Russland-Affäre

14. Juli 2017 18:22; Akt: 15.07.2017 04:41 Print

Ex-Agent packt über Geheimtreffen aus

Donald Trump jr. wollte in der Russland-Affäre für Transparenz sorgen. Doch jetzt meldet sich eine Person, von der der Präsidentensohn bislang nichts erzählt hatte.

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Donald Trump jr. hatte bei der Veröffentlichung seiner E-Mails zu dem aufsehenerregenden Treffen erklärt, er wolle damit für Transparenz sorgen. Doch jetzt meldet sich eine Person als Teilnehmer des Gesprächs, von der der Präsidentensohn bislang nichts erzählt hatte.

In den USA hat ein Lobbyist Einzelheiten aus dem Treffen von Präsidentensohn Donald Trump jr. mit einer russischen Anwältin berichtet. Rinat Achmetschin sagte der Nachrichtenagentur AP am Freitag, er habe an dem Gespräch im Juni 2016 teilgenommen, von dem sich Trump jr. belastende Informationen der russischen Regierung über Hillary Clinton erhoffte, die Gegenkandidatin seines Vaters im Wahlkampf. Die Anwältin habe Material dabeigehabt, das sie als belastend bezeichnet habe. Trump jr. äusserte sich zunächst nicht.

Das Treffen stellt das bislang deutlichste Anzeichen dafür dar, dass Vertraute des heutigen Präsidenten offenbar gewillt waren, im Wahlkampf Hilfe aus Moskau in Erwägung zu ziehen.

Russe dementiert Geheimdienstkontakte

Rinat Achmetschin hat nach seiner Teilnahme an dem brisanten Treffen mit dem US-Präsidentensohn Donald Trump Junior Kontakte zum russischen Geheimdienst dementiert. Entsprechende Vorwürfe seien «boshaft falsch», sagte er am Freitag.

Er krtisiert gegenüber der Nachrichtenagentur AFP US-Medienberichte, wonach er früher für die sowjetische Spionageabwehr gearbeitet und noch heute Verbindungen zum Geheimdienst in Russland haben soll. Er habe «niemals für irgendeinen Geheimdienst gearbeitet».

Zuvor hatte der Lobbyist der «Washington Post» bestätigt, dass er an dem Gespräch zwischen Donald Trump Junior und der Anwältin Natalja Weselnizkaja am 9. Juni zur Zeit des US-Präsidentenwahlkampfs teilgenommen habe.

Der Sender NBC berichtete, bei Achmetschin handle es sich um einen früheren sowjetischen Geheimdienstmitarbeiter. Er habe die doppelte Staatsbürgerschaft. Die «Washington Post» schrieb, Achmetschin habe im russischen Militär gedient und angegeben, er sei von russischen Geheimdiensten ausgebildet worden.

Weselnizkaja dementiert

Trump jr. hatte bisher erklärt, an dem Gespräch im Trump Tower hätten die Anwältin Natalia Weselnizkaja, sein Schwager Jared Kushner und der damalige Wahlkampfmanager seines Vaters, Paul Manafort, teilgenommen. Von weiteren Personen war nicht die Rede. Herausgekommen sei letztlich nichts. Er habe seinen Vater nicht informiert. Weselnizkaja sagte, sie habe weder für die russische Regierung gearbeitet, noch Informationen über Clinton gehabt.

Achmetschin berichtete nun, Weselnizkaja habe ihn einen Tag vor dem Treffen gebeten, sie zu begleiten. An dem Treffen hätten ein Dolmetscher, Kushner, Manafort und weitere Personen teilgenommen, die er nicht kenne. Welsenizkaja habe den Trump-Mitarbeitern einen Ordner mit Dokumenten präsentiert, die ihrer Meinung nach den Fluss illegaler Gelder an Clintons Demokratische Partei beschrieben. Würden sie veröffentlicht, könnten sie eine Hilfe für Trump jr.s Vater sein, habe sie gesagt. Achmetschin sagte, er wisse nicht, ob die Dokumente von der russischen Regierung stammten. Er denke, dass Weselnizkaja sie den Trump-Leuten überlassen habe.

Trump Jr. habe Welsenizkaja gefragt, ob sie vollständige Beweise für ihre Darstellung habe und die Geldflüsse aufzeigen könne, erzählte Achmetschin. Die Anwältin habe geantwortet, weitere Nachforschungen müsse Trumps Wahlkampfteam anstellen. Danach habe Trump jr. das Interesse verloren. «Sie konnten gar nicht abwarten, dass das Treffen zu Ende geht», sagte Achmetschin der AP.

«Heuchelei und Betrug»

Der demokratische Kongressabgeordnete Adam Schiff sprach von einem weiterern verstörenden Fakt warf Trump jr. Heuchelei und Betrug vor. Dieser habe seine Erklärungen zu dem Geheimtreffen mehrmals geändert und die Anwesenheit Achmetschins verschwiegen, sagte das Mitglied des Geheimdienstausschusses im Repräsentantenhaus.

Die russische Regierung hat jede Verwicklung in das Treffen oder Kenntnis davon dementiert. Präsidentensprecher Dmitri Peskow sagte über Achmetschin: «Wir wissen gar nichts über diese Person.»

Manaforts Sprecher Jason Maloni verweigerte einen Kommentar zu der Frage, ob Achmetschin bei dem Treffen dabei war. Kushners Sprecher antwortete ebenso wenig auf Anfragen wie der Anwalt von Trump jr.

«Loser Teil von Spionageabwehr»

Achmetschin war diese Woche in Berichten als früherer Offizier der russischen Spionageabwehr bezeichnet worden. Er sagte, er habe von 1986 bis 1988 in einer Einheit der Sowjetarmee gedient, die ein «loser Teil von Spionageabwehr» gewesen sei. Er sei aber nicht in der Spionagepraxis ausgebildet worden.

Achmetschin sagte, er sei bereit, US-Ermittlern seine Geschichte zu erzählen. Bislang sei er aber weder vom FBI kontaktiert worden noch vom Büro des Sonderermittlers Robert Mueller, der Berichten über eine russische Einflussnahme auf die US-Wahlen 2016 nachgeht.

(woz/chk/sda/ap)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mike am 14.07.2017 21:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Versuch bereits strafbar!

    Ich lese hier ständig, dass er es nur versucht habe aber erfolglos gewesen sei und daher sei das alles nicht so schlimm. Dabei gilt: Bereits der Versuch im Zusammenhang mit einer Wahl von ausländischen Stellen Geld oder "andere Dinge von Wert" anzunehmen verstößt bereits gegen die gültige Rechtsprechung.

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  • fastreader am 14.07.2017 20:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    What?

    Ja, ok, seine Verteidigung ist also, dass er zwar versucht habe mit Hilfe einer gegnerischen Grossmacht Clinton zu diffamieren, aber dass es kein grosses Ding sei, weil er keinen Erfolg hatte?!?

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  • Ludwig C:. am 14.07.2017 18:55 Report Diesen Beitrag melden

    Schnee von Gestern

    Zur Erinnerung, die aktuellen Kriege & Missstände auf der Welt hat die Elite von Gestern (Clinton, Bush & Co.) herbei geführt... Eigentlich sollte man die Machenschaften dieser Clans aufarbeiten, ware viel interessanter...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Ernst am 15.07.2017 14:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nur Sxhaumschlägerei?

    Alles sehr verworren. Ein Doppel Bürger der ein halber Spion der Russen war? Akten gerade ein ganzer Ordner der nichts wirkliches bringt. Eine Russische Juristin, welche auch sehr dubios ist. In den USA scheint es wie bei uns zu sein keiner weiss wirklich etwas Konkretes.

  • PeterLustig am 15.07.2017 11:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Naja

    Das muss man alles etwas differenziert betrachten. Wenn sich der Russische Staat da eingemischt hat, dann muss das von der ganzen Welt sanktioniert werden. Dasselbe würde auch für jedes andere Land gelten. Trump selber aber kann man nicht viel vorwerfen. So wird halt leider heute Wahlkampf gemacht und Hillary hätte und hat wohl genau so gehandelt.

    • Vujo am 15.07.2017 17:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @PeterLustig

      Wenn ja, dann wollen wir aber auch Beweise. Plus die belegten Einmischungen der USA sanktionieren. Beispiel; Wahlen in Frankreich 2012

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  • Kopfschüttler am 15.07.2017 11:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verständnis von Schuld

    Anscheinend kennt jeder Russe Vladimir Putin persönlich und hat enge Kontakte zum Kreml. Nicht schlecht bei 150 Millionen Menschen. Hat schon jemand mal daran gedacht, dass diese Anwältin einfach nur Kohle verdienen wollte, in dem sie den Trumps Information über Clintons undurchsichtige Spendenmachenschaften verspricht? (Ob sie die auch hatte ist noch ne andere Frage.) Schliesslich haben die jede Menge Dineros. Wenn das so brisante Infos gewesen wären, hätte der Junior sofort zugegriffen und Senior hätte das im Wahlkampf ausgeschlachtet, in dem er Clinton Russlandverbindungen vorgeworfen hätte.

    • Klaus07 am 15.07.2017 12:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Kopfschüttler

      Klar kann das sein. Aber um dass geht es hier nicht. Es geht darum, das ein Team eines Präsitentschaftskanditaten, Kontakte zu Russland sucht, um die Wahl zu beeinflussen. Mit einfachen Worten. Mein Bescheisst um an die Macht zu kommen!

    • Kopfschüttler am 15.07.2017 12:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Klaus07

      Und Sie glauben echt, dass Clinton oder einer aus ihrem Team, nie auch nur einen Telefonhörer in die Hand nahm und mit jemandem im Ausland telefonierte, um an Infos über Trump zu kommen? Ziemlich unrealistisch. Allein die Tatsache, das Trump als Immobilientyconn viel mit dem Ausland zu tun hat, zwingt sie ja dazu.

    • Klaus07 am 15.07.2017 14:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Kopfschüttler

      Ja und? Wenn Clinton Präsidentin wäre, wäre es genau so wichtig ihre Verstrickungen zu untersuchen und zu bestrafen. Nur ist Clinton nicht Präsidentin sonder Trump ist Präsident!

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  • Werner am 15.07.2017 11:06 Report Diesen Beitrag melden

    Unglaubwürdig

    Die ganze Familie von Trump ist unglaubwürdig da wirt gelogen und vertauscht und das Amerikaner schauen den ganzen spiel zu dass beweist mir zu 60% der Amerikaner na ja sag man Ho... sind.

  • Der Denker Christian am 15.07.2017 10:25 Report Diesen Beitrag melden

    Ich denke, dass sich hier

    Einer etwas ins Licht rücken möchte. Alles nur bla... bla... bla. Und schon wieder wissen Einige von uns, wie es wirklich war.