Steinbrück am Pranger

30. Oktober 2012 13:27; Akt: 30.10.2012 13:44 Print

Peitschen-Peer verteidigt sich

Nach dem öffentlichen Druck reagiert der deutsche Bundeskanzlerkandidat der SPD, Peer Steinbrück, und präsentiert seine Einkünfte aus Vorträgen. Kritik weist er als «absurd» zurück.

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Peer Steinbrück ist wegen seiner bezahlten Vorträge in die Kritik geraten. (Bild: Keystone)

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Mit Einkünften in Höhe von rund 1,25 Millionen Euro ist Peer Steinbrück «Vortragsmillionär» geworden: Der SPD- Kanzlerkandidat hat seine umstrittenen Vortragshonorare offengelegt und zugleich Versäumnisse eingeräumt. Vorwürfe, er sei käuflich, wies er zurück.

Der Ex-Finanzminister hat nach eigenen Angaben zwischen 2009 und 2012 insgesamt 89 Vorträge gegen Geld gehalten. Davon seien 74 mit einem «Standardhonorar» von 15 000 Euro vergütet worden, was einer Netto-Vergütung von ungefähr 7300 Euro entspreche. Steinbrück stellte seine Einkünfte aus Vorträgen am Dienstag auch ins Internet

In der gleichen Zeit habe er, betonte Steinbrück, 237 unentgeltliche Vorträge gehalten. In vielen Fällen habe er auf Honorare verzichtet oder um Spenden zugunsten wohltätiger Zwecke gebeten.

Steinbrück hatte am 4. Oktober die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Warth & Klein Grant Thornton AG mit einer Prüfung beauftragt, nachdem Medien über seine zahlreichen Nebeneinkünfte berichtet hatten. Das Ergebnis ist auf seiner Homepage nachzulesen.

«Kontakt zu Bürgern suchen»

Der SPD-Politiker hob hervor, seine Nebeneinkünfte seien nun «nach Euro und Cent einschliesslich Nebenkosten» veröffentlicht. «Ich gehe damit weit über die bisher geltenden Transparenzregeln hinaus.» Unterstellungen, er habe sich von der Wirtschaft abhängig gemacht, bezeichnete er als «absurd».

Es sei nun einmal Aufgabe eines Politikers, den Kontakt zu den Bürgern zu suchen. Er selbst wolle auch Menschen erreichen, die nicht zur Stammklientel der Sozialdemokraten gehören, sagte Steinbrück.

Steinbrück sagte weiter, mit seinem Schritt wolle er «ein Beispiel geben». Allerdings zog auch er eine Grenze: Seine Einkünfte aus Buchverträgen will der SPD-Kanzlerkandidat nicht veröffentlichen, weil in diesem Fall keine Gefahr von Abhängigkeiten bestehe. Zudem müsse er die Interessen seines Co-Autors beachten.

In zwei Fällen attestierten ihm die Wirtschaftsprüfer jedoch mangelnde Transparenz und empfahlen, «die Anzeige nachzuholen». So hat Steinbrück beim Bundestagspräsidenten nicht angegeben, dass er am 13. Oktober 2011 bei der Kerkhoff Consulting GmbH sowie am 19. Oktober 2011 bei der Südwestbank AG Vorträge gegen Honorar gehalten hat.

Der SPD-Politiker sagte dazu: «Das war Nachlässigkeit von mir - ich habe es einfach verschwitzt.» Beide Auftritte seien aber «unverdächtig».

Auch Vorträge in jüngster Vergangenheit

In sechs weiteren Fällen muss Steinbrück noch den Bundestag informieren. Dabei handelt es sich um Auftritte im Zeitraum vom 30. August 2012 bis 24. September 2012. Die Frist zur Meldung ist jedoch laut den Wirtschaftsprüfern noch nicht abgelaufen.

Steinbrück sagte, die vielen Vortrags-Anfragen habe er angenommen «in einer Zeit, als weder die SPD noch ich selbst die Idee hatten, wieder in den Ring zu steigen». Den Vorwurf, dass seine Nebentätigkeiten zulasten seines Parlamentsmandats gegangen sein könnten, wollte der Ex-Minister nicht gelten lassen.

Er sei 2009 und 2010 an sieben Sitzungstagen nicht dagewesen, an denen im Bundestag namentliche Abstimmungen anstanden. Danach habe es keine Versäumnisse mehr gegeben. Im übrigen sage die physische Anwesenheit im Plenum nichts über «politische Präsenz» aus, betonte er.

(sda/dapd)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Eidgenoss am 31.10.2012 08:27 Report Diesen Beitrag melden

    Irgendeinmal holt's jeden ein

    Irgendeinmal holt's jeden ein, auch den Peer

  • mim am 31.10.2012 12:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    und

    wohl eventuell ein konto auf cayman island ;-)

  • maja naef am 30.10.2012 14:25 Report Diesen Beitrag melden

    Scheinheiliger

    so, so er hat es verschwitzt anzugeben. Warum kann er dann unser Steuersystem mit der Unterscheidung zwischen Steuerbetrug und Steuerhinterziehung nicht verstehen. Demnach hat er sich mit der Kavallerie doch etwas zu weit aus dem Fenster gelehnt.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • mim am 31.10.2012 12:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    und

    wohl eventuell ein konto auf cayman island ;-)

  • Eidgenoss am 31.10.2012 08:27 Report Diesen Beitrag melden

    Irgendeinmal holt's jeden ein

    Irgendeinmal holt's jeden ein, auch den Peer

  • Guschti am 31.10.2012 06:05 Report Diesen Beitrag melden

    an die Finanzminister in D:

    Sucht nicht auf geklauten CDs die ihr als Hehler organisiert habt - sucht einfach mal bei zB Peer Steinbrücks Angaben über seine Finanzangaben - ihr werdet auch Millionen finden - in Singapore oder auf den Cayman Is. - oder gar in der Schweiz? Und ihr Banken: legt seine Konti offen: Anzahl und Betrag, schreibt es in der Bildzeitung - und alle sind lustig!

  • Fridolin am 31.10.2012 06:01 Report Diesen Beitrag melden

    Peer Steinbrück Kurzfassung

    Grossmaul

  • Exisl Deutscher am 31.10.2012 06:01 Report Diesen Beitrag melden

    der olle Peer

    Der Peer kann ja nicht anders: Politiker zuoberst: Wasser predigen , den Wein selber saufen. Andere drangsalieren und selber al Mimose reagieren. Typisch Grossmaul eben. Und noch ehrenhafte Soldaten der Kavallerie ins lächerliche ziehen mit seine dummen Vergleichen. Und als SPDler derar schamlos GEld scheffeln - pfui!