Umstrittene Äusserung

15. September 2017 13:55; Akt: 15.09.2017 13:55 Print

AfD-Politiker ist «stolz» auf Nazi-Soldaten

Neben Alice Weidel ist Alexander Gauland der zweite AfD-Spitzenkandidat. Seine jüngsten Äusserungen zur deutschen Nazi-Vergangenheit sorgen für Aufregung.

AfD-Spitzenkandidat Alexander Gauland forderte eine Neubewertung der Taten deutschen Soldaten in den zwei Weltkriegen. (Video:Tamedia/AfD Kompakt TV)
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Der AfD-Spitzenkandidat Alexander Gauland provoziert mitten im deutschen Wahlkampf mit einer Rede, in der er die Deutschen auffordert, auf die «Leistungen deutscher Soldaten in zwei Weltkriegen» stolz zu sein. In der bis Donnerstag nur wenig beachteten Ansprache am Kyffhäusertreffen der AfD in Thüringen vom 2. September wirft der frühere CDU-Politiker der Integrationsbeauftragten Aydan Özuguz (SPD) vor, deutsche Geschichte «entsorgen» zu wollen.

Zur NS-Zeit sagte der 76-Jährige: «Man muss uns diese zwölf Jahre nicht mehr vorhalten. Sie betreffen unsere Identität heute nicht mehr. Und das sprechen wir auch aus.» Wenn die Franzosen auf ihren Kaiser und die Briten auf Churchill stolz seien, «haben wir das Recht, stolz zu sein auf die Leistungen deutscher Soldaten in zwei Weltkriegen».

Applaus und «Bravo»-Rufe

Das «Kyffhäusertreffen» ist laut «Buzzfeed», das am Donnerstag als erstes Medium über die Rede berichtete, eine Veranstaltung der nationalkonservativen Gruppierung «Flügel» um den Thüringer Partei- und Franktionschef Björn Höcke innerhalb der AfD.

Gaulands Äusserungen riefen an dem Treffen viel Applaus und lautes Gejohle sowie «Bravo»-Rufe hervor. Kritiker werfen der AfD schon länger vor, sie grenze sich nicht genügend von rechtsextremistischen Gruppierungen ab. Buzzfeed analysiert die jüngsten Äusserungen Gaulands zur NS-Zeit und vermutet, er verzichte «offenbar bewusst darauf, auszusprechen, was hier gemeint ist: die Nazis. Das Dritte Reich. Hitler, Goebbels, Himmler, Eichmann & Co. Auschwitz. Gaskammern, in denen Säuglinge starben.»

Strafanzeigen gegen Gauland

Bild.de schreibt, die Zahl der Opfer im Zweiten Weltkrieg liege Historikern zufolge zwischen 60 und 70 Millionen. Auch von Soldaten der deutschen Wehrmacht seien Gräueltaten begangen worden.

Gauland stand erst Ende August in der Kritik, weil er an einer Wahlkampfveranstaltung in Thüringen gesagt hatte, man könne die türkischstämmige Integrationsbeauftragte Özuguz «in Anatolien entsorgen». Daraufhin gingen mehrere Strafanzeigen gegen Gauland ein.

Anfang 2017 machte ausserdem sein Parteikollege Björn Höcke Schlagzeilen, als er bei einer Rede in Dresden sagte, das Berliner Holocaust-Mahnmal sei «ein Denkmal der Schande». Gegen Höcke läuft deshalb ein Parteiausschlussverfahren. Gauland nannte ihn in seiner «Kyffhäuser»-Rede «unseren Freund».

Politiker sind empört

Aus anderen Parteien hagelt es Kritik an Gauland. Justizminister Heiko Maas verurteilte Gaulands Aussagen und sagte gemäss Spiegel Online: «Wer fordert, wir sollten ‹stolz› sein auf die Verbrechen deutscher Soldaten im Zweiten Weltkrieg, der muss sich vorwerfen lassen, ein Rechtsextremer zu sein.» Die Partei habe es wohl darauf abgesehen, «zur neuen politischen Heimat für Neonazis zu werden», so Maas.

Der Grünen-Politiker Konstantin Notz nannte Gaulands Aussagen auf Twitter «ganz alte NPD-Schule» und die SPD-Abgeordnete Rita Schwarzelühr-Sutter sprach von einer «Schande für unser Land».



SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz appellierte am Freitag im «Spiegel» an den Verfassungsschutz, die AfD wegen extremistischer Tendenzen zu beobachten. «Die Spitze der AfD ist rassistisch», so Schulz.

(mlr)