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Muslimische Proteste
17. September 2012 18:01; Akt: 17.09.2012 20:09 Print
Hisbollah-Chef zeigt sich öffentlich
Der öffentlichkeitsscheue Hisbollah-Chef Scheich Hassan Nasrallah hat in Beirut überraschenderweise persönlich an einer Demonstration gegen den Mohammed-Film teilgenommen.
Roman Rey/Jean-Claude Gerber
| 19:07 | 20 Minuten Online beendet für heute die Live-Berichterstattung über die Proteste gegen den umstrittenen Mohammed-Film. Eine Zusammenfassung der Ereignisse des Tages finden Sie hier. |
| 19:04 | Bei seinem überraschenden Auftritt vor Zehntausenden Anhängern im Libanon hat der Chef der radikalislamischen Hisbollah, Scheich Hassan Nasrallah, zu weiteren Protesten gegen den islamfeindlichen Film über den Propheten Mohammed aufgerufen. «Dies ist der Beginn einer ernsthaften Bewegung, die zur Verteidigung des Propheten Gottes überall in der muslimischen Welt weitergehen muss», sagte Nasrallah unter dem Jubel der Menschenmenge im Süden der libanesischen Hauptstadt Beirut. «Solange es Blut in uns gibt, werden wir nicht über Beleidigungen gegen unseren Propheten schweigen.» |
| 18:13 | Der tunesische Salafistenführer Saif-Allah Benahssine, auch bekannt als Abu Iyadh, ist laut Reuters aus der Al-Fatah-Moschee in der Hauptstadt Tunesiens entkommen. Zuvor sei die Moschee von mehr als 1000 Sicherheitskräften umstellt worden. Benahssine wird von der Polizei im Zusammenhang mit den Ausschreitungen vor der US-Botschaft von letzter Woche gesucht. |
| 17:48 | Hisbollah-Chef Scheich Hassan Nasrallah hatte in Beirut einen seltenen Auftritt bei einer Massendemonstration gegen den Anti-Islam-Film. Tausende Männer und Frauen, unter ihnen Geistliche mit weissen Turbanen, versammelten sich in den Hisbollah-Hochburgen in der libanesischen Hauptstadt. Dies berichtet Al-Jazeera. Die meisten Männer trugen Stirnbänder in den Hisbollah-Farben grün und Gelb. Auf den Bändern stand «zu Ihren Diensten Prophet Gottes». |
| 17:29 | In Aserbaidschan hat die Polizei rund 30 muslimische Aktivisten verhaftet. Sie hatten versucht, in der Hauptstadt Baku zur US-Botschaft vorzudringen, wie AFP berichtet. Sie gehörten zu einem unbewilligten Demonstrationszug von rund 100 Personen. Die Polizei ging mit Schlagstöcken gegen sie vor. |
| 17:06 | In Tunesien haben mehr als 1000 Sicherheitskräfte die Al-Fatah-Moschee in der Hauptstadt Tunis umstellt. In der Moschee hält sich laut Reuters der tunesische Salafistenführer Saif-Allah Benahssine, auch bekannt als Abu Iyadh, auf. Er wird von der Polizei im Zusammenhang mit den Ausschreitungen vor der US-Botschaft von letzter Woche gesucht. Benahssine hatte zuvor vor hunderten Anhängern erklärt, er habe nicht an den Ausschreitungen, die zwei Tote und 29 Verletzte forderten, teilgenommen. |
| 16:45 | Laut Angaben der Nachrichtenagentur AFP hat der öffentlichkeitsscheue Hisbollah-Chef Scheich Hassan Nasrallah in Beirut persönlich an einer Demonstration teilgenommen. |
| 16:41 | Mehr zu den Protesten im Süden der Philippinen: Bei den 3000 Demonstranten handelte es sich um Schüler und Lehrer. Sie hätten neben einer amerikanischen Flagge auch eine Puppe von US-Präsident Barack Obama in Brand gesteckt, teilte die Polizei mit. Seine Lehrer hätten ihm gesagt, der Film sei von den USA und Israel produziert worden, sagte der zwölfjährige Schüler Abdul Waris gegenüber der Nachrichtenagentur AP. Sie hätten den Unterricht ausfallen lassen und die Kinder aufgefordert, sich an den Protesten zu beteiligen. |
| 16:34 | Die Hisbollah-eigene Fernsehstation Al Manar TV überträgt gemäss BBC Bilder von tausendenden Demonstranten die im Süden von Beirut Parolen skandieren und Flaggen schwenken. |
| 15:37 | Amal, die grösste schiitische Organisation des Libanon, nimmt an den angekündigten Protesten von 16:00 Uhr teil. Da scheint sich etwas zusammenzubrauen. Alexander Marcquardt von ABC ist vor Ort und twittert: «Es sieht aus, als würde die Hisbollah-Kundgebung riesig werden. Die Stadt Daieh dröhnt nur so vor Aktivität.» |
| 15:26 | Im Süden der Philippinen haben 3000 Menschen demonstriert und Flaggen von der USA und Israel verbrannt, berichtet «bbc.com». Nach den Aufrufen des Hisbollah-Führers Scheich Nasrallah werden heute um 16.00 Uhr auch im Libanon grössere Proteste erwartet. |
| 15:18 | Gewalt bei der Demo im pakistanischen Karachi: Die Demonstranten werfen Steine in Richtung Polizei, diese schiesst mit Tränengas zurück. Angeblich sollen auch Schüsse abgefeuert worden sein. |
| 14:32 | Die libysche Regierung erwägt einen Militärschlag gegen die Verantwortlichen des Angriffs auf die US-Botschaft, berichtet «The Guardian». Bei der Attacke letzten Donnerstag waren vier Menschen gestorben, unter ihnen der US-Botschafter Chris Stevens. Der libysche Präsident Mohamed al-Magariaf bestätigt auch, dass Amerikaner Gespräche abgehört haben, bei denen der Angriff auf das Konsulat geplant wurde. Eine islamistische Brigade, die möglicherweise in den Botschafts-Angriff involviert war, soll mit Al-Kaida in Verbindung stehen. |
| 14:28 | Der geistlichen Führer des Irans, Ayatollah Ali Chamenei, hat den Westen aufgefordert, Respekt gegenüber Muslimen zu zeigen und gegen den Anti-Islam-Film «Unschuld der Muslime» vorzugehen. Westliche Staatschefs müssten beweisen, dass sie keine «Komplizen» bei einem «grossen Verbrechen» seien, sagte Chamenei nach Angaben des Staatsfernsehens am Montag. Einige Staaten würden die Meinungs- und Redefreiheit beschränken, etwa Webseiten mit Nazi-Bezug, bemerkte Chamenei. Im Iran war es zu mehreren gewaltfreien Demonstrationen gegen den umstrittenen Film gekommen. Vertreter der USA haben bisher erklärt, sie könnten wegen der Verfassung nicht gegen den Film vorgehen. Google lehnte es ebenfalls ab, das Video weltweit zu sperren. |
| 14:23 | In Karachi, der grössten Stadt von Pakistan, dauern die Demonstrationen an. Tausende von Aktivisten der Islami Jamiat Talaba, einem Studenten-Flügel einer religiösen Partei, bewegen sich auf die US-Botschaft zu. Gestern sind bei Zusammenstössen in der Nähe der Botschaft sechs Menschen verletzt worden. Die Polizei hat nun das Gebiet um das Konsulat grossräumig abgesperrt, um die Demonstranten davon fernzuhalten. |
| 13:29 | In Ägypten hat ein Menschenrechtsanwalt zwei prominente ultra-konservative Muslime verklagt. Sein Vorwurf: Sie sollen zwei Minuten des Filmes «Unschuld der Muslime» vorgeführt haben. Das habe zu den Tumulten geführt, bei denen zwei Menschen gestorben sind. «Die Menschen werden fürs Demonstrieren verhaftet, während die, die sie dazu angespornt haben in Sicherheit sind», so der Kläger Amr Emam. Bei den Verklagten handelt es sich um den TV-Moderator Khaled Abdallah und den Nader Bakkar von einer salafistischen Partei. |
| 12:18 | In Deutschland wird ein Verbot von öffentlichen Vorführungen des Films debattiert. Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich dafür ausgesprochen, eine öffentliche Vorführung des anti-islamischen Videos «Die Unschuld der Muslime» in Deutschland zu unterbinden. Es gebe Anzeichen dafür, dass das Zeigen des Films zu einer erheblichen Störung der öffentlichen Sicherheit führen könne, sagte Merkel am Montag vor der Bundespressekonferenz in Berlin. Deshalb werde jetzt ein Verbot geprüft: «Ich kann mir vorstellen, dass es gute Gründe für ein Verbot gibt.» Abgeordnete von SPD und Grünen warnten am Montag vor einem solchen Verbot. Auch die Gewerkschaft der Polizei äusserte sich zurückhaltend. Politiker der CDU befürworteten hingegen solche Bestrebungen. Bayerns CSU-Fraktionschef Georg Schmid ist gegen eine öffentliche Vorführung des anti-islamischen Videos «Die Unschuld der Muslime» in Deutschland. Weitere «Provokationen» bei diesem Thema müssten vermieden werden, sagte Schmid am Montag der Nachrichtenagentur dapd. Zustimmung über die Parteigrenzen hinweg erntete Friedrich für das Einreiseverbot für den US-Prediger und Islamfeind Terry Jones. «Wir müssen keine Hassprediger ins Land lassen», sagte der Grünen-Abgeordnete Beck. |
| 12:16 | Die Polizei nennt einen Grund, warum Demonstranten im Nordwesten Pakistans einen Presseclub in Brand gesetzt haben. Offenbar seien sie über die aus ihrer Sicht unzureichende Berichterstattung über die Proteste erbost gewesen, sagte ein Beamter. |
| 12:14 | Auch in mehreren Städten in Indonesien gingen am Montag wieder Menschen gegen das antimuslimische Video auf die Strasse. In der Hauptstadt Jakarta schleuderten Demonstranten Steine und Brandsätze auf die US-Botschaft und entzündeten Reifen vor dem Gebäude. Mindestens ein Polizist wurde bei den Zusammenstössen mit den Sicherheitskräften verletzt. Die Demonstranten forderten ein juristisches Vorgehen gegen die für den Film Verantwortlichen. «Wir werden die Proteste fortsetzen, bis die US-Regierung angemessene rechtliche Schritte gegen sie einleitet», sagte der Sprecher der Front der Verteidiger des Islams, Munarman. |
| 11:42 | Die Menge an Demonstranten in Afghanistan schwillt an: War heute morgen noch von 800 Demonstranten in Kabul die Rede, spricht die Polizei nun von 3000 bis 4000. Die Menge zog durch die Strassen und rief in Sprechchören «Tod für Amerika». Mehrere Autos standen in Flammen. «Wir werden unseren Propheten verteidigen, bis wir Blut an unserem ganzen Körper haben», sagte ein Teilnehmer. «Die Amerikaner werden für diese Schande bezahlen.» ![]() |
| Video | Scheich Hassan Nasrallah, Führer der radikalislamistischen Hisbollah im Libanon, hatte am Sonntag zu weiteren Protesten aufgerufen. Man müsse nicht nur die Macher des Films «Unschuld der Muslime» zur Verantwortung ziehen, sondern auch die, die hinter ihnen stünden. Namentlich die US-Regierung. Hier ein Video mit Ausschnitten seiner am TV übertragenen Rede. |
| 11:24 | Scheich Hassan Nasrallah, Führer der radikalislamistischen Hisbollah im Libanon, hatte am Sonntag zu weiteren Protesten aufgerufen. Man müsse nicht nur die Macher des Films «Unschuld der Muslime» zur Verantwortung ziehen, sondern auch die, die hinter ihnen stünden. Namentlich die US-Regierung. Hier ein Video mit Ausschnitten seiner am TV übertragenen Rede. [** videoembed:width=>'465',platformid=>'1',mode=>'inline_2010',big_link=>'1',id=>'270518' **] |
| 10:14 | In Pakistan wurde am Montagmorgen ein Demonstrant bei einem Feuergefecht mit der Polizei getötet. Zwei weitere Personen wurden verletzt. Rund 800 Demonstranten hatten in Warai ein Polizeirevier, das Haus eines Beamten und einen örtlichen Presseklub angezündet. |
| 10:09 | Auch in Indonesien kehrt keine Ruhe ein: Demonstranten in mehreren indonesischen Städten haben am Montag die Proteste gegen ein antimuslimisches Video fortgesetzt. Die Kundgebungen in den Städten Medan und Bandung verliefen zunächst friedlich. Auch in der Hauptstadt Jakarta war eine Protestaktion geplant. Die US-Botschaft teilte in einer Erklärung an amerikanische Staatsbürger in Indonesien mit, es würden etwa 1.000 Demonstranten vor der Vertretung erwartet. Rund 1.500 Polizisten seien vor Ort. Am Wochenende hatten in der Stadt Solo auf Java Demonstranten mehrere Filialen von US-Schnellrestaurants gestürmt, die daraufhin geschlossen wurden. |
| 09:19 | Nach Libyen, Ägypten, Indien und Indonesien sperrt Youtube das umstrittene Video auch in Malaysia. Am Freitag hatte das Weisse Haus die Youtube-Mutterfirma Google gebeten, «Die Unschuld der Muslime» auf Verstösse gegen die Nutzungsbedingungen zu prüfen. Google stellte keine Verstösse fest und gab bekannt, das Video nicht zu löschen. Es werde aber in den Ländern gesperrt, in denen es gegen das Gesetz verstosse. |
| 09:45 | «Al Jazeera» meldet, dass bei den Protesten in Afghanistan zwischen 40 und 50 Polizisten verletzt wurden. Mehrere hundert Demonstranten haben eine Strasse in Kabul fünf Stunden lang blockiert. Dabei haben sie Polizisten mit Steinen beworfen und mit Stöcken angegriffen. Zudem sind zwei angezündete Polizeifahrzeuge komplett ausgebrannt. |
| 09:19 | In Australien treffen sich die Anführer der grössten muslimischen Gemeinschaften, um weitere gewaltsame Demonstrationen zu verhindern. Wie «Sky News» berichtet, befürchten muslimische Organisationen und die Polizei weitere Ausschreitungen nach der Eskalation einer Demo in Sydney, bei der 17 Menschen verletzt wurden. Die Demonstration mit rund 200 Teilnehmern endete in Scharmützeln mit der Polizei, die Tränengas einsetzte und mehrere Personen verhaftete. Angeblich habe ein SMS, das verbreitet wurde, zur Gewalt aufgerufen. «Kommt und verteidigt den Propheten», wurden Muslime darin aufgefordert. |
| 08:29 | Nahe einem US-Militärstützpunkt in Afghanistan haben am Montag mehrere hundert Menschen gegen den den Film protestiert. Ein Polizeibeamter erklärte, bis zu 800 Menschen hätten am Morgen auf einer Strasse in Dschalalabad demonstriert und Steine geworfen. Sie hätten Schiffscontainer und Reifen angezündet und «Tod für Amerika» skandiert. Die Beamten hätten in die Luft geschossen, um die Menge zu vertreiben. Polizeichef Daud Amin sagte, mindestens ein Polizeifahrzeug sei ausgebrannt. |
| 08:27 | Die Unruhen im Zusammenhang mit dem anti-islamische Film «Innocence of Muslims» («Unschuld der Muslime») breitete sich am Wochenende auf mehr als 20 Ländern in Nahost, Afrika und Südostasien. Die Proteste führten zu mehreren Todesopfern und mehreren hundert Verletzten. Eine detaillierte Ausführung der Ereignisse können Sie hier nachlesen. Nach dem Angriff die US-Botschaft in Libyen, die zum Tod des US-Botschafters und zwei weiteren Menschen geführt hatte, wurden in den überwiegend muslimischen Ländern weitere westliche Botschaften angegriffen. Bei Gefechten vor der US-Botschaft in Tunis, Tunesien, sind drei Menschen ums Leben gekommen. Im Sudan wurde unter anderen die deutsche und britische Botschaft angegriffen. Auf dieser Karte finden Sie eine Übersicht über die Proteste in der islamischen Welt. Die Proteste dürften im Verlaufe der Woche weitergehen: Im Libanon hat die radikalislamische Hisbollah zu weiteren Protesten gegen den islamfeindlichen Film aufgerufen. Der Führer der Miliz, Scheich Hassan Nasrallah, forderte seine Anhänger auf, nicht nur ihren Ärger gegen US-Botschaften zu richten, sondern ihre Regierungen zum Handeln aufzurufen. Die Proteste sollten am (heutigen) Montag beginnen und in den kommenden Tagen fortgesetzt werden. Auch die Mullahs im Iran, das Terrornetzwerk Al-Kaida und die radikalislamischen Taliban forderten Muslime auf, weiter gegen den in den USA produzierten Film zu protestieren, der den Propheten Mohammed lächerlich macht. Bald könnte auch die Schweiz betroffen sein: Der Islamische Zentralrat plant eine Kundgebung vor der US-Botschaft in Bern. |
| 05:56 | Der ehemalige US-Aussenminister Henry Kissinger hat angesichts der neuen gewaltsamen Unruhen vor einer Idealisierung des Arabischen Frühlings gewarnt. «Ich habe den Arabischen Frühling nie so wahrgenommen, wie er in weiten Teilen der westlichen Welt und der Medien gesehen wurde», sagte Kissinger der «Bild»-Zeitung (Montagausgabe). In Ägypten hätten 75 Prozent der Wähler für Muslimbrüder und radikale Islamisten gestimmt, sagte der 89-jährige Friedensnobelpreisträger. «Das bedeutet nicht, dass man keine guten Beziehungen zu Ägypten haben kann. Dennoch leben wir nicht unbedingt in der gleichen Wertegemeinschaft.» |
| 05:34 | Die radikalislamische Hisbollah im Libanon hat für heute und für die Folgetage zu Protesten gegen den islamfeindlichen Film aufgerufen. Der Führer der Miliz, Scheich Hassan Nasrallah, forderte seine Anhänger auf, nicht nur ihren Ärger gegen US-Botschaften zu richten, sondern ihre Regierungen zum Handeln aufzurufen. Gleichzeitig machte er die USA für den Film verantwortlich. «Diejenigen, die zur Verantwortung gezogen und boykottiert werden sollten, sind diejenigen, die die Produzenten unterstützen und beschützen, nämlich die US-Regierung», sagte Nasrallah am Sonntag in einer im Fernsehen übertragenen Rede. Die Staaten auf der ganzen Welt müssten darauf dringen, dass der Prophet Mohammed und der Koran respektiert würden. Nasrallah kündigte an, die Hisbollah werde die ganze Woche über Demonstrationen im gesamten Libanon organisieren. |
Der Stand am Montagmorgen: Die Unruhen im Zusammenhang mit dem anti-islamischen Film «Innocence of Muslims» («Unschuld der Muslime») breitete sich am Wochenende auf mehr als 20 Länder in Nahost, Afrika und Südostasien aus. Die Proteste führten zu mehreren Todesopfern und mehreren hundert Verletzten.
Nach dem Angriff auf die US-Botschaft in Libyen, die zum Tod des US-Botschafters und zwei weiteren Menschen geführt hatte, wurden in den überwiegend muslimischen Ländern weitere westliche Botschaften angegriffen. Bei Gefechten vor der US-Botschaft in Tunis, Tunesien, sind drei Menschen ums Leben gekommen. Im Sudan wurde unter anderen die deutsche und britische Botschaft angegriffen. Auf dieser Karte finden Sie eine Übersicht über die Proteste in der islamischen Welt.
Im Libanon hat die radikalislamische Hisbollah zu weiteren Protesten gegen den islamfeindlichen Film aufgerufen, der in den vergangenen Tagen zu Angriffen auf westliche Einrichtungen in der muslimischen Welt führte. Der Führer der Miliz, Scheich Hassan Nasrallah, forderte seine Anhänger auf, nicht nur ihren Ärger gegen US-Botschaften zu richten, sondern ihre Regierungen zum Handeln aufzurufen. Die Proteste sollten am (heutigen) Montag beginnen und in den kommenden Tagen fortgesetzt werden.
Die Regierungen müssten darauf dringen, dass der Prophet Mohammed und der Koran auf der ganzen Welt respektiert würden, erklärte Nasrallah. Gleichzeitig machte er die USA für den Film verantwortlich. «Diejenigen, die zur Verantwortung gezogen und boykottiert werden sollten, sind diejenigen, die die Produzenten unterstützen und beschützen, nämlich die US-Regierung», sagte Nasrallah am Sonntag in einer im Fernsehen übertragenen Rede.
Nasrallah kündigte an, die Hisbollah werde die ganze Woche über Demonstrationen im gesamten Libanon organisieren. Ausserdem forderte er eine internationale Vereinbarung, die Angriffe auf Religionen in Zukunft verbietet. Er erklärte, er habe sich mit Äusserungen zu dem Film zurückgehalten, bis Papst Benedikt XVI. seinen dreitägigen Besuch im Libanon am Sonntag beendet habe.
Al Kaida verlangt Botschaftsstürmungen
Auch die Mullahs im Iran forderten Muslime auf, weiter gegen den in den USA produzierten Film zu protestieren, der den Propheten Mohammed lächerlich macht. Ahmad Chatami, ein Verbündeter des geistlichen Führers des Landes, Ayatollah Ali Chamenei, erklärte bei einer Versammlung in der Stadt Kom, dass die Proteste weitergehen sollten, um den USA und dem Iran zu zeigen, dass sie es nicht mit dem Islam aufnehmen könnten.
Das Terrornetzwerk Al Kaida und die radikalislamischen Taliban wollten die Empörung über den von vielen Muslimen als blasphemisch empfundenen Mohammed-Film für sich nutzen. Al Kaidas Unterorganisation auf der arabischen Halbinsel rief zu neuen Botschaftsstürmungen auf und wandte sich ausdrücklich auch an «unsere muslimischen Brüder im Westen», die ihren «Pflichten zur Unterstützung des Propheten» nachkommen sollten.
Bald könnte auch die Schweiz von der Welle erfasst werden: Der Islamische Zentralrat plant eine Kundgebung vor der US-Botschaft in Bern.
Google will Video nicht entfernen
Die Unruhen breiteten sich am Wochenende auf mehr als 20 überwiegend muslimische Länder in Nahost, Afrika und Südostasien aus. Zwar blieben die Demonstrationen in den meisten Ländern friedlich, doch mancherorts eskalierte die Gewalt. Die höchste religiöse Autorität in Saudi-Arabien, Grossmufti Scheich Abdel Asis al Scheich, mahnte die muslimischen Gläubigen unterdessen zur Besonnenheit. «Muslime sollten sich nicht von Zorn und Wut von legitimer zu verbotener Aktion hinreissen lassen und so unwissentlich einige Ziele des Films erfüllen», erklärte der Grossmufti.
Google lehnte eine Bitte des Weissen Hauses ab, den islamfeindlichen Film von der Internetplattform YouTube zu entfernen. Der Zugang werde lediglich in einzelnen Ländern gesperrt, hiess es. Der mutmassliche Urheber des islamfeindlichen Films wurde am Samstag von Beamten der US-Behörde für Bewährungsstrafen vernommen.

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