Nach Putin-Kritik

07. August 2012 11:13; Akt: 07.08.2012 16:47 Print

Pussy Riot drohen drei Jahre Straflager

Die russische Skandalband Pussy Riot droht die volle Härte des Putin-Regimes abzubekommen. Die Staatsanwaltschaft will die drei Frauen für Jahre hinter Gitter bringen.

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Am zu besprechen. : Pussy-Riot-Mitglied Nadescha Tolokonnikowa darf das Gefängnis verlassen. Kaum in Freheit fordert sie ein «Russland ohne Putin». Nadescha Tolokonnikowa zeigt sich in Siegerpose. Kurz davor war bereits Maria Aljochina freigelassen worden. Ein Amnestie-Gesetz ermöglichte ihre Freilassung. Im Hintergrund steht ihr Anwalt Piotr Saikin. In diesem Gefängnis in Nischni Nowgorod sass Aljochina ein. Die 23-jährige Aktivistin und Mutter tritt aus Protest gegen die «unmenschlichen Haftbedingungen» in den Hungerstreik. Tolokonnikowa war in diesem Gefängnis in Krasnojarsk eingesperrt. : Das höchste Moskauer Gericht bestätigt das Urteil gegen die beiden Inhaftierten Pussy-Riot-Mitglieder und wirft Vorwürfe eines politischen Prozesses zurück. «Sie sind keine politischen Häftlinge, sondern einfach nur Rowdys», heisst es. Maria Aljochina, die eine Woche zuvor in den Hungerstreik getreten war, da man sie von ihrer eigenen Bewährungsanhörung ausgeschlossen hatte, wurde in ein Spital eingeliefert. Wende im Prozess gegen drei Mitglieder der russischen Punkband Pussy Riot. Eine der drei verurteilten Frauen, Jekatarina Samuzewitsch, wird im Berufungsverfahren freigesprochen. Die Anwältin von Samuzewitsch sagte vor Gericht, die Aktion habe ohne ihre Mandantin stattgefunden. Samuzewitsch sei bereits wenige Sekunden, nachdem sie die Kirche betreten hatte, festgenommen worden. Als mehrere Pussy-Riot-Künstlerinnen ihr «Punkgebet» aufgeführt hätten, habe sich Samuzewitsch bereits ausserhalb der Kirche befunden. Die zwei anderen Frauen, Maria Alechina und Nadeschda Tolokonnikowa, müssten aber für zwei Jahre ins Gefängnis, teilte das Gericht am mit. Der Berufungsprozess gegen die zweijährige Haftstrafe für die drei Frauen wird fortgesetzt. Die Verteidigung befand das Urteil für falsch: Das Gericht habe in erster Instanz ignoriert, dass es sich um einen politischen und nicht um einen religiösen Protest gehandelt habe, sagte sie. Vor dem Gebäude demonstrierten Anhänger der Band. Die Polizei markierte Präsenz. Zwei Personen wurden festgenommen. Am 17. August 2012 werden die Mitglieder der Punkband Pussy Riot - Jekaterina Samuzewitsch, 30, Maria Aljochina, 24, und Nadeschda Tolokonnikowa, 23 (v.l.) - wegen Rowdytums «aus religiösem Hass» von einem Moskauer Gericht zu je zwei Jahren Straflager verurteilt. Putin kann nicht gnädig sein: Pussy Riot haben ein . «Machen Sie Witze? Natürlich nicht. Eher sollte er uns und Sie um Gnade bitten», schrieb Nadeschda Tolokonnikowa der regierungskritischen Zeitung «Nowaja Gaseta». An ein unanabhängiges Urteil glaubt die 22-Jährige nicht. «Das ist eine Illusion.» Die Anklage gegen die Musikerinnen hatte international Empörung ausgelöst. Auch am Tag der Urteilverküdung kam es vor dem Gerichtssaal in Moskau zu Tumulten und Verhaftungen. Bei den Protesten wurde laut Nachrichtenagentur Interfax der Oppositionsführer ) Bürgerrechtler aus aller Welt haben für den , Proteste gegen Prozess angekündigt. Amnesty International erkennt die drei Musikerinnnen als politische Gefangene an. statt: Der russische Staat und die orthodoxe Kirche gehen hart gegen drei Mitglieder der Punkband Pussy Riot vor. Nadeschda Tolokonnikowam, Maria Aljochina und Jekaterina Samutzewitsch (v.l.) am 8. August 2012 im Gerichtssaal. Bereits am Morgen des , stehen Sicherheitskräfte vor dem Gerichtsgebäude in Moskau präsent. Ebenfalls bereits am Vormittag werden die drei angeklagten Frauen ins Gericht gebracht, im Bild Maria Aljochina. Unterstützung erhalten die drei Pussy-Riot-Mitglieder von der ukrainischen Frauenrechtsbewegung Femen. Am 17. August 2012 fällen sie ein orthodoxes Kreuz, das als Zeichen für die Opfer politischer Repression errichtet worden war. Die für Pussy Riot typischen farbigen Sturmmasken auf einem sozialistischen Monument zu Ehren der sowjetischen Armee in der bulgarischen Hauptstadt Bereits in den Tagen vor der angekündigten Urteilseröffnung kommt es weltweit zu Protesten: Vor dem spanischen Aussenministerium in . Selbst in Südamerika protestierten Frauen gegen den Prozess. Zivile Polizisten verhaften Demonstrantinnen vor der russischen Botschaft in . Drei Demonstrantinnen mit den für Pussy Riot typischen Sturmmasken vor der russischen Botschaft in . Das Symbol von Pussy Riot - und inzwischen ein Symbol für den Protest gegen Putin: Farbige Sturmmasken bei einer Demonstration in am 14. August. Unterstützung für Pussy Riot auch in . Hart gingen die Sicherheitskräfte gegen Demonstranten in vor der Christ-Erlöser-Kathedrale in Moskau, wo Pussy Riot Filmaufnahmen machte, die zur Anklage führten. Internationale Künstler solidarisierten sich mit den angeklagten Mitglieder der Frauenband. «Nadeschda rechnet nicht damit, dass Putin ihnen vergeben hat», sagt der Ehemann der angeklagten Nadeschda Tolokonnikowa (im Bild). Er konnte seine Frau nach Monaten erstmals Mitte August im Gefängnis besuchen. Tolokonnikowa gab sich am Rande des Prozesses kämpferisch - obwohl der Mutter einer vierjährigen Tochter mehrere Jahre Haft drohten. Die drei angeklagten Mitglieder der Putin-kritischen Punkband mussten sich während des Prozesses in einem Plexiglas-Häuschen im Gerichtssaal aufhalten. Den Prozess ausgelöst hatte ein lautloser Auftritt der Band in der Moskauer Christ-Erlöser-Kathedrale. Sie hatten dort Filmaufnahmen gemacht für das Putin-kritische Lied «Gottesmutter, vertreibe Putin». Internationale Bands setzten sich für die drei jungen Frauen ein. haben sich kritisch über die Gefangenschaft der Musikerinnen geäussert. Auch in Russland protestierten Prominente. Die russische Filmregisseurin Olga Darfy tauchte im Juni 2012 am Moskauer Filmfestival in einer Maske auf - eine Anspielung auf die typischen Sturmmasken von Pussy Riot. Ein Künstler hat sich dabei die Lippen zugenäht.

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Im umstrittenen Prozess gegen die regierungskritische Frauenband Pussy Riot hat der Staatsanwalt jeweils drei Jahre Haft wegen Rowdytums aus religiösem Hass für die drei Angeklagten gefordert. Die Frauen hätten mit ihrem Punkgebet in der Erlöserkathedrale (s. Video unten) die Gefühle Gläubiger grob verletzt.

Dass die Aktion gegen Kremlchef Wladimir Putin gerichtet sei, nannte Staatsanwalt Alexander Nikiforow am Dienstag vor dem Chamowniki-Gericht in Moskau einen Vorwand. Mit dem Antrag blieb er unter der möglichen Höchststrafe von sieben Jahren Lagerhaft. Das Urteil wird noch in dieser Woche erwartet.

Die Verteidigung hält den Prozess für politisch gesteuert und fordert Freispruch für die gewaltlosen Musikerinnen. Es gebe keine Rechtsgrundlage für ein Urteil, sagte Verteidiger Mark Feigin.

Pussy Riot plädiert aufs Recht auf freie Meinungsäusserung

Die Angeklagten Maria Aljochina, Nadeschda Tolokonnikowa und Jekaterina Samuzewitsch hatten ihren Protest gegen Putin in der Kirche als Form freier Meinungsäusserung verteidigt. Das dafür geforderte Strafmass sei absurd und eine «Schande für Russland», kritisierten mehrere Menschenrechtler.

Zuletzt hatte auch Putin angemahnt, die Frauen nicht «so hart zu verurteilen». Allerdings kritisierte er erneut den Auftritt als «nicht gut». Die Künstlerinnen sitzen seit März in Untersuchungshaft. Sie nahmen das Plädoyer vom Dienstag ruhig mit verständnislosem Kopfschütteln und Lächeln auf.

«Von der Gesellschaft isolieren»

Die Schuld von Aljochina, Tolokonnikowa und Samuzewitsch sei erwiesen, sagte Staatsanwalt Nikiforow bei der live im Internet übertragenen Sitzung. Die schrille Aktion vom 21. Februar sorgte vor allem im Internet für Aufsehen. Die Frauen hätten mit greller Kleidung, Strumpfmasken, wildem Tanz und «vulgärem und zynischem» Verhalten in der Kirche die russisch-orthodoxen Christen beleidigt, sagte der Ankläger.

«Die öffentliche Benutzung von Schimpfwörtern nahe der Ikonen an einem solchen heiligen Ort ist eine Verletzung der allgemeingültigen Regeln», sagte Nikiforow. Das Vergehen der drei Angeklagten sei so «schwer», dass sie «von der Gesellschaft isoliert» werden müssten. Er berücksichtige aber, dass keine der Frauen vorbestraft sei und Tolokonnikowa und Aljochina kleine Kinder hätten.

Zweifelhafte Unabhängigkeit des Gerichts

Die Frauen beteuern ihre Unschuld. Sie hatten sich im Prozess bei den Gläubigen entschuldigt und den Auftritt als «ethischen Fehler» bezeichnet, halten aber am Inhalt des umstrittenen Gebets fest.

Darin hatten die Musikerinnen nicht nur dafür gebetet, dass Russland von Putin erlöst werden möge. Sie kritisierten auch eine enge politische Verbindung des Patriarchen Kirill mit Putin.

Kritiker zweifeln die Unabhängigkeit des Gerichts an. Sie werfen Putin vor, nach den grössten Protesten gegen ihn seit dem Jahr 2000 verstärkt gegen die Opposition vorzugehen. Putin hatte im Mai erneut das Präsidentenamt übernommen, das er bereits zwischen 2000 und 2008 innehatte.


Pussy Riot-Gebet in der Christus-Erlöser-Kathedrale. (Video: Youtube/imjustevil666)

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Marco am 07.08.2012 20:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Putin und Medwedev

    Diese drei jungen Frauen tun mir überhaupt nicht leid. Es zeigte, dass sie null Respekt vor einem heiligen Platz haben. Diese Aufführung der Frauen war einfach nur grässlich, es gibt andere Wege. Sollen sie doch ins Straflager, das ist die richtige Strafe. Ein so grosses Land wie Russland muss von einer "Starken Hand" regiert werden. Würde das Land von Simonetta Somaruga und Co. geführt würde das in einem gigantischen Chaos enden. Auf mich wirken Putin und Medwedev sehr sympathisch.

  • Ivanka am 07.08.2012 16:35 Report Diesen Beitrag melden

    Mädels

    Diese Mädels sind leider selber Schuld. In Russland möchte ich nicht gefangen sein, ich habe lange dort gelebt!

  • Alexander am 07.08.2012 13:54 Report Diesen Beitrag melden

    Njet

    Putin und Co. werden mit aller Macht das tun, was sie wollen; jedenfalls stimmen ihre Worte nicht mit ihren Taten überein. Er kann sich unter vielen anderen Machthabern reihen, die auch in unzähligen Fällen skrupellos gehandelt haben.

Die neusten Leser-Kommentare

  • ursus bernensis am 09.08.2012 11:00 Report Diesen Beitrag melden

    souverenität und religiöse inkonsequenz

    einerseits loben wir die mutigen und wähnen die widerständler im recht. andererseits frage ich mich, wie die behörden in amerika, deutschland oder auch bei uns reagieren würden. interessanterweise fühlen sich bei einem missbrauch der kirche und eines kulturobjektes für politische und selbstzweckliche inszinierung anscheinend weniger in ihren religiösen gefühlen verletzt, als wenn eine diskussion über die gleichstellung freigeistlicher angestossen wird...

  • Marco am 07.08.2012 20:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Putin und Medwedev

    Diese drei jungen Frauen tun mir überhaupt nicht leid. Es zeigte, dass sie null Respekt vor einem heiligen Platz haben. Diese Aufführung der Frauen war einfach nur grässlich, es gibt andere Wege. Sollen sie doch ins Straflager, das ist die richtige Strafe. Ein so grosses Land wie Russland muss von einer "Starken Hand" regiert werden. Würde das Land von Simonetta Somaruga und Co. geführt würde das in einem gigantischen Chaos enden. Auf mich wirken Putin und Medwedev sehr sympathisch.

  • Frank R. am 07.08.2012 20:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ich bin vor...

    ....über dreißig Jahren aus der Kirche ausgetreten, wobei die Betonung auf "Kirche" liegt ! dies kurz zu mir ! Ersetzen wir mal den begriff Kirche durch das Wort Gotteshaus und schon sollten wir merken das es sich um das Haus Gottes handelt, nun stellt sich zumindest mir die frage, was hätte, oder würde Gott zu dieser Geschichte sagen ? nun...die Antwort darauf muss sich wohl jeder selber geben, jeder soll selber entscheiden ob "sein" Gott rachsüchtig oder gut und verzeihend ist ! "Meiner"....., nun rachsüchtig und böse sehe ich Ihn bestimmt nicht !

  • Peter Stainless am 07.08.2012 16:44 Report Diesen Beitrag melden

    PR-Kampagne in die Hose gegangen

    Eigentlich hätten die es verdient für ihren stümperhaften Punk und nicht für Kirchen-Vandalismus verklagt zu werden. Dass sich nur depperte Hollywood-Stars sowie degenerierte Mainstream-Popstars und nicht etwa Johnny Rotten für diese Amateure einsetzen, sagt ja wohl alles.

  • Ivanka am 07.08.2012 16:35 Report Diesen Beitrag melden

    Mädels

    Diese Mädels sind leider selber Schuld. In Russland möchte ich nicht gefangen sein, ich habe lange dort gelebt!