Neue Trenddestination

06. April 2012 18:22; Akt: 06.04.2012 18:22 Print

Burma fürchtet den Sextourismus

von Peter Blunschi - Die politische Öffnung beschert Burmas Fremdenverkehr einen Boom. Darauf ist das südostasiatische Land nicht vorbereitet. Viele warnen vor thailändischen Verhältnissen.

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Touristen besuchen die Shwedagon-Pagode in Rangun. (Bild: Keystone/AP/Altaf Qadri)

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Wer derzeit nach Burma – oder Myanmar, wie das Land offiziell heisst – reisen will, braucht Geduld und Glück. Die wenigen für Touristen geeigneten Hotelzimmer sind bis zum letzten Bett ausgebucht; im ganzen Land gibt es nur etwa 8000. Das südostasiatische Land hat sich lange gegenüber der Aussenwelt verschlossen – Touristenvisa waren früher nur sieben Tage gültig. Burma war ein Reiseziel für Globetrotter und jene, die das Besondere suchen. Oder es wurde wegen der seit 1962 herrschenden Militärdiktatur gleich ganz boykottiert.

Noch 2011 war Burma das ostasiatische Land mit den wenigsten ausländischen Besuchern, das abgeschottete Nordkorea ausgenommen, schreibt die Oppositionszeitung «The Irrawaddy». Doch der im letzten Jahr eingeleitete politische Wandel, der am Wochenende mit der Wahl von Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi ins Parlament einen vorläufigen Höhepunkt erlebte, macht das Land für Touristen attraktiv. Der Lonely Planet, die «Bibel» der Individualreisenden, erklärte Burma hinter Uganda zur Nummer 2 unter den Top-10-Reisezielen für 2012.

Infrastruktur genügt nicht

Und damit beginnt das Problem: Die Infrastruktur ist nach jahrzehntelanger Isolation für einen Ansturm überhaupt nicht gerüstet. Das betrifft die Flughäfen, die Transportsysteme und eben die Hotels. «Wir brauchen grosse Hotelketten», sagte Kyi Kyi Aye, eine Beraterin der nationalen Tourismusbehörde, gegenüber der Nachrichtenagentur AP. «Der Tourismus boomt, und das bedeutet, dass wir viele Herausforderungen meistern müssen.»

Neue Gesetze sollen nun ausländische Investitionen erleichtern, denn grosse Ketten – etwa Starbucks und McDonald’s – glänzen bislang durch Abwesenheit, auch wegen den westlichen Sanktionen. Für viele Besucher macht dies einen Teil des Reizes von Burma als «unverfälschtes» Reiseziel aus. Doch eine Öffnung ist unerlässlich, um die Nachfrage zu bewältigen. Hinzu kommen andere Hindernisse: Kreditkarten werden nur in seltenen Fällen akzeptiert und ausländische Handys funktionieren nicht.

Thailand als Vor- und Schreckbild

Das Potenzial des Landes ist unbestritten: So reisten nach offiziellen Statistiken im Jahr 2010 etwa 4300 Schweizer nach Burma. Das ist ein Klacks im Vergleich mit den mehr als 150 000 Schweizer Touristen, die im gleichen Jahr ins benachbarte Thailand reisten. Die beiden Länder werden oft miteinander verglichen: Sie sind etwa gleich gross, mehrheitlich buddhistisch und verfügen über prächtige Landschaften, herrliche Strände und beeindruckende kulturelle Reichtümer.

Die beiden Nachbarstaaten wollen laut «The Irrawaddy» verstärkt zusammenarbeiten. So ist der internationale Flughafen von Bangkok schon heute ein wichtiges Eingangstor für Reisende nach Burma. Allerdings fürchten viele Burmesen die negativen Begleiterscheinungen des thailändischen Fremdenverkehrs, und eine davon besonders: den Sextourismus. In Thailand gibt es etwa zwei Millionen Prostituierte. Auch andere Fernost-Länder wie Kambodscha, Indonesien und die Philippinen haben in diesem Bereich einen zweifelhaften Ruf erworben.

Kulturtouristen bevorzugt

In Burmas konservativer Gesellschaft ist Sex ein Tabu. Trotzdem oder gerade deshalb könnte das Land zu einer neuen Destination für die entsprechende Klientel werden. «Wehret den Anfängen», lautet deshalb der Rat von Experten. Burma solle nicht auf Masse, sondern auf Klasse setzen und sich zu einem Reiseziel für eine gehobene, zahlenmässig limitierte Kundschaft entwickeln. Die Tourismusbehörde scheint dies zu beherzigen, sie will in erster Linie Kulturreisende ansprechen.

In diesem Bereich hat Burma viel zu bieten, vor allem unzählige buddhistische Tempel, angefangen mit der prächtigen Shwedagon-Pagode in Rangun. Die frühere Hauptstadt hat auch andere Qualitäten, etwa zahlreiche Bauwerke aus der britischen Kolonialzeit, wie der Historiker Thant Myint gegenüber AP ausführte: «Rangun ist eine der letzten Städte Asiens, in der viel Architektur aus dem 19. und 20. Jahrhundert erhalten geblieben ist. Wir haben ein enges Zeitfenster, um die schlimmsten Fehler zu vermeiden, die in der Region begangen wurden.»

Ein erster Schritt in die richtige Richtung fand bereits statt: Pläne für die Erteilung von Visa bei der Ankunft in Burma wurden vorläufig auf Eis gelegt. Sie hätten die Einreise massiv erleichtert und damit den Ansturm noch verstärkt. «Wir sind darauf einfach noch nicht vorbereitet», sagte Su Su Tin, die Inhaberin eines Reisebüros. Die Zahl der Touristen bleibt damit limitiert – zumindest auf absehbare Zeit.

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Ausgewählte Leser-Kommentare

Und was bitte soll denn an den Sextouristen so schlimm sein? Die bringen einiges mehr an Geld ins Land und haben auch den näheren Kontakt zur Bevölkerung als die Kulturtouristen die dem Fähnchen einer deutschsprachigen Reiseführerin nachlaufen. – Holger

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ueli am 06.04.2012 23:45 Report Diesen Beitrag melden

    Amerika lässt grüssen!

    Augerechnet Starbucks und McDonalds - und dann noch KFC, und viele Donutsläden! Hier in Thailand sind diese weit verbreitet und untergraben die traditionelle, thailändische Küche.

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  • Holger am 06.04.2012 19:50 Report Diesen Beitrag melden

    Ist Sextourismus schlimm?

    Und was bitte soll denn an den Sextouristen so schlimm sein? Die bringen einiges mehr an Geld ins Land und haben auch den näheren Kontakt zur Bevölkerung als die Kulturtouristen die dem Fähnchen einer deutschsprachigen Reiseführerin nachlaufen.

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  • john doe am 06.04.2012 22:12 Report Diesen Beitrag melden

    Minghalaba

    Myanmar braucht keinen McDonalds, Starbucks etc. Der Flughafen ist fuer int. Verhaeltnisse bescheiden denoch ausreichend und leicht ausbaufaehig, Guesthouse's, Hotels etc. sind genuegend vorhanden, speziell wenn man von Hotelkomplexen spricht; es gibt bloss nicht genuegend Guesthouse's mit Lizenz fuer Touristen. Obwohl auch schon mal 8xGuesthouses checken musste, auf der Strasse muss niemand schlafen. Sextourismus.. gibts schon jetzt.. nicht vergleichbar mit Thai/cambodia..aber nimmt staendig zu. Die Oeffnung des Landes sehe ich mit einem lachenden und weinendem Auge entgegen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Wolfgang Schneider am 09.04.2012 10:26 Report Diesen Beitrag melden

    Kein Problem, sondern Chance

    95 Prozent der 2 Millionen Prostituierten in Thailand arbeiten ausschließlich für einheimische Kunden. Die negativen Effekte des Sextourismus werden stark übertrieben. Die positiven Effekte, beispielsweise das starke Engagement internationaler Unternehmen im Königreich, werden hingegen gar nicht wahrgenommen. Auch nach Myanmar werden Sextouristen reisen, das ist nicht zu verhindern. Hoffentlich macht das Land das Beste daraus!

  • Reto Hug am 07.04.2012 12:54 Report Diesen Beitrag melden

    Sextourismus?

    Da Burma abgeschottet ist, und die Verhältnisse jenen Thailands vor 40J. entsprechen hoffe ich das Sie nicht von Touristen überrennt werden in kürze, das bringt zwar Devisen aber auch Sextouristen und das schadet nur letztendlich! Was Thailand betrifft alles Propaganda, 90% oder mehr der Falangs arbeiten, Leben hier oder sind Verheiratet und Leben das echte Thailand was sehr vielfältig ist. Der Sextourismus beschränkt sich auf teile von Pattaya zbsp. aber man kann ja ein Bogen darum machen so wie ich! 20min. ausserhalb kriegt man davon nix mehr mit, im Rest des Landes sowieso, aufhören Bitte!

    • Tinu am 07.04.2012 15:06 Report Diesen Beitrag melden

      Andere Asiaten erzählen anderes

      Mein Wohnungnachbar aus Japan erzählt aber was ganz anderes. Ich glaube IHM, schliesslich ist er Asiate und wird dies Bestens kennen. Schweizer sind voreingenommen.

    • Reto Hug am 08.04.2012 18:28 Report Diesen Beitrag melden

      Wie Bitte?

      Was ein Japaner erzählt? Ich lebe seit Jahren hier im Gegensatz zu 99,9 der Kommentatoren! Ist wie wenn Dir ein Spanier erklären will was ich Griechenland so abgeht, obwohl beide Europäer weiss jeder der wohl mom. in Griechendland lebt mehr darüber oder? Vergleich verstanden? Japan und Thailand sind absolut NICHT miteinander vergleichbar.....lächerlich Sorry! Oder Vergleich mal Italien und Schweden miteinander sind ja beides EU-Länder gäll......!

    • dome am 08.04.2012 20:01 Report Diesen Beitrag melden

      Sextourissmus in den Touriballungsgebiet

      Also ich war schon mehrfach in thailand und einmal in Burma. Der Sextourismus ist in Thailand wie in den Nachbarländer ein riesen Problem! Aber es ist auch richtig dass sich dieser vorallem an Touristischenhochburgen statfindet. verlässt man dies Grauenhafte orte wie Pathya, Phuket etc. bekommt man kaum was vom Sexbussines mit.

    • Thai Resident am 09.04.2012 05:58 Report Diesen Beitrag melden

      Tourismuserscheinung?

      Vom Sextourismus bekommt man in der Provinz vielleicht nicht viel mit, vom Sexbusiness hingegen schon. Das Sexbusiness ist in der thailändischen Gesellschaft fest verankert und war das schon lange bevor der Massentourismus begann. Insgesamt arbeiten im ganzen Land viel mehr käufliche Damen als in den einschlägigen Tourismusorten.

    • Sascha am 09.04.2012 08:45 Report Diesen Beitrag melden

      Wie bitte? II

      Reto hat absolut recht! Die imperialistische Sozialkritik der schweizerischen Buenzli's die hoechstens einmal in Thailand in den Ferien waren sind hoechst unqualifiziert und falsch. Zudem was hier nicht geschrieben wird: Prostitution ist in allen asiatischen Laendern kulturell absolut verkankert, ein wichtiger Bestandteil lokaler Gepflegenheiten und mehr als akzeptiert. Zum Beispiel gibts in Thailand mehr Prostituierte fuer die lokalen Maenner als welche fuer Touristen welche sich vor allem nur in wenigen Orten wie Pattaya, Phuket, Bangkok etc. tummeln.

    • Ruhig am 09.04.2012 14:49 Report Diesen Beitrag melden

      Etwas Moral schadet nicht

      Wenn ich diese Comments hier so lese, ich bin Bünzli. Dies mit Leib und Seele- und wohl ist mir dabei.

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  • Eidgenosse am 07.04.2012 12:36 Report Diesen Beitrag melden

    Alles zerstört durch Touris

    Burma hat recht. Schaut zu Euch. Sonst wird der Tourismus auch Euch zerstören. Wäre schade wenn ganz Asien dieses "Sex makel" hätte. Ich möchte nämlich auch gerne eine Kulturreise machen. OHNE SEX. Nur Ruhe und geniessen der schönen Monumente. Ihr habt meine Unterstützung. Nach Thai und Phil kann man als Normalo gar nicht mehr hingehen wenn man noch so etwas wie Moral hat.

    • Gerhard B. am 07.04.2012 17:17 Report Diesen Beitrag melden

      Sie haben doch gar keine Ahnung ...

      von den Philippinen und Thailand und waren wahrscheinlich gar noch nie dort sonst würden Sie nicht so einen Blödsinn von sich geben. Die "Sexgebiete" in diesen Ländern beschränken sich auf gewisse Orte um welche man ohne Probleme einen Bogen machen kann und einer Kulturreise steht, auch für Sie, nichts mehr im Wege. Sie müssten sich nur richtig, oder bei bei den richtigen Leuten, informieren!

    • dill dabb am 07.04.2012 18:34 Report Diesen Beitrag melden

      blödsinn

      so ein blödsinn! besuchen sie eidgenosse diese länder erstmals bevor sie darüber berichten,

    • Mascel am 08.04.2012 11:33 Report Diesen Beitrag melden

      Was für ein Eidgenosse

      Dann bleib doch bitte gleich zuhause. Viele schieben jeweils die ´Kultur´ vor, die sie angeblich bewogen hätte, hier her zu kommen. Sie benehmen sich dann aber total daneben, verachten die lokale Bevölkerung, und schauen auf die Thaifrauen herab. Und dies nicht nur wegen ihrer überlegenen Grösse! Ist das nicht schlimmer als ein Seitensprung?

    • Andy am 09.04.2012 10:54 Report Diesen Beitrag melden

      Kompletter Blödsinn

      @Eidgenosse: Wenn Sie in denn PH reisen werden Sie kaum etwas von Sextourismus mitbekommen. Ausser Sie suchen speziell solche Lokalitäten. Diese bechränken sich auf wenige Orte. Der Rest der hunderte von Insel kennt dieses Problem nicht. Ahja, ich lebe auf den Philippinen und, verglichen mit ZH ist meine Stadt hier ein Paradies! Weder Junkies, Rotlichtmeilen noch alkoholisierte Randalierer.

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  • Johnny am 07.04.2012 10:25 Report Diesen Beitrag melden

    Sex in Zürich

    Und wie sieht es mit dem Sextourismus in Zürich aus. Etwa besser?

  • Asienkennet am 07.04.2012 09:42 Report Diesen Beitrag melden

    Der Sextourismus

    ist sicher keine sehr gute Entwicklung, aber es wird hier vergessen, dass andere Entwicklungen viel groesseren Schaden fuer das Land und die Region bedeuten. So wurde z.B. ende 2010 eine Free trade zone eingerichet und ein Milliardenvertrag mit Thailand unterzeichnet, dass den Thais erlaubt Kraftwerke zu betreiben (ohne Umweltauflagen) und die Energie nach Thailand zu liefern.. auch die geplante sonstige Industrie die sich dort ansiedeln soll (Chemie, Pharma etc.) will sicherlich von den guenstigen Prod.bedingungen profitieren...im Uebrigen wurden mehr als 50'000 Einwohner Zwangsumgesiedelt..