Humanitäre Hilfe für Syrien

05. April 2017 22:47; Akt: 05.04.2017 22:47 Print

Schweiz schickt Millionen, Material und Manpower

Flüchtlingslager, Schulen und Spitäler – viele Einrichtungen in Syrien erhalten finanzielle und materielle Unterstützung aus der Schweiz.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Seit 2011 tobt in Syrien der Bürgerkrieg und Millionen Menschen sind auf der Flucht. Der Giftgas-Angriff auf die Stadt Chan Scheichun im Nordwesten des Landes mit über 70 Toten lenkt wieder einmal die Aufmerksamkeit auf den brodelnden Konflikt. An der internationalen Syrien-Konferenz in Brüssel forderte Bundesrat Didier Burkhalter am Mittwoch die Staaten zudem dazu auf, sich am Friedensprozess für Syrien zu beteiligen.

Doch wie weit reicht das Schweizer Engagement in Syrien? Ein Überblick über die humanitäre Unterstützung seitens des Staates und der Hilfsorganisationen.

Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit

Laut Burkhalter hat die Schweiz von 2011 bis Ende 2016 250 Millionen Franken eingesetzt, um die humanitären Folgen des bewaffneten Konflikts zu mildern. In diesem Jahr stellt die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza) weitere 66 Millionen Franken zur Verfügung sowie 7,5 Millionen Franken zur Friedensförderung. Seit 2012 hat die Schweiz zudem 140 Schulen im Libanon und in Jordanien saniert.

Zum Vergleich: Der deutsche Aussenminister Sigmar Gabriel sagte an der Konferenz weitere 1,169 Milliarden Euro für die Versorgung von Syrien-Flüchtlingen für die Zeit ab 2017 zu. Diese Summe verspreche Deutschland zusätzlich zu den 2,3 Milliarden Euro bis 2020, die es bei der Londoner Geberkonferenz im vergangenen Jahr zugesagt habe.

Derzeit arbeiten in der Region acht Schweizer Experten für die UNO, zwei davon direkt in Syrien. Als Experte des Schweizerischen Korps für humanitäre Hilfe koordiniert etwa der Zürcher Stefan Bumbacher seit Januar 2016 die vom Welternährungsprogramm der UNO (WFP) in mehreren Regionen Syriens eingeführten Pilotprojekte für Geldüberweisungen.


Der Schweizer Stefan Bumbacher in Syrien (Quelle: Youtube/EDA)

Schweizerisches Rotes Kreuz

Das Schweizerische Rote Kreuz (SRK) unterstützt durch die Zusammenarbeit mit dem Dänischen Roten Kreuz seit Anfang 2016 die Arbeit des Syrischen Arabischen Roten Halbmondes (SARC) in einer Klinik in Suwaida an der Grenze zu Jordanien. Patienten sind dort vor allem Syrer, die im eigenen Land auf der Flucht sind. Das SRK beteiligt sich konkret mit 300'000 Franken im Jahr. Das Geld kommt unter anderem der Ausrüstung des Spitals und einer mobilen Augenklinik, die demnächst in Betrieb genommen wird, zugute. Künftig soll das Engagement noch ausgebaut werden.

Zum anderen unterstützt das SRK seit mehreren Jahren das Libanesische Rote Kreuz. Der Libanon hat seit 2011 eine Million syrische Flüchtlinge aufgenommen. Das SRK engagiert sich hier mit Lebensmitteln, Winterhilfe, Bargeld-Unterstützung sowie medizinischen Dienstleistungen wie etwa Ambulanzdiensten. Bis Ende 2016 war das Schweizer Rote Kreuz zudem auf der Balkan-Route aktiv.

Ärzte ohne Grenzen

Ärzte ohne Grenzen betreibt im kurdischen Teil Syriens sechs Spitäler, vier im westlichen und zwei im östlichen Teil des Landes. Ausserdem unterstützt die Nichtregierungsorganisation landesweit mehr als 150 Gesundheitseinrichtungen mit Material, Medikamenten und gelegentlich mit telemedizinischen Beratungen. Vor Ort habe man vor allem Arabisch sprechendes syrisches Personal, das von der Türkei aus koordiniert werde, sagt der Schweizer MSF-Sprecher Lukas Nef. Die Arbeit in Syrien ist gefährlich – das zeigt nicht erst der jüngste Angriff auf das Spital in Chan Scheichun. Allein im vergangenen Jahr zählte MSF 71 Angriffe auf 32 von der NGO betriebene oder unterstützte Spitäler.

SyriAid und Kinderhilfswerk Noah

Neben den grossen NGOs gibt es viele kleinere Vereine und Initiativen, die sich für die Menschen in Syrien einsetzen. SyriAid etwa ist eine Gruppe von Exil-Syrern und Schweizern, die von Bern aus Hilfslieferungen in syrische Flüchtlingslager in der Nähe der Stadt Afrin organisiert und Gesundheitszentren unterstützt. Ab Mai 2017 soll zudem eine mobile Krankenstation für die Schulen in Afrin im Einsatz sein.

Der Exil-Syrer Ashti Amir, der seit 15 Jahren in der Schweiz lebt, organisiert die Hilfslieferungen für den Verein und reist selbst mehrmals im Jahr in sein Heimatland. «Ob ein Transport reibungslos an seinem Zielort ankommt, hängt immer auch von der Sicherheitslage ab», sagt er zu 20 Minuten. Es sei schon vorgekommen, dass man die Reiseroute spontan habe ändern müssen. SyriAid finanziert sich über Spenden und arbeitet auch mit anderen Gruppen zusammen, um Projekte zu realisieren.

Das Kinderhilfswerk Noah vermittelt Patenschaften zwischen Schweizern und syrischen Waisen und Halbwaisen. Derzeit profitieren rund 440 Kinder von dem Projekt. Zudem organisiert der Verein Hilfslieferungen in die Region um Idlib.

(mlr/sda)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Nixda am 05.04.2017 23:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kein Geld!

    Material und Lebensmittel ja,aber kein Geld was sowieso in die falschen Hände kommt!!!

    einklappen einklappen
  • Bugs Bunny am 05.04.2017 23:04 Report Diesen Beitrag melden

    Falsche Menschlichkeit

    PsyOp im ganz grossen Stil. Die Menschlichkeit der Europäer wird aufs Übelste ausgenutzt. Der dubiose Giftangriff folgte direkt nach der Meldung, dass die USA Assad nicht mehr stürzen wollen. Es wird Zeit, die wahren Schuldigen zu benennen. Nur so kann dieses Elend beendet werden!

    einklappen einklappen
  • Danis am 06.04.2017 06:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unverschämt

    Was mich nachdenklich gemacht hat: wir helfen jeweils in Afrika vorort in den Dörfern, viele haben 10-12 Kinder. Ich hab eine Frau gefragt, warum hast du soviele Kinder, ihr habt ja kein Geld für Nahrung? Antwort: ach, es kommen schon immer irgendwelche Weisse und bringen uns Geld und Essen

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Pesche FR am 08.04.2017 18:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    endlich ein Syrien Artikel, den ich kommentieren k

    warum macht ihr, 20Min nicht eine Leser Umfrage, wer für und wer gegen die Luftangriffe der USA ist?

  • Gerry41 am 06.04.2017 20:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Weg mit dem Herrscher und dann...

    Hilfe vor Ort gerne kein Problem. Aber als erstes gehört der Assad Clan weg und zwar alle. Dann ist Hilfe jederzeit in Ordnung vor Ort.

    • EMMM am 06.04.2017 20:40 Report Diesen Beitrag melden

      Ganz genau

      Alle Akteure sollen Verschwinden, damit es endlich wieder Frieden herrscht. Und zwar alle, sonst gibt man wieder bei einer Giftgas-Angriff gegenseitig die Schuld, und man wäre wieder in der gleichen Situation, wo man war.

    einklappen einklappen
  • Janosh am 06.04.2017 20:14 Report Diesen Beitrag melden

    Entwicklungshilfe ist:

    Arme Leute in reichen Laendern, helfen reichen Leuten in armen Laendern.

  • Martin J. am 06.04.2017 20:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wo bleibt die Menschheit?

    Manche Kommentare hier sind einfach nur beschämend für die Menschheit! Ich bitte diese Leute die gesamte Situation empathisch zu betrachten.

  • PIT am 06.04.2017 19:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ich helfe gerne....

    wenn das Geld auch wirklich bei den hilfsbedürftigen Leuten ankommt. Leider gehen 80% unterwegs verloren, oder als Verwaltungskosten durch!!!