Terror in Spanien

18. August 2017 06:23; Akt: 19.08.2017 07:40 Print

Was wir wissen – und was nicht

Drei Vorfälle erschüttern Spanien. Hier ein Überblick, was bisher dazu bekannt ist.

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Zehntausende nahmen an einem Marsch gegen Terrorismus in Barcelona teil. König Felipe VI (Mitte) steht zwischen dem Premierminister Mariano Rajoy (links) und dem Präsidenten Kataloniens, Carles Puigdemont (rechts). (26. August 2017) Menschen haben Einsatzfahrzeuge der Polizei mit Blumen zugedeckt. Auf dem Plakat steht «Recht und Friede». (26. August 2017) Polizisten zünden in Cambrils Kerzen für die Opfer an. (25. August 2017) Wieder auf freiem Fuss: Polizisten führen Salah El Karib ins Gericht. (22. August 2017) Ein Richter hat die Ausschaffung von Imam Abdelbaki Es Satty im März 2015 gestoppt, erklärten die Behörden am Mittwoch: Ein Bild des Kopf der Terrorzelle von Katalonien. Bild: Twitter Anhörung in Madrid: Neben dem 34-Jährigen müssen sich Mohamed Houli Chemlal ... ... und Driss Oukabir vor dem Richter verantworten. Die spanische Polizei hat im Versteck der Terrorzelle von Katalonien einen echten Sprengstoffgürtel gefunden: Die Ermittler in Katalonien arbeiten auf Hochtouren. (22. August 2017) Die Terrorzelle hatte eigentlich einen noch grösseren Anschlag mit Sprengstoff geplant – unter anderem wollten die Jihadisten die Sagrada Família in die Luft sprengen, wie einer der Jihadisten vor Gericht aussagte: Ein Polizist vor der Basilika Sagrada Família in Barcelona. (20. August 2017) Das Tatortfahrzeug von Cambrils war vor dem Anschlag im Raum Paris geblitzt worden: Der schwarze Audi, mit dem die Angreifer auf der Strandpromenade von Cambrils Menschen überfuhren – eine Frau erlag später ihren Verletzungen, fünf weitere Personen wurden verletzt. Die fünf Angreifer wurden von der Polizei erschossen. (18. August 2017) Ramblas-Fahrer erschossen: Polizeieinsatz in Subirats, einem westlichen Vorort Barcelona. (21. August 2017) Im Weinberg Ventura Soler wurde der 22-jährige Younes Abouyaaqoub getötet. Polizisten bewachen in Subirats einen Strassenabschnitt. Sprengstoffspezialisten kommen zum Einsatz. Wenige Sekunden nach dem Anschlag: Aufnahmen einer Überwachungskamera bei der Markthalle «La Boqueria» sollen angeblich den Hauptverdächtigen zeigen. Nach Younes Abouyaaqoub wird in ganz Europa gesucht. Der 22-jährige Marokkaner hat den Lieferwagen in Barcelona gelenkt, wie die Ermittler bestätigen. Der Fahrer des Anschlagsfahrzeugs könnte nach Frankreich geflüchtet sein: Die Polizei kontrolliert Grenzübergänge. (20. August 20017) Der in Marokko geborene 22-jährige Younes Abouyaaqoub wird gesucht. (20. August 20017) Die spanische Polizei kontrolliert Fahrzeuge an der Grenze zu Frankreich. (20. August 20017) Die spanische Polizei kontrolliert Fahrzeuge an der Grenze zu Frankreich. (20. August 20017) Die spanische Polizei kontrolliert Fahrzeuge an der Grenze zu Frankreich. (20. August 20017) Polizei hat Anschlagspläne durchkreuzt: Eine Polizistin in Alcanar vor Dutzenden Gasflaschen. In der Basilika Sagrada Familia in Barcelona haben Hunderte Menschen der Opfer der Terroranschläge gedacht. An der Messe am Sonntag in dem weltberühmten Gotteshaus nahmen auch das spanische Königspaar Felipe VI. und Letizia teil. (20. August 2017) Antwort auf den Terror: Familienangehörige der mutmasslichen Terroristen gehen in Ripoll auf die Strasse. (19. August 2017) «Nicht in meinem Namen»: Eine Frau hält in Ripoll ein Plakat in die Luft um zu zeigen, dass sie sich von Terror distanziert. (19. August 2017) Der spanische Innenminister Ignacio Zoido sagte nach einer Sitzung mit Experten, man könne «praktisch sagen», dass die Terrorzelle hinter den Anschlägen in Barcelona und Cambrils «total zerschlagen» sei. Die katalanische Polizei widersprach ihm postwendend. (Symbolbild) Hier soll der Imam Abdelbaki Es Satty gewohnt haben: Nach den Anschlägen von Barcelona und Cambrils hat die Polizei die Wohnung in Ripoll durchsucht. (19. August 2017) Flaggen wehen auf Halbmast: Der Palacio de Cibeles in Madrid. (18. August 2017) Am Freitagabend leuchtete die Fassade des Gebäudes, das Sitz der Stadtverwaltung Madrids ist, in den Farben der Flaggen Barcelonas. (18. August 2017) Im Zentrum Madrids haben die Behörden Zufahrten zu Fussgängerzonen mit Blumenkisten aus Beton blockieren lassen. Bewaffnete Polizisten bewachen die Las Ramblas (19. August 2017) Am Samstag waren noch 54 Verletzte hospitalisiert, zwölf von ihnen befinden sich in kritischem Zustand: Die Königsfamilie besuchte Opfer der Anschläge in verschiedenen Spitälern – im Bild spricht Prinzessin Letizia mit einem Verletzten in Barcelona. (19. August 2017) Grossfahndung: Katalanische Polizisten führen einen Verdächtigen in Handschellen ab. Ort des tödlichen Anschlags: Menschen versammeln sich am Abend um eine Gedenkstätte auf der Ramblas. (18. August 2017) Am Tag nach dem Anschlag: Eine Polizistin steht auf der Ramblas in Barcelona. (18. August 2017) Die Trümmer eines Hauses in Alcanar, einem Ort rund 200 Kilometer südlich von Barcelona. Hier hatte sich in der Nacht auf Donnerstag eine Explosion ereignet. Die Polizei berichtete von einem Zusammenhang mit dem Terroranschlag in Barcelona. Tausende Menschen versammelten sich um 12 Uhr auf der Placa de Catalunya, wo die tödliche Attacke am Vorabend ihren Anfang nahm, um der Opfer zu gedenken. (18. August 2017) Tatort Cambrils: Die Angreifer rasten auf der Strandpromenade in die Menge, bevor sie von Sicherheitskräften gestoppt wurden. Der Tag danach: Die mediale Aufarbeitung der Attacke in Barcelona beginnt. (18. August 2017) Der Bruder des Verhafteten: Die spanische Polizei sucht nach Mussa Oukabir, der Bruder des in Ripoll verhafteten Driss Oukabir. (Quelle: Facebook) Die Polizei gab dieses Fahndungsfoto von Driss Oukabir heraus. Am Abend wurde aber bekannt, dass er sich bei der Polizei gemeldet haben soll. Angeblich sei ihm der Ausweis gestohlen worden. Das Fahrzeug, welches in Barcelona 13 Menschen getötet hat, wird abtransportiert. (18. August 2017) Sieben Verletzte, darunter ein Polizist: Sicherheitskräfte sperren in Cambrils eine Strasse ab. (18. August 2017) Spanische Polizisten durchsuchen in Cambrils ein Auto. (18. August 2017) Beschädigter Lieferwagen im Hintergrund: Grosses Polizeiaufgebot auf den Ramblas nach dem Anschlag. (17. August 2017) «Gespenstisch ruhig»: Die Ramblas am Abend nach dem Anschlag. Politiker und Spitzensportler haben auf den Terroranschlag in Barcelona reagiert: Die britische Premierministerin Theresa May spricht von einem «sinnlosen Verlust von Menschenleben.» (Archivbild) Die Betroffenheit ist überall gross. Die Polizei sichert die Gegend ab. Bei der Evakuierung einer Burger-King-Filiale bittet die Polizei die Gäste, das Lokal mit erhobenen Händen zu verlassen. Familien flüchten vom Anschlagsort. Verletzte werden vor Ort versorgt. Passanten helfen einer verletzten Person auf der Ramblas. Eine verletzte Person wird von Passanten und Einsatzkräften der Polizei getragen. Schwerbewaffnete Polizeieinheiten suchen nach dem Verdächtigen: Nach spanischem Gesetz müssen ihre Gesichter verpixelt werden. Um Verletzte sorgen sich die Einsatzkräfte vor Ort. Passanten flüchten nach dem Vorfall. Eine Person wird von Rettungskräften aus dem Einkaufshaus «El Corte Inglés» getragen. (17. August 2017) Der Fahrer des Lieferwagens soll noch flüchtig sein: Auf Twitter verbreiteten sich schnell Bilder von Augenzeugen des Vorfalls. Polizei und Sanität auf dem abgesperrten Boulevard Las Ramblas. Nachdem ein weisser Lieferwagen in Passanten gerast ist, wird der Bereich abgesperrt. Polizisten sind auch in Zivil unterwegs. Naheliegende U-Bahn-Stationen und andere öffentliche Verkehrsmittel seien geschlossen worden.

Zum Thema
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Der Terroranschlag von Barcelona stellt sich wohl als Werk einer organisierten Gruppe heraus. Die Ermittler ordneten der mutmasslichen Terrorzelle drei Vorfälle zu: Den schweren Anschlag mit einem Kleintransporter auf Barcelonas Flaniermeile Las Ramblas, bei dem am Donnerstag 13 Passanten getötet wurden, einen vereitelten Angriff in der Küstenstadt Cambrils und die Explosion in einem Wohnhaus in der Ortschaft Alcanar. Ein Überblick über die bisher bekannten Fakten zu den Anschlägen:

Was passierte in Barcelona?

Ein Lieferwagen raste am Donnerstag gegen 17 Uhr auf der Flaniermeile Las Ramblas im Zickzack in Menschen. Medien zufolge legte der Fahrer gut 550 Meter zurück und flüchtete dann zu Fuss.

Wer sind die Opfer?

Insgesamt wurden nach Behördenangaben 14 Menschen getötet und 126 verletzt. Die Opfer von Barcelona und Cambrils stammten nach vorläufigen Angaben aus 34 Ländern. Bis zum Samstagmorgen waren noch vier Tote nicht identifiziert.

Was ist zum Tatfahrzeug bekannt?

Das Tatfahrzeug war ein gemieteter weisser Lieferwagen. Ein zweiter Transporter, mit dem der oder die Attentäter womöglich hätten fliehen wollen, wurde Zeitungsberichten zufolge nahe Barcelona gefunden.

Was geschah beim Anti-Terror-Einsatz in Cambrils?

In dem Badeort südwestlich von Barcelona erschossen Einsatzkräfte fünf mutmassliche Terroristen. Medien zufolge waren die Männer in einem Wagen von der Polizei kontrolliert worden. Auf der Flucht fuhren sie Passanten an, eine Frau kam dabei ums Leben. Bei den Sprengstoffgürteln der Verdächtigen handelte es sich der Polizei zufolge um Attrappen.

Was wissen wir zum Vorfall in Alcanar?

In der Ortschaft in der Provinz Tarragona war am Mittwoch bei der Explosion in einem Wohnhaus ein Mensch ums Leben gekommen. Sieben weitere wurden verletzt. Es gebe «klare» Verbindungen zu dem Anschlag in Barcelona, sagte der katalanische Polizeichef. Dieser sei in Alcanar vermutlich vorbereitet worden.

Wer wurde festgenommen?

In Ripoll 100 Kilometer nördlich von Barcelona, in Cambrils und im nochmals weiter südlichen Alcanar nahm die Polizei vier mutmassliche Terroristen fest. Keiner von ihnen sei bis dahin durch terroristische Aktivitäten in Erscheinung getreten. Drei weitere Verdächtige seien identifiziert worden, teilte die Polizei mit.

Wer steckt dahinter?

Die IS-Terrormiliz reklamierte laut ihrem Sprachrohr Amak den Anschlag für sich. Von den Behörden in Spanien gab es dazu zunächst keine Äusserungen.

Wie reagiert Spanien?

Die Regierung ruft eine dreitägige Staatstrauer aus, die ab Freitag gilt. Regierungschef Mariano Rajoy begibt sich nach Barcelona und erklärt: «Wir sind vereint im Schmerz. Aber wir sind vor allem vereint im Willen, diesem Wahnsinn und dieser Barbarei ein Ende zu bereiten.» König Felipe VI. erklärt: «Sie werden uns nicht terrorisieren. Ganz Spanien ist Barcelona.»

Hat der Anschlag Vorläufer?

Die Attentate erinnern an Anschläge in Nizza, Berlin oder London, wo die Täter ebenfalls mit Fahrzeugen in Menschenmengen rasten. Bisher war Spanien von Attacken der IS-Miliz weitgehend verschont geblieben. Allerdings war die Hauptstadt Madrid Schauplatz des bisher blutigsten islamistischen Anschlags auf europäischem Boden: Am 11. März 2004 töteten Terroristen mit Bomben in Regionalzügen 191 Menschen. Zu der Tat bekannte sich das Terrornetzwerk al-Qaida.

Was wir derzeit nicht wissen: Die Identität der mutmasslichen Terroristen?

Die Polizei geht nach eigenen Angaben von einer zwölfköpfigen Zelle aus. Fünf der mutmasslichen Attentäter seien bei dem Anti-Terror-Einsatz in Cambrils getötet worden. Vier wurden demnach verhaftet, zwei weitere starben möglicherweise bei der Explosion in Alcanar. Nach einem weiteren Verdächtigen wird nach übereinstimmenden Medienberichten gefahndet. Er könnte in Richtung Frankreich geflüchtet sein – auch die dortige Polizei wurde alarmiert.

Wer ist der Haupttäter?

Die Sicherheitskräfte teilten mit, sie fahndeten nach einem 17-jährigen mit dem Namen Moussa Oukabir als Haupttäter. Er soll seinem älteren Bruder dessen Pass gestohlen und damit den Transporter angemietet haben, mit dem der Terroranschlag auf der Flaniermeile Las Ramblas verübt wurde. Ob er auch selbst der Fahrer war, blieb unklar.

Was ist das Motiv?

Die spanische Polizei spricht von einem Terroranschlag. Die auf jihadistische Propaganda spezialisierte Site Intelligence Group berichtete, IS-Anhänger hätten in sozialen Netzwerken den Anschlag ähnlich gefeiert wie seinerzeit die Attacke in Manchester.

Befand sich das Zentrum der Terrorzelle in Alcanar?

Dies berichtete die Zeitung «El País». Die Polizei vermute, dass in dem durch eine Explosion zerstörten Gebäude im äussersten Süden der Region Katalonien ein Sprengsatz gebaut wurde, so das Blatt. Die Polizei sprach von «klaren» Verbindungen. Am Freitag fanden Ermittler weitere «biologische Überreste» - möglicherweise eine weitere Leiche. Laut «El País» wurden in dem Gebäude etwa 20 Gasflaschen gelagert. Zudem seien Spuren des Sprengstoffs TATP entdeckt worden. Triacetontriperoxid wurde auch bei früheren Terroranschlägen in London und Paris benutzt.

(chk/roy/sda)