Rücktritt bei BBC

11. November 2012 22:11; Akt: 11.11.2012 22:33 Print

Dritte Festnahme in Missbrauchs-Skandal

Grossbritannien kommt nicht zur Ruhe. Nach dem Rücktritt des BBC-Generaldirektors ist es nun im Zusammenhang mit dem Missbrauchsskandal zu einer weiteren Festnahme gekommen.

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Der exzentrische Moderator von Musik- und Kindersendungen bei der BBC starb im Oktober 2011 mit 84 Jahren. Erst danach kam heraus, dass er bis zu 450 junge Mädchen sexuell missbraucht hat. Der 70-jährige Komiker wurde im Dezember 2012 verhaftet. Ihm wird vorgeworfen, in Jimmy Saviles Garderobe ein 14-jähriges Mädchen belästigt zu haben. Im April 2013 wurde er wegen nicht näher erläuterten Vorwürfen ein weiteres Mal festgenommen. Der 70-Jährige ist Grossbritanniens bekanntester PR-Guru. Seine Spezialität sind Imagekampagnen für Prominente. Ihm werden elf Fälle von sexueller Belästigung junger Mädchen vorgeworfen. Clifford bestreitet die Anschuldigungen vehement. Der 68-jährige Glamrock-Star, mit bürgerlichem Namen Paul Gadd, wurde bereits 1999 wegen Besitz von kinderpornografischem Material sowie 2006 in Vietnam wegen Sex mit Minderjährigen verurteilt. Im Oktober 2012 wurde er erneut verhaftet. Er soll in Jimmy Saviles Garderobe ein Mädchen missbraucht haben. Der 59-jährige Komiker und Fernsehmoderator wird beschuldigt, zwei Frauen in den 80er Jahren belästigt zu haben. Er bestreitet die Vorwürfe vehement. Bei einem Auftritt witzelte er, er wisse «nicht einmal, mit wem ich damals verheiratet war». Seine derzeitige Ehefrau ist die fünfte. Der 83-jährige gebürtige Australier (hier mit der Queen und Landsfrau Kylie Minogue) ist ein Multitalent: Er hat Erfolg als Sänger, Maler und Fernsehmoderator. Im Herbst 2012 wurde er wegen nicht näher umschriebenen Sexualvergehen verhaftet und auf Kaution freigelassen. Er bestreitet die Vorwürfe. Als die burmesische Freiheitsheldin Aung San Suu Kyi 2012 erstmals seit 24 Jahren Grossbritannien besuchte, traf sie auch den 67-jährigen Radio-DJ und Fernsehmoderator. Seine Sendungen hätten ihr geholfen, den jahrelangen Hausarrest zu überstehen. Im November 2012 wurde Travis verhaftet: Er soll mehrere Frauen bei der BBC sexuell belästigt haben. Unabhängig von den Savile-Ermittlungen geriet auch der 83-jährige BBC-Moderator ins Visier der Polizei. Am 2. Mai 2013 gab Hall zu, zwischen 1967 und 1985 insgesamt 13 Mädchen und junge Frauen sexuell bedrängt zu haben. Sein jüngstes Opfer war erst neun Jahre alt. Bis zuletzt hatte Hall als Fussball-Kommentator gearbeitet. Seit der ersten Folge 1960 spielt der 81-Jährige eine Hauptrolle in der Endlos-Soap «Coronation Street». Das Guiness-Buch bezeichnet ihn als «langlebigsten» Soap-Darsteller. Anfang Mai 2013 wurde er als vorerst letzter Promi verhaftet. Ihm wird die Vergewaltigung einer 15-Jährigen im Jahr 1967 vorgeworfen. Roache weist die Anschuldigung zurück.

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Das letzte Kapitel im Missbrauchsskandal um den ehemaligen BBC-Moderator Jimmy Savile ist noch längst nicht geschrieben. Am Sonntag gab die Polizei eine weitere Festnahme in dem Fall bekannt. Den Namen des Verdächtigen, dem sexueller Missbrauch vorgeworfen wird, blieb indes geheim. Er wurde auf Kaution bereits wieder auf freien Fuss gesetzt.

Die Identität des Mannes sorgt in den britischen Medien bereits für Spekulationen. Der «Telegraph» benennt einen Verdächtigen, der ebenfalls aus dem BBC-Umfeld stammt.

Zuvor waren im Zusammenhang mit dem Missbrauchsskandal bereits der Komiker Freddie Starr und Glam-Rocker Gary Glitter vorübergehend festgenommen worden. Auch sie kamen auf Kaution frei.

Falsche Anschuldigungen gegen konservativen Politiker

Die mutmassliche Verwicklung dieser beiden Prominenten in die Savile-Affäre und die darauf folgende Spekulation über weitere Beteiligte waren es auch, die BBC-Chef George Entwistle schliesslich den Job kosteten. Er nahm den Hut, nachdem auf BBC ein Beitrag ausgestrahlt wurde, in dem ein mutmassliches Opfer von Kindesmissbrauch angegeben hatte, es sei von einem bekannten Mitglied der konservativen Partei missbraucht worden.

Obwohl er im Bericht nicht namentlich genannt wurde, geriet der frühere konservative Politiker Alistair McAlpine sofort in den Fokus der Medien und wurde vorschnell als mutmasslicher Täter gehandelt. Als dieser die Vorwürfe zurückwies und schliesslich auch das Opfer bestätigte, dass es sich bei seinem Peiniger nicht um McAlpine gehandelt habe, sah sich BBC-Generaldirektor George Entwistle massiver Kritik ausgesetzt, die ihn schliesslich zum Rücktritt zwang.

Es macht also den Anschein, als wäre die Fahndung nach weiteren mutmasslichen Tätern im Fall Savile auch nach diesem Paukenschlag noch in vollem Gang. In den letzten Wochen kursierten sogar Namenslisten mit potenziellen Verdächtigen im Internet und in den Medien, was sogar den britischen Premierminister David Cameron dazu bewegte, gegen die «Hexenjagd auf Schwule» zu intervenieren.

(jbu/sda)