Sebastian Kurz

14. Oktober 2017 11:08; Akt: 14.10.2017 11:08 Print

«Wunderwuzzi» steuert ins Kanzleramt

Staatssekretär mit 24, Aussenminister mit 27, Parteichef mit 30 – und bald vielleicht Kanzler mit 31: Sebastian Kurz könnte jüngster Regierungschef in Wien werden.

Sebastian Kurz und Christian Kern kämpften im TV-Duell am 8. Oktober 2017 mit harten Bandagen. (Video: Tamedia/ Puls 4)
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Der österreichische Aussenminister Sebastian Kurz steuert bei der Parlamentswahl in Österreich am Sonntag auf einen Sieg zu und könnte damit jüngster Regierungschef in einem EU-Land werden. In Österreich hat er sich mit seinem rasanten Aufstieg den Spitznamen «Wunderwuzzi» verdient – das österreichische Pendant zum Tausendsassa.

Kurz gilt als eines der grössten Politik-Talente Österreichs. Geboren am 27. August 1986 als Sohn einer Lehrerin und eines Ingenieurs in Wien, schliesst er sich schon als Schüler der Jungen ÖVP an, 2008 wird er deren Landesvorsitzender in der Hauptstadt und 2009 sogar ihr Bundesvorsitzender.

Landesweit bekannt wird der Jung-Politiker bei der Wiener Landtagswahl 2010, bei der er mit dem «Geil-o-Mobil», einem schwarzen Geländewagen, durch die Hauptstadt kurvt. Für die Kampagne handelt sich Kurz zwar viel Spott und Häme ein – er sichert sich aber sein erstes Abgeordnetenmandat im Wiener Gemeinderat.

Jus-Studium abgebrochen

Auch seine Ernennung zum Staatssekretär für Integration im Innenministerium im April 2011 sorgt zunächst für Skepsis und Kritik. Für den Karrieresprung bricht der damals 24-Jährige sein Jura-Studium ab, Kritiker bemängeln seine mangelnde Erfahrung und sein mal schnöseliges, mal draufgängerisches Auftreten.

Doch der zur Nachwuchshoffnung der ÖVP avancierte Wiener überrascht seine Kritiker durch auffallend gutes Benehmen – und einige vorweisbare Erfolge wie den Ausbau der Sprachförderung in Kindergärten. Im März 2014 übernimmt der Studienabbrecher, der über keinerlei diplomatische Erfahrung verfügt, das Aussenministerium. Der 27-Jährige ist damit der jüngste Aussenminister in der EU.

Wieder gibt es viele Zweifel und Vorbehalte, doch Kurz erarbeitet sich als Chefdiplomat schnell einen guten Ruf: Er gilt als pragmatisch, freundlich und immer gut vorbereitet.

Hardliner in der Flüchtlingskrise

Gleichzeitig geht er forsch an seine neue Aufgabe heran: In der Flüchtlingskrise gibt Kurz sich als Hardliner. Er kritisiert die deutsche Willkommenskultur, setzt in Österreich eine Obergrenze für Flüchtlinge und schliesslich die Schliessung der Balkanroute durch.

Im Sommer 2016 schlägt er sogar vor, Flüchtlinge im Mittelmeer abzufangen und sie direkt in ihre Heimat zurückzuschicken oder auf Inseln zu internieren – nach dem Vorbild der umstrittenen australischen Asylpolitik.

Auch in der Türkei-Politik bevorzugt Kurz scharfe Töne: Er spricht sich gegen das Flüchtlingsabkommen der EU mit Ankara aus und fordert wiederholt einen Abbruch der EU-Beitrittsverhandlung mit der Türkei.

Viel Beachtung dank scharfen Tönen

Seine kontroversen Forderungen bringen dem Jungpolitiker viel Aufmerksamkeit ein, bei den österreichischen Wählern ist er populär. Als der bisherige ÖVP-Chef und Vizekanzler Reinhold Mitterlehner im Mai zurücktritt, wittert Kurz seine Chance und wird neuer Parteichef.

Seither formte Kurz die Partei ganz nach seinem Gusto um, verpasste ihr eine neue Farbe – türkis –, und auf Wahlplakaten taucht der Parteiname nur noch klein auf. Stattdessen werben seine Anhänger mit «Team Kurz»-Luftballons.

Mit Kurz an der Spitze führt die ÖVP inzwischen in den Umfragen, gefolgt von der rechtspopulistischen FPÖ und der sozialdemokratischen SPÖ. Vor allem seine harte Haltung in Einwanderungsfragen scheint ihm dabei die Wähler zuzutreiben.

Dank eines Skandals deutlich abgekühlt ist dagegen das Verhältnis zu den Sozialdemokraten. Nach Enthüllungen über eine geheime Schmutzkampagne gegen Kurz musste deren Wahlkampfleiter zurücktreten. Eine Wiederauflage der derzeit regierenden grossen Koalition aus ÖVP und SPÖ erscheint nicht sehr wahrscheinlich. Als ein möglicher Koalitionspartner gilt dagegen die rechtspopulistische FPÖ.

(kfi/afp)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Minnie Mouse am 14.10.2017 11:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Viel Glück

    Ein Vertreter einer Volkspartei, der endlich mal im Sinne seines Volkes handelt - welch eine Wohltat! Ich hoffe, dass er siegen wird und dann Merkel kräftig Kontra gibt!

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  • jc am 14.10.2017 12:10 Report Diesen Beitrag melden

    Toi, toi, toi!

    Wenigstens ist er einer wo in der EU noch sagt was "Sache" ist und auch die Position der Schweiz "richtig zu deuten weiss"!

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  • Jana am 14.10.2017 12:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kurz

    So etwas könnte wir in der Schweiz brauchen. Jung, dynamisch und konzequent. Den zugegozen zeigen wie sie sich im fremden Land benehmen sollen. die Einheimischen "first".

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Peter am 15.10.2017 18:49 Report Diesen Beitrag melden

    Peter Pilz feat. Ecopop

    Man sollte auch über die Partei von Peter Pilz reden. Ich finde die gut so alla Ecopop. Ökologisch orientiert und restrektiv bei der Migrationsfragen.

  • Nardo am 15.10.2017 18:23 Report Diesen Beitrag melden

    FPÖ ist völlig unrealistisch

    Eine Zusammenarbeit mit der FPÖ ist völlig unrealistisch. Es wird wieder ÖVP und SPÖ zusammen regieren wie schon bisher. Die ÖVP Wähler würden keine FPÖ gutheissen in der Regierung, denn dann würden sie nicht ÖVP wählen sondern gleich das SVP Pendant FPÖ. Wie jedes Mal, werden sie sich zusammen raufen.

  • B. Kerzenmacher am 15.10.2017 18:02 Report Diesen Beitrag melden

    Wahlen

    Die SPÖ muss sich eben zukünftig daran gewöhnen, dass auch sie letztlich an ihrem Tun gemessen wird und nicht an den Versprechen, die sie vor Wahlen abgibt. H. Androsch, B. Vranitzky, V. Klima, A. Gusenbauer oder Ch. Kern sind Politiker in deren Fokus sicher nicht der Arbeitnehmer oder die Kleinunternehmer stehen. Der Aufbau von Netzwerken für die Zeit nach der Politik ist es da schon mal wert, auch zu schmutzigen Mitteln während des Wahlkampfes zu greifen. Absurd ist daran allerdings gar nichts. Es ist rein menschlich.

  • Flotter Feger am 15.10.2017 17:21 Report Diesen Beitrag melden

    Ich glaube nicht mehr an die Demokratie

    Egal was gewählt wird, egal was abgestimmt wird, es kommt immer anders. Während irgendwo versucht wird abzustimmen werden die Leute vom Staat daran gehindert (Demokratie) wird anderswo gar nicht abgestimmt sondern von Brüssel und Washington diktiert (auch Demokratie). Was ist Demokratie überhaupt? Alles nur nur Lug und Trug.

  • Bruce21 am 15.10.2017 16:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Jugendlich

    Da ist er im Alter von Maccron. Wie alt ist die österreichische First Lady?