«Es gibt keinen Schutz»

24. Februar 2012 15:16; Akt: 24.02.2012 15:36 Print

Brutale Bilder eines Bürgerkriegs

Wer in der Rebellenhochburg Homs filmt, gerät schnell ins Visier der Scharfschützen der syrischen Armee. Einem französischen Kameramann sind Aufnahmen aus dem umkämpften Stadtteil Baba Amr gelungen.

«Manis» Bilder aus Homs. Quelle: YouTube/Channel4News
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Journalisten in Syrien arbeiten unter Lebensgefahr: Die Amerikanerin Marie Colvin und der Franzose Remi Ochlik wurden in Homs durch Raketen getötet. Weil die Armee offenbar gezielt versucht, Fotografen und Kameraleute zu erschiessen, ist eine unabhängige Berichterstattung nur schwer möglich: Am 21. Februar erwischten die Schergen Baschar al-Assads ihren Landsmann Rami al-Sayed, der über 800 Videos aus der Oppositionshochburg bei YouTube hochgeladen hatte.

«Sie nehmen ganz bewusst Zivilisten ins Visier»

Umso wichtiger ist es, dass Reporter wie «Mani» sich nicht einschüchtern lassen. Der Franzose verbrachte die letzten drei Wochen in Homs und begleitete die Rebellen: Der britische Sender «Channel 4» zeigte sein Video am 22. Februar im TV: «Mani», der ein Pseudonym benutzt, filmte Angriffe auf Regierungsgebäude, das Feldlazarett der Opposition, Kinder, die Verwandte verloren haben und Mütter, die um ihre Söhne trauern.

«Die Situation war wirklich übel, als ich abgefahren bin», sagte der Franzose dem britischen Sender über seine Arbeit im Kriegsgebiet. «Der Beschuss begann über eine Woche vor meiner Abreise und war schwer. Die Leute versuchten, damit klarzukommen, aber im Alltag ist es wirklich schwer, in Bezirken wie Baba Amr Nahrung zu finden. Die Armee hat den Bezirk umstellt und lässt niemanden herein. Die Zivilisten sind jederzeit in Gefahr, bombardiert zu werden und können nichts dagegen tun. Es gibt keinen Weg, sich davor zu schützen.»

Die Angriffe würden völlig wahllos erfolgen, sagte «Mani»: «Die Armee beschiesst nicht nur Stellungen der Freien syrischen Armee, sondern auch Wohngebiete. Sie nehmen ganz bewusst Zivilisten ins Visier.» Der Kameramann glaubt aber nicht, dass sich die Opposition davon brechen lässt. «Sie sind jetzt seit einem Jahr im Widerstand. Jedesmal, wenn ich nach Syrien zurückkomme, bin ich von ihrer Ausdauer beeindruckt. Beschuss um Beschuss werden Zivilisten getötet. Viele werden von Scharfschützen erschossen. Aber die Leute geben nie auf.»

(phi)