Brasilien

18. Mai 2017 06:22; Akt: 18.05.2017 06:34 Print

«Korruptions-Bombe» belastet Präsident Temer

In Brasilien sind offenbar Tonaufnahmen aufgetaucht, die Präsident Michel Temer in Bedrängnis bringen.

storybild

Gab er grünes Licht, den inhaftierten früheren Parlamentspräsidenten Eudardo Cunha mit Geld zum Schweigen zu bringen? Brasiliens Präsident Michel Temer. (Archivbild) (Bild: Keystone/Eraldo Peres)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Brasiliens Präsident Michel Temer soll dabei geholfen haben, einen Mitwisser in einem Korruptionsskandal mit Hilfe von Geldzahlungen zum Schweigen zu bringen. In Brasilia war nach dem Auftauchen von angeblich belastenden Tonaufnahmen von einer «Bombe» die Rede.

Dem Portal «O Globo» zufolge geht es um ein Treffen zwischen Temer und Unternehmern, gegen deren Konzern ermittelt wird. Temer soll dabei grünes Licht gegeben haben, den inhaftierten früheren Parlamentspräsidenten Eduardo Cunha mit einer Geldzahlung zum Schweigen zu bringen.

Temers Präsidialkanzlei teilte mit, dass Temer niemals Zahlungen für das Schweigen Cunhas vorgeschlagen habe. Das Treffen an sich wurde bestätigt, es fand Anfang März statt.

Sitzung sofort abgebrochen

Die linke Arbeiterpartei (PT) forderte Temers sofortigen Rücktritt und Neuwahlen. Eine Kongresssitzung wurde nach Bekanntwerden der Nachricht am Mittwochabend in der Hauptstadt Brasilia abgebrochen.

Der bestens vernetzte Cunha war früher ein Verbündeter Temers und droht, auszupacken. Er soll umfangreiche Details zu dem Skandal um Schmiergeldzahlungen an führende Politiker des Landes haben. Laut «O Globo» soll der Abgeordnete Rodrigo Rocha Loures von Temers Partei der demokratischen Bewegung (PMDB) dabei gefilmt worden sein, wie er einen Geldkoffer mit 500'000 Reais (rund 150'000 Franken) entgegennahm – das Geld soll von dem an dem Gespräch mit Temer beteiligten Unternehmer Joesley Batista stammen, hiess es. Auch Cunha ist Mitglied der PMDB.

Richter nun am Zug

Batista soll das Gespräch mit Temer aufgezeichnet haben – Temers Schicksal hängt nun von dem Richter am Obersten Gerichtshof, Edson Fachin, ab. Ihm gegenüber machten Joesley Batista und sein Bruder Wesley die brisanten Aussagen und händigten ihm das Beweismaterial aus. Die beiden sind die Chefs des Konzerns JBS – des grössten Fleischproduzenten der Welt. Unklar war, warum sie sich an die Justiz wandten.

Medien sprachen von einer «Atombombe, die über dem Land explodiert». Mit Blick auf die Turbulenzen um US-Präsident Donald Trump war zudem die Rede davon, dass sich zeitgleich zwei grosse Demokratien in tiefen Krisen befänden.

(chk/sda)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Snooker am 18.05.2017 18:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mafia

    Da stimme ich dir voll und ganz zu. Kriminalität und Korruption beherrschen Süd Amerika. Schade so ein schöner Kontinent.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Snooker am 18.05.2017 18:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mafia

    Da stimme ich dir voll und ganz zu. Kriminalität und Korruption beherrschen Süd Amerika. Schade so ein schöner Kontinent.