Anschläge in Paris

16. November 2015 09:54; Akt: 16.11.2015 15:07 Print

Das ist der Drahtzieher

Abdelhamid Abaaoud ist der mutmassliche Drahtzieher der Terroranschläge in Paris. Der 27-Jährige gilt als einer der brutalsten IS-Henker.

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In seiner Kindheit galt Abdelhamid Abaaoud als unbekümmerter Junge. Und er ging auf eine der geachtetsten Schulen in Brüssel, das Collège Saint-Pierre d'Uccle. Doch inzwischen ist Abaaoud der berüchtigtste Dschihadist Belgiens - ein Fanatiker des islamistischen Terrors, der sogar seinen 13-jährigen Bruder für den Krieg in Syrien rekrutiert haben soll.

Dieser Mann, berichteten französische Ermittler am Montag, soll der Drahtzieher hinter den verheerenden Terroranschlägen am Freitagabend mit 132 Toten in Paris sein. Und nicht nur das. Er soll nach Informationen der Nachrichtenagentur AP auch hinter zwei anderen Terrorplänen stecken, deren Ausführung dieses Jahr in Frankreich vereitelt wurde: die im April gescheiterten Anschläge auf christliche Kirchen nahe Paris und die im August von Passagieren gestoppte Attacke eines schwer bewaffneten Extremisten im Hochgeschwindigkeitszug TGV nach Paris.

Die französischen Behörden untersuchen die Verbindungen zwischen Abaaoud und den Terroristen aus Paris. Sie glauben, er habe eine wichtige Rolle bei der Planung von Anschlägen in Europa gespielt. Laut belgischen Ermittlern handelt es sich bei den Berichten, wonach der Belgier der Kopf der Attacken in Paris sei, um bisher unbestätigte Gerüchte.

Im Problemviertel Molenbeek aufgewachsen

Abaaoud wuchs als Sohn marokkanischer Einwanderer im Brüsseler Viertel Molenbeek-Saint-Jean auf, das inzwischen als Islamistenhochburg gilt. Inzwischen ist der Verdächtige Ende 20. In einem 2014 veröffentlichten Video sagte er: «Mein ganzes Leben habe ich das Blut von Muslimen fliessen sehen. Ich bete, dass Allah jenen das Genick bricht, die Ihn ablehnen (...) und dass Er sie ausrotten wird.»

Schon zu Jahresbeginn geriet der Dschihadist ins Visier der belgischen Ermittler. Sie verdächtigten Abaaoud, die Terrorzelle in der Stadt Verviers mit organisiert und finanziert zu haben, die am 15. Januar bei einer Razzia ausgehoben wurde. Zwei seiner mutmasslichen Komplizen wurden damals getötet.

Flucht nach Syrien gelungen

Im Februar tauchten Zitate Abaaouds im englischsprachigen Magazin «Dabik» der Terrormiliz Islamischer Staat auf. Darin behauptete er, er sei unentdeckt nach Belgien zurückgekehrt, um die Terrorzelle zu führen. Nach der Razzia sei ihm die Flucht nach Syrien gelungen - obwohl sein Foto überall in den Nachrichten verbreitet wurde.

«Ich wurde sogar von einem Beamten angehalten, der mich betrachtete, als wollte er mich mit dem Bild vergleichen», prahlte Abaaoud in der Propagandazeitschrift. «Aber er liess mich gehen, weil er keine Ähnlichkeit erkennen konnte.»

(woz/nab)