Unter pinker Flagge

25. Juli 2017 19:22; Akt: 25.07.2017 19:22 Print

LGBT-Aktivisten sagen IS in Syrien den Kampf an

In Syrien wollen ausländische Mitglieder der LGBT-Community den IS bekämpfen. Ihr Logo: eine Kalaschnikow vor pinkem Hintergrund.

Bildstrecke im Grossformat »
«Diese Tunten töten Faschisten»: Dieses Banner, mit dem Kämpfer der International Revolutionary People's Guerrilla Forces angeblich im syrischen Raqqa posieren, kündigt eine LGBT-Kampfgruppe an. Die Gruppe namens TQILA hat sich den Kampf gegen den «Islamischen Staat» (IS) und für die Rechte sexueller Minderheiten auf die Fahnen geschrieben. Weil an der Echtheit des Bildes gezweifelt wurde, veröffentlichten die Aktivisten auf Twitter weitere Fotos. TQILA ist laut Ankündigung auf Twitter eine Untergruppe der International Revolutionary People's Guerrilla Forces (IRPGF). Diese wiederrum kämpfen für das International Freedom Battalion (IFB) an der Seite der Kurden gegen den IS. Ihr Logo ist eine Kalaschnikow auf pinkem Hintergrund. Die Kämpfer sind im Norden Syriens aktiv, in der kurdischen Region Rojava. Raqqa ist die inoffizielle Hauptstadt des vom IS ausgerufenen Kalifats in Teilen Syriens und des benachbarten Irak. Im Bild: Kämpfer der kurdisch-arabischen Demokratischen Kräfte Syriens (SDF), hier im Umland der IS-Hochburg in Syrien. (6. März 2017) Die SDF bestehen aus mehreren Gruppierungen, unter anderen den kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG), für die auch das International Freedom Battalion (IFB) kämpft. Bewohner Raqqas inspizieren Schäden nach einem Angriff. (Von der IS-Medienagentur Aamaq am 29. Mai 2017 veröffentlicht) Um die IS-Hochburg Raqqa wird seit Monaten gekämpft. Der Kommandeur der Anti-IS-Koalition, US-General Steve Townsend, sagte, der Kampf werde «lang und schwierig sein»: ein SDF-Kämpfer in Tabqa bei Raqqa. (30. April 2017)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Die Terrormiliz «Islamischer Staat» (IS) geht grausam gegen Homosexuelle in den von ihr besetzten Städten vor. Männer, die unter Verdacht stehen, schwul zu sein, werden von Hausdächern gestossen oder zu Tode gesteinigt, generell steht im IS-Gebiet auf Homosexualität die Todesstrafe. Auch den Anschlag auf einen Schwulen-Club in Orlando im US-Bundesstaat Florida im vergangenen Sommer reklamierte der IS später für sich.

In Syrien hat sich gegen die Terrormiliz jetzt Widerstand sexueller Minderheiten formiert. Im Norden des Landes haben internationale Kämpfer eine militärische LGBT-Einheit gebildet. Ihr Name? The Queer Insurrection and Liberation Army – oder kurz: TQILA. Ja, den Namen spreche man wie das hochprozentige mexikanische Getränk aus, bestätigt die Gruppe in einem Kommentar auf Twitter. Dort haben die International Revolutionary People's Guerrilla Forces (IRPGF) gestern die Bildung der queeren Untereinheit ihrer Gruppe bekanntgegeben. Die IRPGF selbst gehören zum International Freedom Battalion (IFB), das an der Seite der Kurden gegen den IS kämpft.

«Diese Tunten töten Faschisten»

Wie viele Kämpfer TQILA hat und wie viele Mitglieder tatsächlich einer sexuellen Minderheit angehören, ist unklar. «Viele unserer Kameraden sind in der LGBT-Community», zitiert «Newsweek» den Sprecher der Gruppe, Heval Rojhilat. TQILA kämpfe bereits in Raqqa, sagt Rojhilat. Aus Sicherheitsgründen wolle er die Grösse der Gruppe aber nicht bekanntgeben.

TQILA sei gegründet worden, weil deren Mitglieder voller Schrecken mitangesehen hätten, wie «faschistische und extremistische Kräfte weltweit die queere Gemeinschaft angegriffen und zahlreiche ihrer Mitglieder ermordet und sie als ‹krank› und ‹unnatürlich› bezeichnet» hätten, schreiben IRPGF in ihrem Statement auf Twitter.


In einem zweiten Tweet posieren zwei TQILA-Kämpfer mit einem Banner in der umkämpften syrischen Stadt Raqqa. «Diese Tunten töten Faschisten», steht darauf geschrieben. Zudem halten vier weitere Kämpfer eine Regenbogenfahne und eine Fahne mit einer Kalaschnikow auf pinkem Hintergrund – dem Gruppen-Logo – hoch.


Ist das Foto echt?

Weil Zweifel aufkamen, ob das Foto echt ist, haben die Aktivisten zwei weitere Bilder auf Twitter gepostet.



Ein fotoforensischer Vergleich zeigt, dass die Bilder vermutlich tatsächlich so aufgenommen wurden. Bei einem der Männer auf den Fotos soll es sich um den IFB-Kommandanten Heval Mahir handeln. Er sei «ein guter Freund der IRPGF und ein Unterstützer der queeren Befreiung», heisst es in einem der Tweets.

Warum sich TQILA den Kampf für LGBT-Rechte auf die Fahnen geschrieben hat, in einem Land, wo Homosexualität generell unter Strafe steht und nicht nur vom IS bekämpft wird, bleibt offen. Ebenso wie die Frage, ob und warum gerade LGBT-Rechte in einem Bürgerkrieg, unter dem alle Menschen zu leiden haben, besonders relevant sein sollen.

In dem «Newsweek»-Bericht jedenfalls bleiben diese Aspekte unberücksichtigt. Auf eine entsprechende Anfrage beim International Freedom Battalion und bei den IRPGF bekam 20 Minuten bisher keine Antwort.

(mlr)