Jux mit Todesfolge

08. Dezember 2012 00:20; Akt: 08.12.2012 04:32 Print

Radio-DJs vom Mikrofon verbannt

Die australischen Radiomoderatoren, deren Jux-Anruf in Kates Klinik zum Selbstmord der hereingelegten Krankenschwester führte, sind ihren Job «bis auf Weiteres» los.

Bildstrecke im Grossformat » test

Zum Thema
Fehler gesehen?

Mel Greig und Michael Christian hatten sich in einem Telefonanruf als die Queen und Prinz Charles ausgegeben und verlangt, mit Herzogin Kate zu sprechen, die in der Londoner King Edward VII-Klinik wegen übermässig starker Morgenübelkeit behandelt wurde. Sie wurden auch tatsächlich durchgestellt, doch da Kate noch schlafe, gab ihnen eine Krankenschwester Auskunft über den Gesundheitszustand der schwangeren Frau von Prinz William.

Der Sender 2Day FM entschuldigte sich später für den Jux-Anruf. Am Freitagmorgen wurde die 46-jährige Krankenschwester Jacintha Saldanha, die den Anruf entgegengenommen hatte, tot aufgefunden. Vermutet wird, dass sich die verheiratete Mutter zweier Kinder das Leben genommen hat. Sie war nach dem Vorfall betreut worden, schrieb die Spitalleitung in einer Stellungnahme nach dem Todesfall. Dass sie auf die falsche Queen hereingefallen sei, habe keinerlei disziplinarischen Folgen für sie gehabt, es sei aber eine schwierige Situation gewesen.

Mit Beschimpfungen überschüttet

Die beiden Moderatoren seien «tief betroffen und geschockt» von der Nachricht vom Tod der Krankenschwester, schrieb Southern Cross Austereo, die Muttergesellschaft der Radiostation. Man sei mit den Moderatoren übereingekommen, sie «bis auf Weiteres» ihre Sendung nicht mehr moderieren zu lassen.

Die beiden hatten sich sofort entschuldigt, aber wurden dermassen mit Beschimpfungen überschüttet, dass sie ihr Twitter-Konto löschten und sich verpflichteten, sich nicht weiter zum tragischen Ausgang ihres Scherzanrufs zu äussern.

Inzwischen hat der erste Werbekunde des Radiosenders, die australische Supermarktkette Coles, sämtliche Aufträge storniert. Die australische Medienaufsichtsbehörde hat eine Untersuchung angekündigt, und auch die australische Regierungschefin Julia Gillard äusserte sich zum Fall: «Der Tod der Krankenschwester ist eine furchtbare Tragödie.»

Das Königshaus kondoliert

Nachdem in Grossbritannien die Mehrheit der Presse den Jux-Anruf kritisiert und der Sender sich entschuldigt hatte, meldeten sich am Donnerstag in Australien andere Radiomoderatoren von Shows, in denen Jux-Anrufe zum Standardrepertoire gehören, mit Lob zu Wort, und ein Poll des «Sydney Morning Herald» erbrachte eine satte Mehrheit von 57 Prozent gegen die Entschuldigung, da es ja nur ein Spass gewesen sei.

Und selbst Prinz Charles hatte gegenüber Reportern über den Scherzanruf gewitzelt: «Und wer garatiert Ihnen, dass ich kein Radiosender bin?» Nach dem Tod der Krankenschwester veröffentlichte der St. James-Palast, Wohnsitz von Prinz Charles, ein Communiqué, in dem die königliche Familie ihr Bedauern ausdrückt. «Die königlichen Hoheiten wurden jederzeit hervorragend betreut im King Edward VII.-Spital, und ihre Gedanken und Gebete sind mit der Familie von Jacintha Saldanhas und mit ihren Freunden und Kollegen in dieser schwierigen Zeit.»

Fragen und Antworten rund um die Kommentar-Funktion
«Warum dauert es manchmal so lange, bis mein Kommentar sichtbar wird?»

Unsere Leser kommentieren fleissig - durchschnittlich gehen Tag für Tag 4000 Meinungen zu allen möglichen Themen ein. Da die Verantwortung für alle Inhalte auf der Website bei der Redaktion liegt, werden die Beiträge vorab gesichtet. Das dauert manchmal eben einige Zeit.

«Gibt es eine Möglichkeit, dass mein Beitrag schneller veröffentlicht wird?»

Wer sich auf 20 Minuten Online einen Account zulegt und als eingeloggter User einen Beitrag schreibt oder auf einen Kommentar antwortet, der wird vorrangig behandelt. Hat ein eingeloggter User bereits viele Kommentare verfasst, die freigegeben wurden, so werden seine neuen Beiträge mit oberster Priorität behandelt.

«Warum wurde mein Kommentar gelöscht?»

Womöglich wurde der Beitrag in Dialekt verfasst. Damit alle deutschsprachigen Leser den Kommentar verstehen, ist Hochdeutsch bei uns Pflicht. Sofort gelöscht werden Beiträge, die Beleidigungen, Verleumdungen oder Diffamierungen enthalten. Auch Kommentare, die aufgrund mangelnder Orthografie quasi unlesbar sind, werden das Licht der Öffentlichkeit nie erblicken. (oku)

«Habe ich ein Recht darauf, dass meine Kommentare freigeschaltet werden?»

20 Minuten ist nicht dazu verpflichtet, eingehende Kommentare zu veröffentlichen. Ebenso haben die kommentierenden Leser keinen Anspruch darauf, dass ihre verfassten Beiträge auf der Seite erscheinen.

Haben Sie allgemeine Fragen zur Kommentarfunktion?

Schreiben Sie an feedback@20minuten.ch
Hinweis: Wir beantworten keine Fragen, die sich auf einzelne Kommentare beziehen.

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Deshalb können Storys, die älter sind als 2 Tage, nicht mehr kommentiert werden. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • A.B. am 08.12.2012 02:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ruhe in Frieden

    Die Idee mit dem Scherzanruf mag ja durchaus witzig sein. Das Problem sehe ich mehr darin, dass das Opfer dieses Anrufs sehr wahrscheinlich nicht darüber informiert wurde (geschweige denn um Erlaubnis gefragt wurde), dass dieser Anruf in einer Radiosendung veröffentlicht wird. So wurde Sie plötzlich und total unvorbereitet weltweit zum Gespött. Dass diese Art von Diskriminierung, der man hilflos ausgeliefert ist, eine pflichtbewusste Frau schwer trifft, kann ich durchaus nachvollziehen. Und genau dort trifft aus meiner Sicht die Moderatoren eine Teilschuld. RIP!

  • Angarali Turgut am 07.12.2012 17:06 Report Diesen Beitrag melden

    Das muss weh tun!

    Da kommt noch was auf die Moderatoren zu.. Autsch!

  • CH CH am 07.12.2012 19:17 Report Diesen Beitrag melden

    Tragisch

    ist, dass sie jetzt noch selber schuld sein soll! Oder ist jetzt jeder, der im Internet gemobbt wird (es gibt ja genügend Berichte im Moment), auch selber schuld? Sie muss schon vorher Probleme gehabt haben?!? NEIN, sie hat einen Fehler gemacht und sich im wahrsten Sinne zu Tode geschämt.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • K. Mahmud am 08.12.2012 09:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Juxanruf

    Damit sich jemand wegen einen harmlosen Scherz das Leben nimmt, müsste eigentlich schon mehr passiert sein. Trotzdem Beileid für die Familie und Freunde.

  • Entsetzter Leser am 08.12.2012 09:15 Report Diesen Beitrag melden

    Bedenkliche Kommentare

    Eine Krankenschwester in London wird von einem australischen Radiosender reingelegt. Wohl die wenigsten Königshäuser dieser Welt würden solche Scherze mit ihrem Namen nur gelassen hinnehmen.

  • IT-Guy am 08.12.2012 08:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wo ist das Problem

    Verstehe die ganze Aufregung hier nicht. Aus Sicht des Radiosenders handelt es sich hierbei um einen normalen Streich und einen adäquaten Zusammenhang zum Tod sehe ich nicht. Ich bin mir sicher, diese Krankenschwester hatte mit einigen anderen Problemen zu kämpfen, und dieser Anruf war nur ein letzter Auslöser. Es wurde ja auch nicht über sie gelacht, sondern über den Scherz. Spiessige Welt

  • Beatrice am 08.12.2012 08:34 Report Diesen Beitrag melden

    unsäglich traurig....

    Das ist mehr als nur ein Jux gewesen. Sie haben getäuscht und ein ganzes Lügengebäude errichtet, um an Informationen zu gelangen. Dass sich im nachhinein die Krankenschwester nicht nur verschaukelt wie bei einem Spass vorkam, sondern auch richtiggehend ausgenutzt und benutzt, ist doch logisch. Dass dann der Schritt zu einer solchen Verzweiflungstat aus Scham klein ist, ist nachvollziehbar. Wirklich eine unsäglich traurige Geschichte....Alles Gute und viel Kraft für die Kinder und für ihre sonstige Familie.

  • Fredy Kramer am 08.12.2012 08:33 Report Diesen Beitrag melden

    Moobing

    Das diese Krankenschwester in Ihrem Spital von Personal und Vorgesetzten mit Vorwürfen kaputtgemacht wurde ist doch nachvollziehbar. Von betreuung ist kaum etwas gewesen. Das die Kommentare der Engländer und der Englischen Presse diese Schwester auch noch fertig gemacht haben ist schlussendlich zur unerträglich belastung geworden. Jeder , der die Englische Royalgläubigkeit kennt, der weiss, dass niemand ungestraft den Royals schaden darf. Moobing in Reinkultur hat zum Selbstmord geführt.