Transport wird streng bewacht. Er rollt weiter in Richtung Deutschland. Der Protest reisst indes nicht ab.

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Nach der Räumung der Castor-Sitzblockade auf den Schienen beim norddeutschen Harlingen am Montagmorgen hat die Polizei etwa 1000 Demonstranten in Gewahrsam genommen. Die Atomkraftgegner befinden sich laut Polizei in einer Gefangenensammelstelle auf einem Feld bei Harlingen und würden zurzeit mit Essen und Getränken versorgt. Nach Einschätzung von Beobachtern sollen sie solange festgehalten werden, bis der Castor-Zug an Harlingen vorbeigefahren ist.

Der mit 123 Tonnen hochradioaktivem Atommüll beladene Zug - er war am Freitag im französischen La Hague gestartet mit dem Ziel Gorleben - hatte am Montagmorgen gegen 8.20 Uhr seine Fahrt von Dahlenburg Richtung Dannenberg fortgesetzt, nachdem er die Nacht über in Dahlenburg gestanden hatte

Im etwa 25 Kilometer entfernten Dannenberg müssen die elf Behälter auf Strassen-Schwertrasporter umgeladen werden. Die Strassenstrecke nach Gorleben war am Montagmorgen nach wie vor von 1600 Menschen blockiert.

Friedliche Räumung

Die Räumung der Schienenblockade von etwa 3000 Castorgegnern im Wendland ist in der Nacht zum Montag weitgehend friedlich verlaufen. Die Aktion bei Harlingen nahe Hitzacker gehe schleppend, aber «absolut friedlich» voran, sagte ein Sprecher der Einsatzleitung der Polizei in Lüneburg der Nachrichtenagentur dapd. Die Bürgerinitiative «X-tausendmal quer» sprach von einem «verhältnismässig friedlichen» Vorgehen der Polizei. Allerdings seien die erschöpften Beamten im Verlauf des Einsatzes rabiater geworden. Die Polizei begann die Räumung gegen 1.40 Uhr mit einem starken Aufgebot. Kurz vor 7 Uhr seien die letzten Castor-Gegner weggetragen worden.

Kirche vermittelt

Nach Angaben der Polizei wurde bei der Räumung eine junge Frau verletzt. Sie habe sich beim Wegtragen gewehrt und sei dabei aus dem Haltegriff der Polizisten mit dem Kopf auf die Erde gefallen, sagte der Sprecher der Einsatzleitung. Sie sei von Ärzten versorgt worden. Vonseiten der Castorgegner wurde dies zunächst nicht bestätigt.

Polizei und Castorgegner führten den weitgehend friedlichen Verlauf zurück auf ein sogenanntes Kooperationsgespräch unter Vermittlung von Kirchenvertretern. Nach Angaben von Wolfgang Ehmke, Sprecher der Bürgerinitiative (BI) Lüchow-Dannenberg, sollte mit einem solchen Runden Tisch ein «exzessiver Einsatz von Polizeigewalt» vermieden werden.

Lehren aus Eskalation vom Sonntag gezogen

Im Verlauf des Sonntags war es vor der schwierigsten Etappe des Castor-Transports ins niedersächsische Atommülllager Gorleben zu massiven Ausschreitungen gekommen. Die Polizei ging teils mit berittenen Beamten sowie Schlagstöcken, Wasserwerfern und Reizgas gegen zeitweise mehrere tausend Demonstranten vor, die immer wieder versuchten, die Bahnstrecke von Lüneburg zum Verladebahnhof in Dannenberg zu besetzen und den Schotter aus dem Gleisbett zu räumen. Einige Demonstranten warfen Feuerwerkskörper, Stöcke und Erdklumpen auf die Polizei und setzten einen Polizei-Räumpanzer in Brand.


(dapd)