Vierfachmord von Annecy

17. September 2012 23:27; Akt: 18.09.2012 09:04 Print

Schoss der Killer mit Schweizer Armeewaffe?

Die Ermittler im Fall Annecy wollen die Mordwaffe ausgemacht haben. Es soll sich um eine Parabellum 08 handeln, eine Pistole, die bis 1946 von der Schweizer Armee verwendet wurde.

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Am hat die französische Polizei ein Phantombild eines Motorradfahrers veröffentlicht. Alle Zeugen, die den Mann erkennen, sollen sich bei der französischen Polizei melden. Jetzt wurde ein 48-jähriger Mann verhaftet. Der Killer von Annecy hat die vier Menschen offenbar mit einer Schweizer Waffe erschossen. Laut einem Ermittlungsbericht wurde eine und ist heute als Sammlerobjekt heiss begehrt. wurden in der Nähe des französischen Dorfs Chevaline eine fünfköpfige Familie und ein Velofahrer erschossen. Chevaline liegt in der Nähe von Annecy und rund 60 Kilometer südlich der Schweizer Grenze. Die Gegend ist . Bei den Todesopfern handelt es sich um den Briten (45). Der Vater dreier Kinder arbeitete in der Nuklearindustrie. Die beiden Töchter der al-Hillis haben das Massaker überlebt. Die erlitt einen Schock und ist schwer traumatisiert. Sie hatte sich über acht Stunden unter den Beinen ihrer toten Mutter versteckt und wurde erst gegen Mitternacht von den Polizisten entdeckt. Die 7-jährige Zainab musste im Spital von Grenoble und danach ins künstliche Koma versetzt werden. Am 14. September wurde sie zurück nach Grossbritannien gebracht. Ihre kleine Schwester war schon zuvor in ihr Heimatland zurückgereist. Entdeckt wurde das Massaker von einem . Dieser ist ein ehemaliges Mitglied der Royal Air Force und lebt in Frankreich. Er wurde auf der Route de la Combe d'Ire von einem anderen Velofahrer überholt, der kurz darauf erschossen wurde. Danach fuhren ihm ein 4x4-Fahrzeug («grün oder von dunkler Farbe») und ein Motorrad entgegen. Um traf der Brite auf dem Tatort ein, wo ihm die schwer verletzte Zainab (7) entgegenkam und ohnmächtig umfiel. Er legte das Mädchen in Seitenposition und alarmierte die Polizei. Jedes der Opfer hatte die beiden Männer 5 bis 7 Kugeln. Beim Auto handelte es sich um einen BMW Serie 5 mit britischem Nummernschild, es gehörte Saad al-Hilli. Die Familie al-Hilli campierte auf dem Zuvor war sie auf einem anderen Campingplatz ganz in der Nähe, den sie aber nach wenigen Tagen überstürzt verliess. Laut Aussagen von Zeugen auf dem Campingplatz . Er habe das Gelände mehrmals täglich für ca. eine halbe Stunde mit dem Auto verlassen. Die Familie al-Hilli wohnte in einem . Der Familienvater arbeitete seit 2010 für die Firma Surrey Satellite Technology (SSTL), die zivile Mikrosatelliten baut. Er war laut Aussagen eines Nachbarn im Jahr 2003 wochenlang vom Geheimdienst überwacht worden. Im Haus der al-Hillis im englischen Surrey war am Montag, 10. September, ein eingetroffen, nachdem die Polizei «verdächtiges Material» gefunden hatte. Später gab es Entwarnung, man habe nichts Verdächtiges gefunden. Die Polizei verfolgt nach und prüft, welche Art von Kontakten er noch in sein ehemaliges Heimatland unterhielt. Eine andere Spur fokussiert auf den , der in den Bereichen Satellitentechnologie, Luft- und Raumfahrtbranche tätig war. Dabei spielt seine irakische Herkunft ebenfalls eine Rolle. Weiter wird der Frage nachgegangen, ob es in der Familie al-Hilli zu gekommen war. Vor zwei Jahren war der Vater von al-Hilli gestorben, die Familie wird als vermögend bezeichnet. Der ermordete Familienvater soll Geldstreitigkeiten mit seinem Bruder gehabt haben, was Letzterer aber abstreitet. Auch das Umfeld der erschossenen , wird näher unter die Lupe genommen. Gegen die Schwedin soll es wiederholt Morddrohungen gegeben haben. Ihr Sohn, mit dem sie zusammengewohnt hat, habe mehrfach gedroht, sie und ihren vor einem Jahr verstorbenen Mann umzubringen. Der Sohn ist seit einem Monat «in den Ferien». Und schliesslich geht die Polizei auch der Theorie nach, dass das eigentliche Ziel des Mordanschlags gewesen sei. Dieser arbeitete als Metallurge in der Nuklearindustrie.

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Die 40 Polizisten, die im Vierfachmord von Annecy ermitteln, sollen laut «Sunday Telegraph» herausgefunden haben, welche Waffe für die brutale Hinrichtung verwendet wurde: eine Parabellum 08, System Luger mit einem 7,65-Millimeter-Kaliber. Sie soll aus einer Entfernung von weniger als einem Meter auf die vier Opfer abgefeuert worden sein.

Die Parabellum wurde unter der Bezeichnung Pistole 00 von der Schweizer Armee bis 1946 verwendet und ist heute als Sammlerobjekt heiss begehrt. Bis nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Parabellum sogar in der Schweiz von der Waffenfabrik Bern hergestellt.

Spezielle Munition nötig

Offiziell hat die französische Staatsanwaltschaft bislang lediglich bestätigt, dass eine Halbautomatik Kaliber 7,65 Millimeter verwendet worden war. Ein Rechtshilfegesuch an die Schweiz sei bislang nicht eingegangen, wie ein Sprecher vom Bundesamt für Justiz gegenüber SF Online sagte.

Sollten sich die Recherchen der Briten bewahrheiten, dürfte die verwendete Waffe die Ermittlungen substantiell weiterbringen. Denn die Parabellum funktioniert nur mit spezieller Munition.

Diese, so führt Philip Boyce, ein international anerkannter Waffenexperte gegenüber dem «Sunday Telegraph» aus, wurde entweder «über Jahrzehnte» irgendwo gelagert oder sie wurde gekauft. In diesem Fall wäre der Käufer leicht ausfindig zu machen, ist Boyce überzeugt.

Was jedoch erschwerend dazu kommen könnte: Auch wenn sie im Militär bereits lange ausgedient hatte, war die Parabellum bis in die 80er Jahre etwa als Wettkampfwaffe im Umlauf, wie SF Online schreibt. Bis heute wird sie auf Waffenauktionen angepriesen.

(gux)