Bericht kritisiert

20. Juli 2011 09:01; Akt: 20.07.2011 17:09 Print

Murdoch-Konzern hat Ermittlungen behindert

Der Untersuchungsausschuss des britischen Parlaments erhebt schwere Vorwürfe an die Adresse von News International. Auch Scotland Yard muss scharfe Kritik einstecken.

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Die britische Boulevardzeitung «News of the World» ist nach einem der grössten Medienskandale in der Geschichte des Vereinigten Königreichs eingestellt worden. Im Folgenden eine Chronologie von Ereignissen im Zusammenhang mit dem Abhörskandal und ihren Auswirkungen. Der Königshausberichterstatter der «News of the World», Clive Goodman, schreibt einen Artikel über eine Knieverletzung von Prinz William. Der Palast schaltet die Polizei ein, die Ermittlungen aufnimmt. Auch Kate Middletons Telefonate wurden mindestens 155-mal abgehört. Die meisten Anrufe der späteren Frau von Prinz William habe er kurz vor seiner Verhaftung im gehackt, sagte Clive Goodman. Goodman (im Bild) wird zusammen mit dem Privatdetektiv Glenn Mulcaire festgenommen, weil er in das Voicemail-System von Palastmitarbeitern eingedrungen sein soll. Goodman wird zu vier Monaten Haft verurteilt, Mulcaire (im Bild) erhält eine sechsmonatige Haftstrafe. Der Redakteur Andy Coulson tritt zurück. Der konservative Oppositionsführer David Cameron bittet Coulson (rechts), sein Medienberater zu werden. Coulson sagt vor einem Parlamentsausschuss aus, er habe niemals Abhöraktionen genehmigt. Die ehemalige Chefredakteurin der «News of the World» und später der Schwesterzeitung «The Sun», Rebekah Brooks, wird Chefin des Verlagshauses News International. Der Parlamentsausschuss findet keine Beweise dafür, dass Coulson von den Abhöraktionen wusste. Die Mitglieder erklärten aber gleichzeitig, es sei unvorstellbar, dass ausser Goodman niemand davon Kenntnis gehabt habe. Cameron wird Premierminister. Coulson wird zum Kommunikationschef der neuen Regierung ernannt. Die britische Polizei nimmt erneut Ermittlungen auf. Coulson legt sein Regierungsamt nieder. «News of the World» bezahlt der Schauspielerin Sienna Miller 113'000 Euro, um Vorwürfe einer Abhöraktion aussergerichtlich beizulegen. Eine weitere aussergerichtliche Einigung folgt, dieses Mal mit ehemaligen Fussballprofi Andy Gray. Die Zeitung «The Guardian» berichtet, die «News of the World» habe das Handy der ermordeten 13-jährigen Milly Dowler angezapft. Brooks sei in dieser Zeit Chefredaktorin gewesen. Diese lehnt einen Rücktritt ab und erklärt, sie habe nichts von derartigen Aktionen gewusst. Anzeigenkunden der «News of the World» boykottieren die Zeitung. News International kündigt die Einstellung der «News of the World» an. Coulson wird vorübergehend festgenommen. Goodman wird erneut verhaftet, dieses Mal wegen Zahlung von Bestechungsgeldern an Polizisten. Cameron kündigt Untersuchungen an. Die «News of the World» erscheint zum letzten Mal. Verleger Rupert Murdoch (im Bild) fliegt wegen der Krise nach London. Der Konzern News Corp. zieht sein Angebot zurück, den Sender Sky News auszugliedern. Dieser Schritt war Voraussetzung für die geplante Übernahme des Fernsehsenders British Broadcasting (BSkyB). Berichte über versuchte Abhöraktionen gegen führende Mitglieder des Königshauses und den früheren Premierminister Gordon Brown tauchen auf. Cameron unterstützt eine Aufforderung der Opposition an Murdoch, den Kauf von BSkyB nicht länger voranzutreiben. News Corp. verzichtet auf eine vollständige Übernahme von BSkyB. Die ehemalige Chefredaktorin Rebekah Brooks trat als Chefin des Verlags News International zurück. Brooks erklärte in einer Mitteilung an die Belegschaft, der Ruf des Unternehmens stehe auf dem Spiel. Die Ex-Chefredaktorin Rebekah Brooks wird festgenommen. Mit ihr ist erstmals eine Top-Managerin des Murdoch-Imperiums in Polizeihaft genommen worden. Der Chef der Londoner Metropolitan Police, Sir Paul Stephenson, tritt zurück. Stephenson war ins Kreuzfeuer der Kritik geraten, als bekannt worden war, dass er sich einen Kuraufenthalt teilweise hatte bezahlen lassen. Einen Tag nach dem Rücktritt des Chefs der Londoner Polizei hat auch dessen Stellvertreter auf die Abhör- und Bestechungsaffäre reagiert und den Hut genommen. Der zweithöchste Beamte bei Scotland Yard, John Yates, gab seinen Rücktritt bekannt.

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Murdochs britischer Konzern News International soll die Ermittlungen um den Abhörskandal bei seiner Boulevardzeitung «News of the World» behindert haben. Zu diesem Schluss kommt ein Untersuchungsausschuss des britischen Parlaments.

Der britische Ableger des Medienimperiums von Rupert Murdoch habe bewusst versucht, die verschiedenen Ermittlungsverfahren in der Affäre zu vereiteln, heisst es in einem am Mittwoch in London veröffentlichen Bericht.

Ausserdem stellte der Ausschuss «Versäumnisse» bei Scotland Yard fest. Die ersten Ermittlungen in den Jahren 2005 und 2006 seien «sehr mangelhaft» gewesen. Scotland-Yard-Vize John Yates, der am Montag den Rücktritt eingereicht hatte, habe sich «ernsthafte Fehleinschätzungen» geleistet.

«Bewusst» Tatsachen verdunkelt

Besonders schwere Vorwürfe erhob der überparteiliche Ausschuss gegen Yates' Vorgänger Andy Hayman, der für die ersten Ermittlung verantwortlich gewesen war.

Der frühere Vizechef von Scotland Yard habe «bewusst» Tatsachen verdunkelt. Hayman hatte nach seinem Abgang bei der Polizei als Kolumnist für das Murdoch-Blatt «The Times» gearbeitet.

Polizisten bezahlt

Die Parlamentarier forderten eine «rasche und sorgfältige Untersuchung» der Vorwürfe, dass Reporter der inzwischen eingestellten «News of the World» Polizisten für Informationen bezahlt hätten.

Ausserdem verlangten sie zusätzliche Mittel für die im Januar wieder aufgenommenen Ermittlungen zum Abhörskandal bei dem Boulevardblatt.

Journalisten der Zeitung hatten nicht nur Prominente abgehört, sondern knackten offenbar auch Handy-Mailboxen der Angehörigen von getöteten Soldaten sowie eines ermordeten Mädchens.

Das britische Parlament kommt am Mittwoch zu einer ausserordentlichen Debatte zum Abhörskandal zusammen. Von grösstem Interesse werden dabei die Aussagen von Premier David Cameron sein.

Stärkung für Murdochs Konzern

Der 80-jährige Firmenchef Rupert Murdoch und sein Sohn James hatten am Dienstag vor dem Medienausschuss des Parlaments jede Mitwisserschaft an kriminellen Machenschaften von Journalisten des Blatts «News of the World» zurückgewiesen.

Sie äusserten sich aber bestürzt über das Abhören Tausender Mobiltelefone sowie Schmiergeldzahlungen an die Polizei und entschuldigten sich dafür.

In einer am Mitwoch an seine Angestellten verbreiteten Botschaft zeigte sich Rupert Murdoch überzeugt, dass sein Konzern gestärkt aus der Affäre hervorgehen werde. Der Medienkonzern News Corp werde sich «zu einem stärkeren Unternehmen entwickeln».

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • andre n. am 20.07.2011 10:46 Report Diesen Beitrag melden

    die schweiz wäscht weisser

    wenn irgendeiner auch nur denkt, dass dies ein einzelfall ist, dann hat er sich getäuscht. auch in anderen ländern wird dies so gehandhabt.... aber wie jean ziegler einmal schrieb: "die schweiz wäscht weisser"

  • wakeup am 20.07.2011 11:20 Report Diesen Beitrag melden

    wird sich nichts ändern

    Murdoch und die anderen Beteiligten werden zu 100% sauber aus dieser Affäre kommen. Sie besitzen einfach zu viel Macht, mehr Macht als Cameron, mehr Macht als die Polizei. Money rules the world. Wird sich rein gaaar nichts ändern, weiterhin wird abgehört, korruption betrieben, gelogen.

  • MadChengi am 20.07.2011 13:12 Report Diesen Beitrag melden

    Bye bye Fox News/TV

    Könnte es sein, dass da...irgendwer den Murdoch-Konzern incl. FOX zerschlagen will?? Wenn ich mal zitieren darf: F.D. Roosevelt: In der Politik geschieht nichts zufällig. Wenn etwas geschieht, dann kann man sicher sein, dass es auf diese Weise geplant war

Die neusten Leser-Kommentare

  • MadChengi am 20.07.2011 13:12 Report Diesen Beitrag melden

    Bye bye Fox News/TV

    Könnte es sein, dass da...irgendwer den Murdoch-Konzern incl. FOX zerschlagen will?? Wenn ich mal zitieren darf: F.D. Roosevelt: In der Politik geschieht nichts zufällig. Wenn etwas geschieht, dann kann man sicher sein, dass es auf diese Weise geplant war

  • wakeup am 20.07.2011 11:20 Report Diesen Beitrag melden

    wird sich nichts ändern

    Murdoch und die anderen Beteiligten werden zu 100% sauber aus dieser Affäre kommen. Sie besitzen einfach zu viel Macht, mehr Macht als Cameron, mehr Macht als die Polizei. Money rules the world. Wird sich rein gaaar nichts ändern, weiterhin wird abgehört, korruption betrieben, gelogen.

  • andre n. am 20.07.2011 10:46 Report Diesen Beitrag melden

    die schweiz wäscht weisser

    wenn irgendeiner auch nur denkt, dass dies ein einzelfall ist, dann hat er sich getäuscht. auch in anderen ländern wird dies so gehandhabt.... aber wie jean ziegler einmal schrieb: "die schweiz wäscht weisser"