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02. November 2006 15:34; Akt: 02.11.2006 15:43 Print
Überwachung total: Jeder Brite wird pro Tag 300 Mal gefilmt
Nirgendwo anders in Europa stehen die Einwohner so sehr unter Kontrolle wie im Vereinigten Königreich. 4,2 Millionen Kameras filmen jeden Briten und jede Britin durchschnittlich 300 Mal pro Tag.
Britische Datenschützer warnen vor der zunehmenden Überwachung der Bevölkerung durch Behörden und Unternehmen. Grossbritannien befinde sich auf dem Weg zum Überwachungsstaat, , sagte der britische Datenschutzbeauftragte Richard Thomas am Donnerstag dem Sender BBC.
(Bild: Keystone)
Täglich werden in Grossbritannien die Kennzeichen von 35 Millionen Autos registriert. Dadurch sollen nach Angaben der Behörden Staus vermieden oder die Bezahlung des Road-Pricing in London kontrolliert werden können.
Durch Terrorismusangst gefördert
Ausserdem sind in der nationalen DNA-Datenbank bereits die genetischen Daten von 3,5 Millionen Menschen gespeichert. Zugleich verfügen die Behörden über die Fingerabdrücke von rund 6 Millionen Menschen.
«Wir sind in einer Überwachungsgesellschaft gelandet», sagte Thomas. Wann immer Menschen mobil telefonierten, mit Kreditkarte bezahlten, im Internet surften oder Auto führen, würden Daten gesammelt. Die Briten und ihre Gäste hinterliessen eine «elektronische Fussspur».
Die Angst vor dem Terrorismus habe die Überwachungsmassnahmen wachsen lassen. In den nächsten zehn Jahren sei mit einer weiteren Zunahme der Überwachung zu rechnen. Auch Firmen kontrollierten zunehmend ihre Angestellten, sagte Thomas.
Von Orwell prophezeit
Bei der Bekämpfung von Terrorismus und Kriminalität führten die Kontrollen zwar zu Erfolgen. Doch die unkontrollierte und ungebremste Sammelwut könne ein Klima des allgemeinen Misstrauens schaffen, warnte Thomas.
«Die Integrität des Einzelnen ist in Gefahr. Es droht eine Verletzung unserer Privatsphäre.» Bürger und Politiker müssten sich der Gefahren bewusst werden und sicher stellen, dass Polizei und andere Ermittlungsbehörden bestimmte Grenzen nicht überschritten.
Der «Daily Telegraph» kam am Donnerstag zum Schluss, dass Grossbritannien tatsächlich zum «Big-Brother-Staat» geworden sei - 22 Jahre nach dem magischen Datum 1984, das George Orwell in seinem gleichnamigen Zukunftsroman einst beschrieben hatte.
(sda)





















