Italiens Dauerfrage

14. Oktober 2011 12:12; Akt: 14.10.2011 15:48 Print

Berlusconi, die Katze mit den 51 LebenBerlusconi, die Katze mit den 51 Leben

Mit 316 zu 301 Stimmen hat das Parlament in Rom dem Cavaliere erneut das Vertrauen ausgesprochen. Zuvor musste der italienische Ministerpräsident bange Stunden durchmachen.

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Am 1. September 2011 wurde bekannt, dass Silvio Berlusconi in einem abgehörten Telefonat offen über sein Land geschimpft hat: «Die Leute können sagen, dass ich vögle. Das ist das Einzige. In ein paar Monate werde ich fortgehen und mich um meine eigenen Angelegenheiten kümmern. Ich verlasse dieses Scheissland, bei dem ich kotzen könnte.» Doch das war längst nicht der erste verbale Aufreger des Silvio Berlusconi. Am 6. April 2011 wurde der Prozess gegen Silvio Berlusconi nach wenigen Minuten bereits wieder vertagt. Über die Vorwürfe reisst Berlusconi lieber Witze: «Ich habe Bunga Bunga als Marke patentieren lassen, damit ich es in allen Regionen Italiens benutzen kann.» Nach Medienberichten Mitte Januar 2011 soll Silvio Berlusconi sich in Mailand und Rom einen ganzen Harem gehalten haben, der in seinen Wohnungen ohne Kontrolle ein und aus gegangen sei. Der Premier reagierte darauf überrascht: «24 Geliebte? Da wäre ich besser als Superman.» Weil er eine hohe Arbeitsbelastung habe, schaue er hin und wieder schöne Frauen an und finde dies besser «als schwul zu sein», sagte Berlusconi am 2. November 2010, als sich zwei junge Damen zu Wort meldeten und über Affären zum Cavaliere berichteten. Seine Beziehung zu den jungen Frauen sei «von Solidarität» geprägt gewesen, erklärte Berlusconi. «Ich sammle eine kleine Geschichte pro Tag...und auch ein Mädchen pro Tag», so Berlusconi kurz nach seinem 74. Geburtstag am 29. September 2010. Ende Mai 2010 sorgte Silvio Berlusconi mit einem Zitat des faschistischen Diktators Benito Mussolini für Schlagzeilen: «Ich wage es, einen Satz von jemandem zu zitieren, der als grosser Diktator galt, nämlich Mussolini: 'Man sagt, dass ich Macht habe, aber es sind meine (Partei-)Hierarchien, die sie haben, ich kann nur sagen, ob mein Pferd rechts oder links geht'». Ende Januar 2010, kurz vor seiner Nahost-Reise, kritisierte der Italiener die israelische Siedlungspolitik: «Als Freund, möchte ich dem Volk und der Regierung Israels, Hand auf's Herz, sagen, dass diese Politik ein Fehler ist.» «Ich stelle fest: Sie sind schöner als intelligent»: Mit diesen Worten beleidigte Silvio Berlusconi am 7. Oktober 2009 die prominente Oppositionspolitikerin Rosy Bindi, als sie sich zum aberkannten Immunitätsgesetz Berlusconis äusserte. Wenige Tage zuvor hatte sich der Ministerpräsident nach der Aberkennung seiner Immunität als Justizopfer gesehen: «Ich bin der am meisten von der Justiz verfolgte Mensch aller Zeiten und in der ganzen Welt.» «Ich glaube ernsthaft, dass ich mit Abstand der beste Ministerpräsident bin, den Italien in seiner 150-jährigen Geschichte hatte», sagte der italienische Regierungschef Silvio Berlusconi am 10. September 2009. Zu den Medienangriffen rund um sein Privatleben sagte er: «Ich werde von einer Stierherde angegriffen, doch ich bin ein Stierkämpfer, der keine Angst hat.» Anfang September 2009 forderte er einen Maulkorb für EU-Sprecher: «Wir werden die EU blockieren, wenn nicht bestimmt wird, dass nur noch der Kommissionspräsident reden darf.» Zum Gerücht, er sei erkrankt, wollte Berlusconi Ende August keine Stellung nehmen. Nur so viel: «Ich bin nicht krank. Im Gegenteil: Ich bin Superman!» Berlusconi erklärt am 20. Mai 2009, warum Flüchtlinge sofort abgeschoben werden müssen: «Unsere Lager zur Identifikation sind Konzentrationslagern sehr ähnlich.» Wählerstimmen dank Showgirls? «Wir haben nur kompetente Frauen als Kandidatinnen gewählt. Meine Partei hat immer nur Frauen ins Parlament gehievt, die viel kompetenter als die Männer sind», 6. Mai 2009. «Ich war einmal zu Besuch in Finnland. Wir haben früh am Morgen drei Stunden fahren müssen, um eine Holzkirche aus dem 18. Jahrhundert zu besichtigen. Bei uns hätte man so eine Kirche zerstört», sagte er am 6. Mai 2009. «Jetzt wird man behaupten, dass ich einen diplomatischen Streit mit Finnland auslösen will. Das stimmt nicht. Ich liebe die Finnen und die Finninnen, Hauptsache, sie sind älter als 18 Jahre», scherzte er weiter. Der Ministerpräsident verglich die Lage der obdachlos gewordenen Erdbebenopfer am 7. April 2009 in den Abruzzen mit einem Freizeitspass: «Man muss das nehmen wie ein Camping-Wochenende.» «Der argentinische Diktator ist seine Gegner losgeworden, indem er sie in einem Flugzeug mit einem Fussball in die Luft brachte und dann die Tür öffnete und sagte: 'Es ist ein schöner Tag, geht raus spielen'.» (Februar 2009) Vergewaltigungen seien auch in einem Militärstaat nicht zu vermeiden, sagte Berlusconi in einer Diskussion. «Wir müssten so viele Soldaten haben wie es in Italien schöne Frauen gibt.» «Ich habe ihm (Medwedew) gesagt, dass er (Obama) alles hat, um Vereinbarungen mit ihm zu erreichen: er ist jung, ansehnlich und sogar gebräunt.» (November 2008) Berlusconi behauptet in einem Radio-Interview, er sei so gut in Latein, dass er «mit Julius Caesar zu Mittag essen könnte». April 2008 «Ich habe zu viel Wertschätzung für die Intelligenz der Italiener, als dass ich denken könnte, dass es hier tatsächlich so viele Idioten gibt, die gegen ihr eigenes Interesse wählen», 4. April 2006 «Ich bin der Jesus Christus der Politik», 13. Februar 2006 «Nur Napoleon hat mehr erreicht als ich», 11. Februar 2006 «Ob ich treu bin? Ich würde sagen, ich war oft treu», 25. Januar 2006 «Einer wie ich, der 20000 Milliarden auf dem Konto hat, muss sich mit Leuten wie euch herumschlagen! Ich werde euch Postkarten von den Bahamas schicken», 17. Juli 2005 «Ich möchte hier noch einmal an die kommunistischen Attacken auf die Zwilingstürme erinnern...», 21. Mai 2004 «Keiner meiner Minister ist so gut bestückt wie ich», 29. Januar 2004 «Ihr seid Touristen der Demokratie», 3. Juli 2003 «Herr Schulz, ich weiss, dass in Italien ein Produzent einen Film über die Konzentrationslager der Nazis dreht. Ich werde Sie für die Rolle des Kapo vorschlagen», 2. Juli 2003 «Die Justiz ist ein Krebsgeschwür des Rechtsstaates, das wir ausrotten müssen», 4. Oktober 2002

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Italiens Regierungschef Silvio Berlusconi hat am Freitag eine wichtige Vertrauensabstimmung im Parlament gewonnen. Das Vertrauensvotum in der Abgeordnetenkammer ergab 316 Stimmen für und 301 gegen Berlusconi. Er hätte bei einer Niederlage abtreten müssen.

Damit erreichte Berlusconi knapp die absolute Mehrheit der 630 Abgeordnetensitze. Zuvor hatte der Boykott des ersten Wahlaufrufs an die Abgeordneten durch die linke Opposition für Chaos und Aufregung gesorgt. Wenn die Mitte-rechts-Regierung die Hälfte (315) der Stimmen nicht hätte aufbieten können, wäre die Abstimmung ungültig gewesen.

«Keine Alternative» zu Berlusconis Regierung

Berlusconi hatte am Vortag in einer Regierungserklärung gesagt, es gebe in Zeiten der Schulden- und Wirtschaftskrise keine Alternative zu seiner Mitte-rechts-Regierung. Die Opposition sei ohne Programm. Entweder bekomme er das Vertrauen ausgesprochen oder es werde 2012 Neuwahlen geben. Die Legislaturperiode endet regulär erst 2013.

Am Dienstag hatte Berlusconis Regierung bei einem Votum über den Rechenschaftsbericht 2010 eine herbe Niederlage einstecken müssen. Die linke Opposition verlangte daraufhin den Rücktritt Berlusconis.

Dieser entschloss sich, die Vertrauensfrage zu stellen. Mit diesem Schritt hat er bereits mehr als 50-mal im Parlament Gesetzesvorhaben durchgesetzt. Einen Misstrauensantrag der linken Opposition hatte Berlusconi im Dezember 2010 mit 314 zu 311 Stimmen knapp abgewehrt.

200 000 Menschen auf der Strasse

In ganz Italien mehren sich Protestaktionen gegen die Sparpolitik des Mitte-rechts-Kabinetts. Am Freitag gingen in Mailand hunderte Studenten und Schüler auf die Strasse, um gegen die Einschnitte der Regierung Berlusconi im Bildungswesen zu demonstrieren. In Rom verbrachte eine Gruppe von etwa 60 Demonstranten die zweite Nacht in Folge in Zelten vor der Notenbank.

Höhepunkt dürfte eine Massenkundgebung am Samstag in Rom sein. Über 200 000 Demonstranten aus ganz Italien werden bei der grossen Protestdemonstration der «Empörten» (»Indignati») am Samstagnachmittag erwartet.

(sda)

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  • Frau Schweizer am 14.10.2011 19:32 Report Diesen Beitrag melden

    Berlusconi mit einer Katze zu vergleichen finde ich schlicht geschmacklos. Weshalb beleidigen Sie wehrlose und v.a. natürlich schöne Kreaturen?

  • Brutus am 14.10.2011 16:04 Report Diesen Beitrag melden

    Liebe Kommentatoren

    Was kümmert uns Schweizer, was die Italiener machen? Wenn sie Berlusconi wollen, sollen sie ihn haben. Was würdet Ihr sagen, wenn die Italiener sich bei uns einmischen würden?

  • Ueli Fäh am 14.10.2011 15:40 Report Diesen Beitrag melden

    Wer hat wie gestimmt?

    Können die ItalienerInnen auch nachsehen, welche Parlamentarier für/gegen S.B. gestimmt haben? Irgendwann gibt es doch sicher auch in Italien wieder Parlamentswahlen? Oder vergessen unsere südlichen Nachbarn noch schneller als wie hier in der Schweiz?

    • Roli A. am 15.10.2011 11:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Berlusconi der Macher

      Selbstverständlich denn es war ja eine offene Abstimmung mit Ja oder Nein und wurde im TV Live übertragen. Das ganze ist eh sehr einfach 316 Ja bedeutet die PDL und Lega Nord hat geschlossen "ausser Versace Stimmenthaltung" das Vetrauen Berlusconi erteilt. Ich denke bei einer Volksabstimmung werden die Italiener wieder dieser Regierung die Stimme geben, weil es die Macher sind, denn die Linken mit Prodi in Italien haben ja auch das letzte mal gezeigt, dass Sie viel reden aber fürs Land nichts auf die Reihe bekommen.

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