Regionaler Machtkampf

09. November 2017 16:38; Akt: 10.11.2017 01:24 Print

Saudis fordern Bürger zum Verlassen des Libanon auf

Der Libanon gerät nach der Rücktrittserklärung von Premier Saad Hariri verstärkt in den regionalen Machtkampf zwischen Saudiarabien und Iran. Riad spricht nun eine Reisewarnung aus.

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Arbeiter hängen ein Plakat von Saad Hariri mit dem Schriftzug «Wir sind alle Saad» auf. (9. November 2017) (Bild: Keystone/Hussein Malla/AP)

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Im Streit zwischen Saudiarabien und dem Libanon wird der Ton immer rauer. Nach der Rücktrittsankündigung des libanesischen Ministerpräsidenten Saad Hariri hat Saudiarabien seine Bürger aufgefordert, das Land am Mittelmeer schnellstmöglich zu verlassen. Genauere Gründe wurden nicht genannt. Saudiarabische Bürger sollten «angesichts der Lage» so schnell wie möglich ausreisen, meldete die staatliche Nachrichtenagentur SPA am Donnerstag unter Berufung auf das Aussenministerium in Riad.

Hariri hatte am Wochenende von Saudiarabien aus völlig überraschend seinen Rücktritt als Regierungschef des Libanons angekündigt. In einer vorab aufgezeichneten Ansprache beschuldigte er die schiitische Grossmacht Iran, sich in die Angelegenheiten der sunnitischen arabischen Staaten einzumischen und mit der von ihm unterstützten schiitischen Hizbollah den Libanon als Geisel genommen zu haben. Er fürchte um sein Leben, begründete Hariri seinen Schritt.

Der Iran und die Hizbollah wiederum warfen Saudiarabien ein beispielloses Eingreifen in die libanesische Innenpolitik vor.

Fragiles Gleichgewicht droht zu kippen

Saudiarabien und der Iran versuchen seit Jahren, den Einfluss des jeweils anderen in der Region einzudämmen. Unter anderem führen sie eine Art Stellvertreterkrieg im Jemen und auch im Bürgerkrieg in Syrien unterstützen sie unterschiedliche Fraktionen.

Im Libanon herrscht eine fragile Machtteilung zwischen Sunniten, Schiiten und Christen. Teil der aktuellen Koalitionsregierung ist auch die Hizbollah, deren politische Partei seit 1992 im Parlament in Beirut vertreten ist.

Immer wieder gibt es Sorgen, in dem Land könnte ein neuer blutiger Konflikt ausbrechen. Bereits zwischen 1975 und 1990 tobte dort ein Bürgerkrieg. 2006 kam es zu einem Krieg zwischen Israel und der Hizbollah.

Saudiarabien fordert den Ausschluss der Hizbollah aus der Regierung. Die Hizbollah wies das aber entschieden zurück. Saudiarabien solle sich aus der libanesischen Politik heraushalten, hiess es in einer Stellungnahme.

Macron schaltet sich ein

Hariris Zukunftspartei erklärt, es sei nötig, dass der Ministerpräsident sofort in den Libanon zurückkehre, um die Würde seines Landes wieder herzustellen. In Libanon gibt es Spekulationen, Hariri sei von Saudiarabien zum Rücktritt gezwungen oder überredet worden. Auch von einer Festnahme war in den Medien die Rede. Hariri reiste, offenbar um diese Gerüchte zu zerstreuen, am Dienstag in die Vereinigten Arabischen Emirate.

Hariri traf sich am Donnerstag seinem Büro zufolge in Saudiarabien mit dem französischen Botschafter. In den Tagen zuvor habe er bereits Kontakt zu diplomatischen Vertretern der Europäischen Union, Grossbritanniens und der USA aufgenommen. Der französische Präsident Emmanuel Macron hat derweilen angekündigt, er werde am Donnerstagabend nach Riad reisen, um den Kronprinzen zu treffen.

(mch/sda/ap)