Taliban wüten in Pakistan

16. Oktober 2009 13:37; Akt: 16.10.2009 13:39 Print

150 Tote in zwei Wochen - wo bleibt Regierung?150 Tote in zwei Wochen - wo bleibt Regierung?

von Munir Ahmad/AP - Die anhaltende Serie von Anschlägen in Pakistan bestärkt Befürchtungen, dass die Taliban vom Grenzgebiet im Nordwesten weit ins Landesinnere vorgedrungen sind und sich dort mit regionalen Gruppen verbinden. Ein solcher Brückenschlag zu Extremisten im Punjab würde die Regierung der Atommacht noch stärker in Bedrängnis bringen.

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Angesichts von über 150 Toten in zwei Wochen fragen sich viele in Pakistan, ob die Regierung noch Herrin der Lage ist. Zweck der Terrorwelle ist es offensichtlich, die erwartete Bodenoffensive der Streitkräfte in Süd-Waziristan zu vereiteln, der Taliban-Hochburg an der Grenze zu Afghanistan. Ein Zeitrahmen dafür wird bislang nicht genannt. Das Heer soll bereits zwei Divisionen mit 28
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Soldaten in Marsch gesetzt und die Gegend abgeriegelt haben. Da der Winter naht, müsste die Offensive bald beginnen, wenn sie erfolgreich sein soll.

«Gut koordinierte Aktion» in Lahore

Am Donnerstag hatten Bewaffnete drei Justizeinrichtungen in der ostpakistanischen Grossstadt Lahore angegriffen, der Hauptstadt der bevölkerungsreichsten Provinz Punjab. Die neun Angreifer töteten 19 Menschen, ehe sie selbst ums Leben kamen. «Das war eine gut koordinierte Aktion der Taliban mit Unterstützung einheimischer Gruppen», sagte der Chef der Anti-Terror-Einheit der Polizei in Lahore, Umer Virk, der Nachrichtenagentur AP.

Nach Einschätzung von Beobachtern haben vor allem im Süden Punjabs Extremisten Fuss gefasst. Der Justizminister der Provinz, Rana Sanaullah, spielt die Gefahr jedoch herunter. «Die Taliban haben im Süden von Punjab nichts zu sagen, und es ist nicht nötig, gegen sie vorzugehen.» Zugleich verteidigte er das Vorgehen der Sicherheitskräfte bei den Anschlägen und erklärte, die vorab eingegangenen Hinweise seien zu vage gewesen.

Zweifel am Staat

Die Täter gingen in Lahore ähnlich vor wie bei früheren Anschlägen, die den Taliban aus Waziristan und verbündeten Kämpfern aus Punjab zugeschrieben wurden: Es wird in Gruppen angegriffen, deren Mitglieder mit Waffen und Sprengstoffwesten ausgerüstet sind. Nach Angaben der Regierung werden die Attacken häufig in der Grenzregion zu Afghanistan geplant und das Personal dafür in Punjab rekrutiert. Als sich die Taliban kürzlich zu einem Anschlag bekannten, erklärten sie, der Angriff sei von einer ihrer Zellen in Punjab ausgeführt wurden.

Totales Chaos

Die pakistanische Bevölkerung hat Umfragen zufolge immer weniger Verständnis für die Extremisten. Die Anschläge wecken zunehmend Zorn und ein Gefühl der Hilflosigkeit. «Die Terroristen scheinen ihre Sache ernster zu nehmen als die Regierung ihre Bekämpfung», ärgert sich die Bankangestellte Saima Ahmed aus Karachi. «Unsere alten Schwächen, Korruption und die Unfähigkeit, das Land zu regieren, treten jetzt offen zutage. Im ganzen Land herrscht totales Chaos.»