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69 Tage verschüttet
04. August 2011 17:01; Akt: 04.08.2011 18:04 Print
Medienstars ohne Glanz
von André Uzulis, AP - Vor einem Jahr wurden in Chile 33 Männer beim schwersten Grubenunglück des Landes verschüttet. 69 Tage waren sie eingeschlossen und wurden dabei zu Medienstars. Doch von ihrem Ruhm konnten sie nicht profitieren.
Das sind die 33 Mineure, die 69 Tage lang 700 Meter unter Tage ausharren mussten.
Am Freitag vor einem Jahr ist im nordchilenischen Copiapo die Kupfermine San José eingestürzt. Damit nahm das schwerste Grubenunglück in der Geschichte des Landes und eines der schwersten weltweit seinen Lauf. Direkt nach dem Einsturz konnten sich 240 Bergleute ans Tageslicht retten. Was zunächst niemand wusste: 33 Kumpel waren verschüttet. Sie überlebten zwei Wochen in einem Schutzraum in 700 Meter Tiefe, ehe sie geortet wurden. 69 Tage lang dauerte ihre Gefangenschaft. Nie zuvor hatten Menschen länger eingeschlossen in grösserer Tiefe überlebt.
Infografik Grubenunglück in Chile Museumseröffnung in WashingtonGebrauchte Schutzhelme und Arbeitskleider, die eingesetzte Rettungskapsel und originale Filmaufnahmen erinnern in einer Ausstellung an das weltbewegende Drama: Am Mittwoch wurde in der US-Hauptstadt Washington ein Museum rund um das Minenunglück eingeweiht.
An der Feier in der Forschungs- und Bildungseinrichtung Smithsonian nahmen drei der geretteten Mineure teil. Sie standen zahlreichen Journalisten Red und Antwort (siehe Video).
Unter dem Titel «Entgegen aller Hoffnungen: Die Rettung in der chilenischen Mine», öffnet es am Freitag, dem Jahrestag der erfolgreichen Rettungsaktion, seine Pforten für die Öffentlichkeit
Chile gedenkt dieser Tage der dramatischen Monate, die vor einem Jahr begannen. Präsident Sebastian Piñera weiht ein Museum an der Mine ein. Zu der Zeremonie mit Gottesdienst werden unter anderem die 240 beim Einsturz sofort geretteten Bergleute erwartet sowie einige der 33 Männer, die am 13. Oktober 2010 befreit wurden.
Der erwartete Ruhm der Kumpel ist ausgeblieben. Fast alle leben weiterhin in ärmlichen Verhältnissen, 15 sind arbeitslos, vier fahren wieder in den Berg ein. Lediglich der extrovertierte Mario Sepulveda, der nach der Rettung mit seinem Humor die Weltöffentlichkeit verblüfft hat, konnte aus seinem Schicksal etwas machen: Er ist heute als Unternehmensberater vorrangig in der USA tätig.
Unter extremen Verhältnissen überlebt
Die Gruppe hatte 69 Tage unter extremen Verhältnissen in weitgehender Dunkelheit und bei Temperaturen von ständig weit über 30 Grad überlebt, begleitet von der Angst vor weiteren Einstürzen, denn im Berg rumorte es immer wieder. 17 Tage lang wussten die lebendig begrabenen Männer überhaupt nicht, ob sie jemals gerettet würden. Sie ernährten sich von einigen Löffeln Thunfisch und ein paar Schlucken abgelaufener Milch in einem Schutzraum 700 Meter tief in der Erde. Erst dann erreichten Suchbohrungen den Stollen und Frischluft, Lebensmittel, Wasser und Medikamente konnten durch einen nur armdicken Schacht in die Tiefe gebracht werden.
Die chilenische Regierung liess schweres Gerät aus aller Welt heranschaffen und drei unterschiedliche Verfahren anwenden, um einen Schacht zu bohren, durch den die Kumpel ans Tageslicht geholt werden könnten. Mediziner und Psychologen berieten die Eingeschlossenen. Sogar Experten der NASA, die auf die Betreuung von Astronauten bei Langzeitaufenthalten spezialisiert sind, boten ihre Hilfe an. Aus aller Welt kamen Fernsehteams, um die an Dramatik kaum zu überbietende Such- und Rettungsaktion wochenlang zu verfolgen.
Mit «Phönix 2» wieder an die Oberfläche
Am 13. Oktober 2010 konnten die Bergleute dann endlich mit Hilfe eines eigens angefertigten Rettungsgeräts namens «Phönix 2», das auf der 1955 in Deutschland entwickelten sogenannten Dahlbuschbombe basierte, gerettet werden. Der damals 31 Jahre alte Vorarbeiter Florencio Avalos kam als erster wieder an die Oberfläche. Zwischen 24 Minuten und 1 Stunde 24 Minuten dauerte die Auffahrt eines jeden einzelnen. Im Smithsonian Museum in Washington erinnert eine kürzlich eingeweihte Abteilung an die Rettung.
In Folge des Unglücks ging die Betreibergesellschaft der Mine pleite. Die Bergleute klagen noch heute vor Gericht, um aus der Konkursmasse 10 Millionen Dollar (7 Millionen Euro) Entschädigung zu erstreiten. Eine von Präsident Piñera versprochene lebenslange Rente für die Bergleute in Höhe von 430 Dollar (300 Euro) monatlich wird immer noch in der chilenischen Regierungsbürokratie beraten.
Video: Eröffnung eines Museums zum Minenunglück in Washington D.C.
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