Europäischer Staatsakt

18. Juni 2017 12:09; Akt: 18.06.2017 18:03 Print

Schiff soll Kohls Leichnam über den Rhein bringen

Helmut Kohl liegt aufgebahrt in seinem Haus in Rheinland-Pfalz. Das Volk und ganz Europa sollen sich ebenfalls vom Altkanzler verabschieden können.

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Die Trauer um den verstorbenen Altkanzler Helmut Kohl zeigt sich in vielen Formen: Am Reichstag in Berlin und an öffentlichen Gebäuden in Kohls Heimatland Rheinland-Pfalz wurden die Fahnen auf halbmast gesetzt. Die CDU-Zentrale in Berlin hat ein Kondolenzbuch für Kohl ausgestellt, auch online kann man seine Anteilnahme ausdrücken. Die Fussballnationalmannschaft will zu Ehren des Altkanzlers bei ihrem ersten Spiel im Confederations Cup in Russland Trauerflor tragen.

Der Leichnam des am Freitag verstorbenen Helmut Kohl (87) liegt derzeit aufgebahrt im Wohnzimmer seines Hauses. Gestern, berichtete die «Bild am Sonntag» (BAMS, Bezahlartikel), sei eine Kühlung installiert worden.

Während Kohls Ehefrau Maike Kohl-Richter, Angehörige und enge Freunde so ganz für sich trauern, legen Bürger vor dem Haus im rheinland-pfälzischem Oggersheim Blumen und
Dankesbotschaften nieder.

Europäischer Staatsakt wäre Premiere

Beim stillen Abschied in den eigenen vier Wänden bleibt es natürlich nicht: Geplant ist laut BAMS eine öffentliche Totenmesse im Dom zu Speyer. Danach wird der engste Familien- und Freundeskreis in der Traukapelle im Adenauerpark Abschied nehmen.

Zuvor soll es für den Altkanzler als ersten Staatsmann überhaupt im französischen Strassburg, dem Sitz des europäischen Parlaments, einen europäischen Staatsakt geben. Im Anschluss soll Kohls Sarg mit dem Schiff über den Rhein nach Speyer gebracht werden – so wie 1967 die sterblichen Überreste des ersten Bundeskanzlers Konrad Adenauer mit dem Schiff über den Rhein gebracht worden war.

«Ohne Helmut Kohl gäbe es den Euro nicht»

Für die besondere Ehrung eines europäischen Staatsaktes hat sich EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker persönlich stark gemacht. «Schon zu Lebzeiten wurde Helmut Kohl mit der Ehrenbürgerschaft Europas ausgezeichnet, um seine ausserordentlichen Verdienste zu würdigen. Deshalb gebührt Helmut Kohl nun auch ein europäischer Staatsakt, für den ich mich persönlich einsetzen werde», sagte Juncker der BAMS.

Auf Twitter hatte sich der 62-Jährige als einer der ersten zum Tod des deutschen Altkanzlers geäussert: «Ich bin in grosser Trauer über den Tod von Helmut Kohl, meinem engen Freund. Er hat mich auf allen europäischen Wegen geleitet und begleitet», schrieb Juncker. «Ohne Helmut Kohl gäbe es den Euro nicht.»

(gux)