Christliche Minderheiten

10. April 2017 20:59; Akt: 11.04.2017 01:36 Print

200 Millionen werden verfolgt und unterdrückt

In zahlreichen Ländern der Welt leben Christen als Minderheiten. In einigen dieser Länder müssen sie praktisch täglich um ihr Leben fürchten.

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Die christliche Bevölkerungsminderheit der Kopten in Ägypten steht selten im Fokus der Weltöffentlichkeit. Und wenn, dann im Zusammenhang mit Angriffen auf ihre Mitglieder. Bei zwei Anschlägen, zu denen sich die Terrormiliz Islamischer Staat bekannte, wurden in Ägypten am Wochenende über 60 Kopten getötet, unzählige weitere verletzt.

Weltweit leben nach Angaben des Pew Research Center rund 200 Millionen Christen – etwa zehn Prozent aller Christen weltweit – in Ländern, in denen sie eine religiöse Minderheit darstellen. Während das in Ländern wie Japan (2,3 Prozent), Südkorea (29,2 Prozent) oder Tschechien (34 Prozent) unproblematisch ist, werden Christen in verschiedenen Ländern teils massiv verfolgt, eingeschränkt und werden Opfer von Gewalt. In den folgenden Ländern werden die christlichen Minderheiten besonders oft und heftig attackiert:

Afghanistan

Nach offizieller Rechtssprechung gibt es in Afghanistan keine christlichen Bürger. Jene Menschen, die sich als Christen sehen oder zum Christentum konvertieren, müssen das im Geheimen tun. Die genaue Zahl, der in Afghanistan lebenden Christen ist darum nicht bekannt, die Schätzungen gehen von 6000 bis rund 30'000. Das einzige offizielle christliche Gotteshaus ist eine katholische Kapelle in der italienischen Botschaft. Dass die wenigen Christen im Land gut daran tun, ihre Religion geheim zu halten, zeigen die gelegentlichen Anschläge auf Ausländer, die der Missionierung verdächtigt werden, wie zum Beispiel kirchliche Hilfsorganisationen.

China

Die genaue Anzahl Christen in China ist unbekannt, Schätzungen gehen weit auseinander und unterscheiden sich um Dutzende Millionen. Das Pew Research Center geht von ca. 67 Millionen aus. Zwar werden die Christen Chinas nicht offen verfolgt, sie sind aber extremer Überwachung ausgesetzt. Viele organisieren sich darum in Untergrundkirchen, die allerdings vom Staat verfolgt werden. Menschenrechtsorganisationen gehen davon aus, dass Tausende Christen wegen ihres Glaubens in Haft sind.

Indien

Die brutalsten Angriffe auf die christliche Minderheit in Indien ereignete sich im Jahr 2008, als im ostindischen Staat Orissa mindestens 90 Menschen getötet und über 50'000 vertrieben sowie rund 170 Kirchen durch hinduistische Extremisten zerstört wurden. Dabei handelt es sich nur um einen von zahlreichen Zwischenfällen, bei denen Kirchen angezündet und Christen getötet wurden. Die Gewalt gegen diese Minderheit geht mehrheitlich von rechtsextremen, nationalistischen Hindu-Gruppen aus.

Indonesien

Hier leben mehr als 20 Millionen Christen, für ein asiatisches Land sehr viel. Bei 250 Millionen Einwohnern, davon fast 90 Prozent Muslime, sind sie trotzdem nur eine kleine Minderheit. Eigentlich ist Indonesien für eine vergleichsweise tolerante Lesart des Islam bekannt. In letzter Zeit machen aber auch dort radikale Prediger zunehmend Front gegen Christen. Gegen den christlichen Gouverneur der Hauptstadt Jakarta gingen Hunderttausende auf die Strassen. Ihm wird vorgeworfen, im Wahlkampf den Koran beleidigt zu haben. Deshalb steht er nun auch vor Gericht.

Irak

Christen sind ein fester Bestandteil der irakischen Gesellschaft und eine der ältesten christlichen Gemeinschaften der Welt. Allerdings erleben die Gemeinden seit langem einen Exodus, der die Minderheit immer kleiner werden lässt. Vor allem radikale sunnitische Gruppen terrorisieren die Christen. So hat die Terrormiliz IS Christen – wie auch Angehörige anderer Religionen – getötet, verschleppt, vertrieben und ihre Einrichtungen zerstört. Auch hier gehen die Schätzungen der effektiven Anzahl auseinander. Laut CIA World Fact Book soll der Anteil 2015 nur noch 0,8 Prozent der Bevölkerung betragen haben, Tendenz weiter sinkend.

Iran

Die mehrheitlich armenisch-apostolischen Christen im Iran können ihren Glauben relativ unbehelligt praktizieren. Das islamische System geht jedoch vehement gegen jegliche christliche Missionierung vor. Iranischen Muslimen, die durch solche Missionierungen zum Christentum konvertieren, drohen lange Haftstrafen, manchen von ihnen sogar die Todesstrafe.

Nigeria

In Nigeria trifft die Bezeichnung Minderheit praktisch nicht mehr zu. Allerdings sind die Christen vor allem im mehrheitlich muslimischen Norden des Landes extremer Gewalt ausgesetzt, primär durch die Terrorgruppe Boko Haram. Einige der brutalsten Angriffe ereigneten sich um Weihnachten 2010 als über 200 Menschen in einer Serie von Attacken brutal ermordet wurden. Die Gewalt hat zusätzlich zugenommen, seit in mehreren Regionen im Norden die islamische Scharia als Gesetz angewendet wird.

Nordkorea

Nach Angaben des Koreanischen Christenbunds KCF sind etwa 14'000 Menschen der schätzungsweise 25 Millionen Einwohner Nordkoreas Christen. Verlässliche Angaben über die Grösse der katholischen und evangelischen Gemeinden gibt es jedoch nicht und Schätzungen gehen weit auseinander. Beobachter halten es für möglich, dass es neben dem KCF auch eine unabhängige kleine Gruppe von Christen gibt. Christliche Gruppen wie das Hilfswerk Open Doors werfen der Regierung vor, Zehntausende Christen in Arbeitslagern gefangen zu halten und dort zu foltern und töten.

Pakistan

Als eines der gefährlichsten Verbrechen in Pakistan gilt Blasphemie gegen den Islam. Aufsehen erregten mehrere bekannte Fälle. 2010 wurde die Christin Aasia Bibi deswegen zum Tode verurteilt. Das Urteil wurde bereits mehrfach angefochten und die Strafe schliesslich ausgesetzt. Das letzte Wort ist aber noch nicht gesprochen. 2011 wurde dann der Minister für Minderheiten, der Katholik Shahbaz Bhatti, ermordet. Die Anti-Blasphemie-Gesetze entstanden in den 80er-Jahren und Kritik am Propheten Mohammed wurde 1992 ein Kapitalverbrechen.

Somalia

Mehr als 99 Prozent der Bevölkerung sind sunnitische Muslime. Die Verfassung sieht persönliche Religionsfreiheit vor, verbietet aber die Verbreitung jeder Religion ausser dem Islam. Seit etwa zehn Jahren versucht die Terrormiliz Al-Shabaab einen sogenannten Gottesstaat zu errichten. Für die sunnitischen Extremisten gelten schon moderate Muslime als Ungläubige. Die Miliz hat offiziell das Ziel formuliert, alle Christen zu vernichten, und nicht selten werden mutmassliche Christen auf der Stelle erschossen. Zahlen der praktizierenden Christen sind vage, weil Konvertiten offiziell weiterhin als Muslime gelten.

Syrien

Das Christentum ist in Syrien tief verwurzelt. Zahlreiche Klöster und andere kirchliche Einrichtungen zeugen von einer jahrtausendealten Geschichte. Rund zehn Prozent der syrischen Bevölkerung gehören christlichen Konfessionen an. Christen konnten in Syrien lange freier leben als in vielen anderen arabischen Ländern. Wie die gesamte Bevölkerung leiden sie sehr unter dem Bürgerkrieg. Aus Angst vor radikalen muslimischen Extremisten unterstützen viele Christen Staatschef Baschar al-Assad.

Sudan

Der Fall von Meriam Ibrahim machte weltweit Schlagzeilen. Die Christin wurde verhaftet, als sie im achten Monat schwanger war und wurde zum Tode verurteilt für ausserehelichem Geschlechtsverkehr und Abfallen vom Glauben. Unter lauten internationalen Protesten wurde sie nach der Geburt ihrer Tochter zunächst freigelassen, dann zusammen mit ihrer Familie erneut festgenommen, als sie das Land verlassen wollten und schliesslich nach intensiven diplomatischen Verhandlungen erneut freigelassen. Heute lebt die Familie in den USA. Der Fall steht exemplarisch für die Rechtslage im Sudan, wo das Konvertieren für Muslime unter Todesstrafe steht. Berichten zufolge hat die Regierung selbst Angriffe auf Christen angeordnet und die Ermordung von Christen zugelassen.

(ofi)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • E.H. am 10.04.2017 21:44 Report Diesen Beitrag melden

    Und wir passen uns hier immer an!!!

    Und wir passen uns hier überall den Muslimen an (Kreuze, Schwimmunterricht, Feiertage, Essen, etc). Ich begreife diese ewige Anpasserei einfach nicht. Wir leben hier in unserer westlichen Kultur. Alles sind herzlich willkkommen, müssen sich aber uns anpassen und nicht umgekehrt.

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  • peba am 11.04.2017 02:08 Report Diesen Beitrag melden

    Danke

    Danke, dass endlich darüber berichtet wird. Es ist nicht zum aushalten, was unsern Brüdern und Schwestern in diesen Ländern angetan wird.

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  • eine Frau am 11.04.2017 01:30 Report Diesen Beitrag melden

    Warum?

    Nicht mal die Muslimen untereinander sind in der Lage mit Toleranz und in Frieden miteinander zu leben, aber wir müssen dann obwohl viele von ihnen uns als "Ungläubige" verachten. Wieso wird das uns aufgezwungen? Wenn Muslimen nichts mit den Westler zu tun haben wollen, dann sollen sie gefälligst in muslimischen Ländern leben. Ich wandere auch nicht in ein muslimisches Land aus wenn ich mit deren Religion, Werte und Mentalitäten nichts anfangen kann. Dafür gibt es verschiedene Länder damit jeder dort leben kann wo er tatsächlich hingehört.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Real am 11.04.2017 03:06 Report Diesen Beitrag melden

    Nichts Neues

    Ich als Schweizer Minderheit muss leider sagen, dass ich in der Schweiz auch unterdrückt werde. Schade, dass ich in einem so rückständigen Land lebe

    • Feline x am 11.04.2017 05:49 Report Diesen Beitrag melden

      @Real

      Darf ich fragen, zu welcher Minderheit du gehörst? Ich habe wirklich schon viel negatives zum Beispiel über die Fahrenden gehört und kann daher deine Ansichten nachvollziehen.

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  • huwi am 11.04.2017 02:59 Report Diesen Beitrag melden

    kaum zu glauben

    Ich habe jetzt 264 Kommentare gelesen und bin entsetzt, wieviel "Religionsfanatiker" es hier gibt! Viele zitieren sogar Bibelsprüche und so Zeugs... Ich bin seit über 40 J. Atheist und froh, hier in dieser abendländischen Kultur aufgewachsen zu sein, wo Gesetze, Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit uns so ein angenehmes Leben geben - Aber das hat doch nichts mit Religion oder einem sich eingebildeten "Gott" zu tun..! Wir sollten nur schleunigst diese feindlichen "fremden Kulturen" von hier vertreiben, ehe es zu spät ist!

    • Der Auswanderer am 11.04.2017 03:17 Report Diesen Beitrag melden

      @huwi

      Sie haben vollkommen recht, aber diese Leute werden von hier ganz bestimmt nicht wieder verschwinden, die bekommen alles was sie sich nur wünschen, während der arbeitende CH-Bürgen nur noch ausgenommen wird, unsere Politiker haben das so eingefädelt, und das geht immer so weiter, 100%! Einziger Ausweg: Auswandern, wie es schon viele meiner Bekannten gemacht haben, die Schweiz wird nie mehr so sein, wie sie mal war.

    • Real am 11.04.2017 03:28 Report Diesen Beitrag melden

      Korrekt

      Ich brauche auch noch ein halbes Jahr für meinen BA, dann setz ich mich gleich in eins nächste Flugzeug - wenigstens kann ich dann sagen ich habe in diesem rückständigen und diskriminierenden Land nie Steuern gezahlt!

    • Werner T. am 11.04.2017 05:27 Report Diesen Beitrag melden

      @Real

      Genau so ist es! Du hast Deinen BA auf Kosten der anderen machen dürfen; in diesem in Deinen Augen rückständigen und diskriminierenden Land.....! Schäme Dich einfach!

    • Gidi am 11.04.2017 05:39 Report Diesen Beitrag melden

      Reformation

      Diese abendländische Kultur, die sie lieben, wurde vor Allem durch die Reformation geprägt. Zwingli usw......

    • Margreth M. am 11.04.2017 05:41 Report Diesen Beitrag melden

      Frau

      Wo sind wohl die Wurzeln der Ehrlichkeit usw begründet? Weshalb hat sich die Schweiz zu einem friedli hen, demokratischen, gesegneten Land entwickelt? Woran glaubten die "Urväter" der Schweiz? Sie waren keine Atheisten....

    • Tinu Bruch am 11.04.2017 05:57 Report Diesen Beitrag melden

      Dann denkmal nach

      Wenn die Schweiz keine christliche Geschichte hätte, wären wir nicht das freie Land das wir heute sind. Klöster zb hatten eine enorme Bedeutung für Kultur, Bildung, Spitäler, Architektur, Landwirtschaft etc In einem islamischen Land hättest du jedenfalls nie dein 40 Jahre Jubiläum gefeiert....

    • Ralph am 11.04.2017 05:58 Report Diesen Beitrag melden

      Jedem wie er will

      Ich finde es immer wieder schade, dass gerade Atheisten so intolerant sind. Sie glauben nicht an Gott? Das ist ihre Überzeugung und vollkommen in Ordnung. Genau so ist es in Ordnung an Gott zu glauben. Da muss man nicht abschätzig von eingebildetem Gott schreiben. Jeder wie er will, das macht macht Freiheit aus. Die allerdings zwingend dort endet wo Gesetze gebrochen werden.

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  • peba am 11.04.2017 02:08 Report Diesen Beitrag melden

    Danke

    Danke, dass endlich darüber berichtet wird. Es ist nicht zum aushalten, was unsern Brüdern und Schwestern in diesen Ländern angetan wird.

    • huwi am 11.04.2017 03:03 Report Diesen Beitrag melden

      und warum...

      leben die dann dort? Das sind fast ausschliesslich muslimeische Länder! Warum wollen die Leute dort leben, wenn sie selber keine Muslime sind? Für mich irgendwie unverständlich...

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  • Jayden am 11.04.2017 02:00 Report Diesen Beitrag melden

    Lgbtq

    Eine winzige kleine Zahl im Vergleich zu den LGBTQ Menschen die Weltweit von Fanatikern Hingerichtet werden.

  • Doc Cottle am 11.04.2017 01:49 Report Diesen Beitrag melden

    Religionen

    Religionen machen Menschen gefügig, einzig für ihre Zwecke. Egal, ob Christen, Muslime, rauben ihnen Geld und Habseligkeiten. Jeder selbst denkende Mensch sollte das erkennen. Jede Religion ist eine Illusion.

    • Sandra am 11.04.2017 06:06 Report Diesen Beitrag melden

      Logik

      Nur gut das der Mensch so ganz ohne Religion niemandem Geld und Habseligkeiten raubt. Jeder Mensch sollte er kennen das der Mensch und nicht die Religion das Problem ist. Oder haben sie wirklich das Gefühl das die Schweiz jedes Jahr ein besserer friedlicherer Ort wird? Müsste sie ja eigentlich da immer weniger Menschen religiös sind.

    • Margreth. M. am 11.04.2017 06:12 Report Diesen Beitrag melden

      Frau

      Dann kennen sie Grundlegende Aussagen des Christent. nicht wie die 10 Gebote, Nächstenliebe usw. wohl nicht. Unbestritten würden diese dem Weltfrieden wohl am meisten dienen - wenn wir sie leben würden...

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